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| 13:08 Uhr

Aus dem Gericht
Autohehler muss 20 Monate hinter Gitter

Senftenberg. Für umgerechnet 360 Euro wollte ein 35-jähriger Pole ein geklautes Auto ins Nachbarland schaffen. Die Polizei erwischt ihn. Jetzt hat ihn das Amtsgericht verurteilt. Von Jan Augustin

Ein Landrover mit einem Neuwert von 60 000 Euro rauscht auf der Autobahn bei Großräschen entlang. Polizisten beobachten das Fahrzeug, stellen eine Anfrage in der Zentrale. Es steht in Fahndung, heißt es. In München soll es entwendet worden sein. Die Beamten geben Gas, verfolgen den Wagen und stoppen ihn an der Anschlussstelle Vetschau. Der Fahrer, ein 35-jähriger Pole, steigt aus, vergisst aber den Hebel des Automatikgetriebes auf Null zu stellen. Der Wagen rollt an die Stoßstange des davor geparkten Polizeiautos und hinterlässt einen kleinen Schaden. Personen werden nicht verletzt. Der Fahrer besitzt keinen Führerschein und lässt sich widerstandslos festnehmen. Ein Autobahnpolizist hat diesen Vorgang an einem Augusttag vergangenen Jahres jetzt als Zeuge vor dem Amtsgericht in Senftenberg geschildert.

Die Verhandlung unter Führung von Strafrichter Harald Rehbein ist bereits nach einer halben Stunde vorüber. Das liegt einerseits an dem klaren Sachverhalt: Ein Mann versucht, ein geklautes Auto für einen Lohn von umgerechnet rund 360 Euro über die Grenze zu schaffen, damit es dort weiterverkauft werden kann. Andererseits hat auch der Angeklagte einen entscheidenden Anteil am hohen Tempo: Er gesteht ohne Wenn und Aber. „Mein Mandant räumt die Taten ein“, sagt Verteidiger Artur Ragwitz.

Nur dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass er gewerbsmäßig hehle, widerspricht er. „Seine damalige finanzielle Situation hat ihn dazu bewegt“, erklärt der Rechtsanwalt. Die letzte Tat sei älter alter als ein Jahr. Vor 14 Jahren hat er seinen letzten Diebstahl begangen. Seine Bekanntschaften mit der Justiz datieren zumeist auf Anfang der 2000er-Jahre. Das zeigt aber auch, dass der Angeklagte mit einer schnellen Rückfallquote agiert, argumentiert indes die Staatsanwaltschaft, die eine Strafe von zwei Jahren für den Familienvater fordert. Im Bereich des Autodiebstahls gebe es aktuell eine Kriminalitätswelle. Da müsse man Flagge zeigen und ein Zeichen setzen, begründet die Staatsanwaltschaft ihr strenges Plädoyer.

Der 35-jährige Autohehler wohnt normalerweise mit seiner Lebensgefährtin in Stettin. Vier Töchter, davon eine gemeinsame, leben im Haushalt. Sie arbeitet in Teilzeit beim Roten Kreuz, verdient monatlich aber nur 500 Zloty, also rund 120 Euro. Er jobbt auf Baustellen, hat Schulden und ein gut gefülltes Vorstrafenregister in Polen. Meist wegen Eigentumsdelikten ist er im Nachbarland bereits sieben mal verurteilt worden. Wegen Hehlerei hatte ihn auch das Amtsgericht Pasewalk im vergangenen Jahr zu sechs Monaten verurteilt. Seitdem ihn die Polizei im August stellte, sitzt er in Haft. Frau und Kinder hat er seitdem nicht gesehen. Für einen Besuch fehle das Geld, erklärt Anwalt Ragwitz, der eine Strafe von anderthalb Jahre für angemessen hält.

Das Senftenberger Schöffengericht um Richter Harald Rehbein lässt die persönliche Situation des Angeklagten bei der Urteilsfindung freilich mit einfließen. Von Gewerbsmäßigkeit geht das Gericht nicht aus.

Es verurteilt den Angeklagten wegen versuchter Hehlerei und Fahrens ohne Führerschein zu 20 Monaten Gefängnis. „Ich entschuldige mich“, sagt dieser in seinem letzten Wort. Er bereue die Tat. „Ich kann so nicht weiterleben und habe beschlossen eine Familie zu gründen. Ich liebe meine Tochter über alles“, sagt er.