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| 06:07 Uhr

Verkehr
Bahnbrücke Hosena bleibt Illusion

 Der Bahnübergang in der Hosenaer Karl-Marx-Straße bleibt auch zukünftig ein Nadelöhr.
Der Bahnübergang in der Hosenaer Karl-Marx-Straße bleibt auch zukünftig ein Nadelöhr. FOTO: Steffen Rasche
Hosena. Bahn schließt weitere Infrastruktur-Maßnahmen zwischen Ruhland und Hosena aus. Von Torsten Richter-Zippack

Wenn sich am Bahnübergang in der Hosenaer Karl-Marx-Straße die Schranken senken, wird es still auf der Ortsdurchfahrt. Autofahrer schalten ihre Motoren ab und warten. Eigenen Recherchen zufolge kann es schon mal bis zu zehn, zwölf Minuten dauern, ehe sich die Schranken wieder öffnen. Manche Passanten nutzen die Zeit für einen Gang in die nahe Apotheke, andere für ein Schwätzchen.

Bereits seit vielen Jahren ist dieser Knotenpunkt ein Ärgernis in Hosena, sagt Ortsvorsteher Hagen Schuster. Der Kommunalpolitiker befürchtet, dass sich die Wartezeiten künftig noch mehr verlängern könnten. Der Grund: „Wenn die Niederschlesische Eisenbahnmagistrale voll in Betrieb ist, werden die Hose­naer ewig an den Schranken stehen.“

Ende 2018 war die Strecke in Betrieb gegangen. Rund 55 Kilometer Strecke zwischen Knappenrode und der polnischen Grenze bei Horka wurden komplett zweigleisig neu aufgebaut und elektrifiziert. Nach Angaben von Bahnsprecherin Erika Poschke-Frost sind auf den beiden Gleisen aktuell zwischen 20 und 30 Güterzüge auf Achse. „Wir erwarten aber bis zu 60 Güterzüge pro Tag“, prognostiziert Poschke-Frost.

Hinzu kommen zahlreiche Personenzüge. Die technische Kapazitätsgrenze bewege sich bei rund 160 Zügen in 24 Stunden, davon ein Achtel Personenzüge. „Aufgrund des noch nicht durchgängig erfolgten Ausbaus des vor- und nachgelagerten Netzes wird diese sehr hohe Anzahl an Zügen vorerst nicht erreicht“, stellt die Bahnsprecherin klar.

Ortsvorsteher Hagen Schuster glaubt, dass dieser Schienenstrang die Hosenaer noch sehr lange beschäftigen werde. Nicht umsonst regt er eine schrankenlose Querung der Bahntrasse an. „Dabei ist es erst mal zweitrangig, ob eine Brücke oder ein Tunnel kommen“, erklärt Schuster.

Prinzipiell könne, so heißt es vonseiten der Deutschen Bahn, jeder Straßenbaulastträger den Bau einer Überführung oder Unterquerung verlangen. Der Initiator müsse dann aber auch die dabei anfallenden Kosten selbst übernehmen. „Ein derartiges Verlangen ist bisher nicht bekannt“, gibt Erika Poschke-Frost den aktuellen Sachstand wieder.

Darüber hinaus werde es im Abschnitt Ruhland - Hosena keine weiteren Baumaßnahmen zur Änderung der Infrastruktur geben, kündigt die Sprecherin an. Maßnahmen zum Erhalt beziehungsweise zur Instandsetzung der West-Ost-Verbindung seien davon ausgenommen. So müssen die Hosenaer auch perspektivisch mit ihren Bahnübergängen und den damit verbundenen Wartezeiten vorlieb nehmen. Die Schließzeiten hängen indes von der Ein- und Ausfahrt der Züge in den nahen Bahnhof Hosena ab. Nicht zuletzt ist der Bahnhof Kreuzungspunkt zwischen den Strecken Horka - Dessau und Lübbenau - Kamenz/Dresden. Die Niederschlesische Magistrale gilt als Teil einer von West nach Ost verlaufenden Verkehrsachse. Diese beginnt an den Häfen von Bremen, Bremerhaven und Hamburg und führt über Magdeburg, die Lausitz, Breslau, Krakau, Lemberg nach Kiew und weiter in Richtung Asien. Der Abschnitt zwischen Knappenrode und Horka ist in den vergangenen sieben Jahren komplett neu gebaut worden. In diesem Zuge erfolgte eine Modernisierung der 33 Bahnübergänge in diesem Abschnitt sowie ein teilweiser Ersatz durch Brücken. Auf der Trasse können Geschwindigkeiten von 120 km/h, zwischen Niesky und Knappenrode auch bis zu 160 km/h gefahren werden.

 Der Bahnübergang in der Hosenaer Karl-Marx-Straße bleibt auch zukünftig ein Nadelöhr.
Der Bahnübergang in der Hosenaer Karl-Marx-Straße bleibt auch zukünftig ein Nadelöhr. FOTO: Steffen Rasche