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| 13:02 Uhr

Rutschungsgefahr
Badestrand Großkoschen am Senftenberger See gesperrt

 Michael Kiraly, der Inhaber und Betreiber des Wassersportparks in Großkoschendes Senftenberger Sees, kann es nicht fassen: Der Strand ist am Freitagnachmittag überraschend gesperrt worden. Er muss seine genehmigte Anlage wegen Rutschungsgefahr abbauen lassen.
Michael Kiraly, der Inhaber und Betreiber des Wassersportparks in Großkoschendes Senftenberger Sees, kann es nicht fassen: Der Strand ist am Freitagnachmittag überraschend gesperrt worden. Er muss seine genehmigte Anlage wegen Rutschungsgefahr abbauen lassen. FOTO: Rasche Steffen / STEFFEN RASCHE
Senftenberg/Großkoschen . Der Badestrand Großkoschen am Senftenberger See (Oberspreewald-Lausitz) ist am Freitagnachmittag gesperrt worden. Völlig überraschend. Ein Sachverständiger für Geotechnik, der die Uferböschung des Badegewässers untersucht hatte, hat Alarm geschlagen. Für den Betreiber des neuen Wassersportparks geht es um die Existenz. Von Kathleen Weser und Steffen Rasche

Der Aktiv-Badestrand Großkoschen am Senftenberger See ist gesperrt. Michael Kiraly, der Eigentümer und Betreiber des Wassersportparkes, versteht die Welt nicht mehr. Für den Rückkehrer, der einen guten Job aufgegeben und sich in der alten Heimat selbstständig gemacht hat, geht es um die Existenz. Und die Badegäste sind enttäuscht.

Ein Sachverständiger für Geotechnik, der die Uferböschung des Senftenberger Sees untersucht hatte, hat Alarm geschlagen. Die schwimmenden Elemente des erst vor wenigen Wochen eröffneten Wassersportparkes sind am Großkoschener Ufer des Senftenberger Sees mit Seilen an 70 stahlbewehrten Beton-Ankern befestigt. Diese liegen dem Sachverständigen zufolge auf einem gekippten Uferbereich des Sees, der unter diesen erschwerten Bedingungen ins Rutschen geraten könne. Uwe Sell, der Abteilungsleiter für Braunkohletagebaue im Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) Brandenburg, hat deshalb „vorsorglich“ die ordnungsrechtliche Reißleine gezogen.

 Der Großkoschener Strand wurde im Bereich des neuen Wassersportparkes am Freitagnachmittag überraschend gesperrt.
Der Großkoschener Strand wurde im Bereich des neuen Wassersportparkes am Freitagnachmittag überraschend gesperrt. FOTO: Rasche Steffen / STEFFEN RASCHE

Behörde legt Wassersportpark wenige Wochen nach eigener Genehmigung wieder lahm

 Ein Bauzaun versperrt den Weg ins Wasser.
Ein Bauzaun versperrt den Weg ins Wasser. FOTO: Rasche Steffen / STEFFEN RASCHE

Die Wasserbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, die für die neue Freizeit-Anlage am Senftenberger See erst im Juli grünes Licht gegeben hatte, hat Betreiber Michael Kiraly nun mit einer Ordnungsverfügung geschockt. Die klare Ansage: Der Betrieb ist sofort einzustellen, die Anlage muss abgebaut werden. Das Landesbergamt in Cottbus hat das Großkoschener Seeufer, den ältesten und sehr beliebten Badestrand am Senftenberger See, in Höhe des Wassersportparkes weiträumig auf etwa 150 Metern Uferlänge mit einem Zaun versehen.

 Am Badestrand in Großkoschen am Senftenberger See sind die Sperrschilder aufgestellt.
Am Badestrand in Großkoschen am Senftenberger See sind die Sperrschilder aufgestellt. FOTO: Rasche Steffen / STEFFEN RASCHE

Verbotsschilder mit der Aufschrift „Gefahr einer Bodensenkung“ sollen die Menschen, die hier am warmen Freitagnachmittag zuhauf Abkühlung suchen, von der Badestelle fern halten. Bis die Schwimm-Elemente und die Anker entfernt sind. Dafür muss eine Fachfirma anrücken.

Die Bergbehörde handelt vorsorglich auf Verdacht

Uwe Sell erklärt: Die Gefahr des Setzungsfließens, der gefährlichsten Art von Rutschungen in der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft, könne nicht ausgeschlossen werden. Es sei unklar, ob der Seegrund die Last der Beton-Anker trage.

Der Investor hatte sie allerdings nach strengen behördlichen Vorgaben anfertigen und von Tauchern, die sie mit den Daten des Globalen Positionsbestimmungssystems (GPS) akkurat eingemessen haben, genau platzieren lassen.

Doch laut des Sachverständigen-Urteils zur Uferböschung auf der Großkoschener Seite des Senftenberger Sees ist es möglich, dass Wind und Wellengang die Seile an den schweren Beton-Ankern so in Bewegung bringen könnten, dass die locker gelagerten Sande der nun gesperrten Bereiche in den See fließen könnten. Kleine Kinder und Nichtschwimmer könnten durch den Sog – auch unbemerkt – ins Wasser gezogen werden.

Der Unternehmer ist fassungslos über das Vorgehen der Behörden

Wassersportpark-Betreiber Michael Kiraly ist entsetzt. „Wir haben alle Auflagen der Wasserbehörde erfüllt, um die Anlage hier aufbauen und betreiben zu dürfen“, sagt er. Ohne jede Vorwarnung habe ein ganzer Behörden-Tross ihm am Freitagnachmittag – vor dem sonnigen und heißen Wochenende – plötzlich den Betrieb untersagt. „Natürlich ist uns die Sicherheit unserer Gäste am wichtigsten“, betont er. Aber der Unternehmer, der sich mit dem Wassersportpark selbstständig gemacht und dafür eine beachtliche Summe im sechsstelligen Euro-Bereich investiert hat, ist sauer. „Ich kann nicht glauben, dass diese Behörden-Entscheidung so kurzfristig getroffen worden ist, dass ich darüber nicht einmal im Vorfeld informiert werden konnte“, sagt er.

„Hier sind Gäste extra aus Berlin anreist. Die stehen nun mit den enttäuschten Kindern vor mir.“ Ein fairen Umgang mit einem unverschuldet in diese Lage geratenen Unternehmen dürfe wohl erwartet werden. Aber, sagt Kiraly, ihm sei jede Chance genommen worden, wenigstens in den sozialen Netzwerken kurzfristig darüber informieren zu können, dass der Wassersportpark geschlossen sei.

An der Anlage hängt die Existenz des Großkoscheners. „Die Leute, die jetzt umsonst angereist sind, kommen doch nie wieder. Und mit den schlechten Bewertungen als Dienstleister am Senftenberger See werde ich auch allein leben müssen“, sagt er. Michael Kiraly ist am Freitag nach der Schock-Botschaft eines klar geworden: Er wird sich einen Rechtsbeistand nehmen müssen. Am Wochenende, das ihm kräftig verhagelt worden ist, kann er nichts tun.