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| 15:55 Uhr

Senftenberg kämpft für Baby Katharina
Baby Katharina aus Senftenberg wartet noch auf ihren Lebensretter

Die zehn Monate alte Katharina leidet an septischer Granulomatose, einer lebensbedrohlichen Erkrankung des blutbildenden Systems. Sie kann nur mit einem passenden Stammzellspender überleben - der bisher noch nicht gefunden ist.
Die zehn Monate alte Katharina leidet an septischer Granulomatose, einer lebensbedrohlichen Erkrankung des blutbildenden Systems. Sie kann nur mit einem passenden Stammzellspender überleben - der bisher noch nicht gefunden ist. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Der erschütternde Hilferuf von Katharinas Eltern hat ganz Senftenberg elektrisiert: Knapp 900 Senftenberger lassen sich typisieren. Bei Spendenaktion 16 000 Euro eingesammelt. Von Andrea Budich

Der erlösende Anruf von Katharinas Ärzten aus der Uniklinik Dresden oder der Charité in Berlin - es gibt nichts, was sich ihre Eltern Anastasia und Alexander derzeit mehr wünschen. Ihrer kleinen Prinzessin geht es vor ihrem 1. Geburtstag am 5. Mai den Umständen entprechend gut. Sie steht schon mit ihren zehn Monaten, brabbelt das erste „Mammama“ und strahlt übers ganze Gesicht jeden an.

Überleben kann die an einer lebensbedrohlichen Erkrankung des blutbildenden Systems leidenden Katharina aber nur mit einem Stammzellspender. Und genau dieser genetische Zwilling, der Lebensretter für die kleine Katharina, ist noch nicht gefunden. „Das macht uns hilflos, wo wir doch so für Katharina getrommelt haben“, sagt Birgit Heilemann, die auch nach der großen Typisierungsaktion im Dezember in Senftenberg für die Eltern eine große Stütze geblieben ist. Wenn sie in der Stadt unterwegs ist, über den Markt geht oder einkauft, wird sie von vielen Senftenbergern immer wieder auf Katharina angesprochen. „Die Leute wollen wissen, wie es der Kleinen geht. Sie haben ehrliches Interesse am Schicksal der jungen Senftenberger Familie“, sagt die Nachbarin.

Für Katharinas Eltern hat nach der großen Hilfsaktion in der Turnhalle der Dr.-Otto-Rindt-Oberschule die Zeit des Wartens angefangen. „Die Nächte sind sehr lang“, gestattet Mutter Anastasia einen kleinen Einblick in ihren derzeitigen Seelenzustand. Zur nächsten Untersuchung in der Uniklinik Dresden fährt die Familie kommende Woche unter Hochspannung. „Vielleicht hat sich was getan, vielleicht gibt es endlich den ersehnten Treffer“, sagt die Mutter.

Für die komplette Nachbarschaft in Senftenbergs Radojewskistraße und für alle, die sich typisieren lassen haben, wäre das die schönste Nachricht und eine Erlösung zugleich. „Damit sich die Chance auf einen potentiellen Treffer erhöht, haben wir wie verrückt getrommelt und 150 Freiwillige aktiviert, von denen wir die meisten gar nicht kannten“, erzählt Birgit Heilemann. Dass sie mit der Spendenaktion so viele Menschen erreichen, dass Senftenberg in der Not so eng zusammenrückt, hat alle sprachlos gemacht.

In der Nachbarschaft der fünfköpfigen Familie der schwerkranken Katharina haben ohnehin alle mitgemacht. „Wer für eine Typisierung nicht in Frage kam, hat Kuchen gebacken, 500 Sachpreise für die Tombola registriert, Stühle geschleppt oder am Grill gestanden. „Die Aktion hat uns zusammengeschweißt, wir haben uns dadurch noch besser kennengelernt“, sagt René Heilemann. Für ihn haben die Senftenberger ein einmaliges Zeichen der Solidarität mit ihrer großzügigen Spendenbereitschaft gesetzt. In den im Januar geleerten Spendenbüchsen, die in der ganzen Stadt verteilt waren, steckten nochmals gut 4000 Euro drin. Damit erhöht sich die Senftenberger Spendensumme von bisher 12 000 Euro auf aktuell 16 000 Euro, die der Familie und der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zugute kommen.

Von den 889 Senftenbergern, die sich für eine mögliche Stammzellspende typisieren lassen haben, sind inzwischen alle registriert. „Sie stehen damit für den Fremspender-Suchlauf zur Verfügung“, erklärt Annika Schirmacher von der DKMS. Die Hoffnung, dass doch noch einer davon Katharinas Lebensretter werden könnte, wollen weder Eltern noch Nachbarn aufgeben. Zur Stammzellspende sofort bereit wäre auch Nico Heilemann. Mit seinen 17 Jahren hat sich der Nachbarssohn registrieren lassen, darf aber wegen seines Alters noch nicht spenden. Sobald er am 14. Mai volljährig ist, würde er nichts lieber tun, als der kleinen Katharina das Leben zu retten.