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| 02:53 Uhr

Bachs Toccata in D-Moll erklang in Brieske

Organist Pavel Svoboda aus Tschechien.
Organist Pavel Svoboda aus Tschechien. FOTO: Böhnisch
Brieske. Der Verein Großräschener Orgelkonzerte hat das festliche Orgelkonzert am vergangenen Samstag in Brieske auf die Schnelle völlig umplanen müssen. Wenige Tage vor dem Konzert erkrankte ein polnischer Organist. Für ihn sprang kurzfristig der junge Organist Pavel Svoboda aus dem tschechischen Dobruska ein. red/ths

So konnte das Festkonzert in der Reihe "Mixtur im Bass exklusiv" anlässlich 100 Jahre Kirche und Orgel in Brieske doch stattfinden. Die historische Orgel der traditionsreichen Dresdner Firma Gebrüder Jehmlich aus dem Jahr 1914 befand sich in guten Zustand, für den Klaus-Peter Weigelt aus Cottbus gesorgt hatte. So konnte der Organist umringt von vielen interessierten Konzertbesuchern vor dem Konzert die einzelnen 16 Klangfarben vorstellen: Bordun 16 Fuß, Octave vier Fuß, Aeoline acht Fuß und so weiter. Mit dem Schweller wurde ein Tutti erzielt, dass die volle Klangkraft der Orgel aufzeigte.

Dann begann das Konzert. Als erstes Stück erklang das wohl bekannteste Orgelstück überhaupt: Johann Sebastian Bachs d-Moll-Toccata. Ein Genuss, jedoch gespielt auf der Briesker romantischen Orgel, deren Töne pneumatisch angesteuert werden, und eben einmal nicht auf einer Barockorgel. Weiter ging es mit Bach und auch einer Sonate seines wohl bekanntesten Sohnes Carl Philipp Emanuel, der 100 Jahre vor dem Bau der Orgel in der Martin-Luther-Kirche geboren wurde, also in diesem Jahr den 200. Geburtstag begehen würde. Vor einer Pause spielte Pavel Svoboda noch ein Trumpet tune vom Engländer Henry Purcel.

Nach der Pause erlebten die mehr als 75 Besucher aus Senftenberg, der weiteren Region und aus Dresden, Elsterwerda, Finsterwalde oder Lübbenau den romantischen Teil des Festkonzertes. Dabei konnte man die Musik hören, für die die Orgel eigentlich gebaut worden war. Das ist der Musikgeschmack von vor 100 Jahren, orchestral mit einem starken Fundament im Bass. So war Leos Janacek genauso zu hören wie der Deutsch-Niederländer Gerald Bunk. Zwei Skizzen für Pedalflügel von Robert Schumann brachten ein Lächeln auf die Gesichter, bevor das große Präludium und Fuge g-Moll von Johannes Brahms das Konzert abrundeten.

Bei nicht enden wollendem Applaus überreichte Regina Domann von der Briesker Kirchengemeinde Blumen und sagte, dass niemand bemerkt hatte, dass es ein "Ersatzorganist" war. "Im Gegenteil", sagte die Gemeindefrau. "Pavel Svoboda hat ein großartiges Konzert gegeben." Und zum Organisator Rudolf Bönisch gewandt sagte Regina Domann, dass man sich in Brieske möglichst bald wieder ein Orgelkonzert wünsche. Schöner kann ein Festkonzert nicht enden.