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| 01:08 Uhr

Autodieb: Geist vom Bier vernebelt

Senftenberg.. Mit dem Gesetz hat Hans P. ein ernstes Problem. Elfmal wurde der 52-Jährige schon verurteilt. Wegen Betrug, Diebstahl, Sachbeschädigung. Dörthe Hückel

Dienstag musste er sich vor dem Amtsgericht verantworten, weil er es - nach ein paar Bierchen zu viel - mit anderer Leute Eigentum nicht so genau genommen hatte. Am 4. Dezember 2002 hat der Cottbuser einer Senftenbergerin erst den Autoschlüssel geklaut, dann ist er mit dem Wagen nach Hause gefahren. Dazu noch ohne Führerschein.
Auch wenn ihm der Alkohol den Geist vernebelt hatte, konnte er sich auf der Anklagebank noch recht gut erinnern. Alles begann nach einem feuchtfröhlichen Besuch bei seiner Mutter in Drebkau. Da sei er am Bahnhof in den falschen Zug gestiegen. Als er den Irrtum bemerkte, hielt die Bahn schon in Senftenberg. Er stieg aus und fand sich irgendwann vor dem Krankenhaus wieder. Just hier hätte ihn Müdigkeit überkommen. Er suchte sich in der Klinik ein unbeobachtetes Plätzchen, und nachdem er einigermaßen ausgenüchtert war, kam er auf dem Weg nach draußen an einem Umkleideraum für Mitarbeiter vorbei. „Ich habe den nächstbesten Spind aufgebrochen und einen Zündschlüssel geklaut.“ Wie es der Zufall wollte, hätte der dann in das erste Auto gepasst, das ihm vor die Nase kam, versicherte der Angeklagte. Und da er ja irgendwie nach Hause kommen musste, sei er einfach eingestiegen und Richtung Cottbus gefahren. „Das Auto habe ich abgestellt und gehofft, dass die Polizei es findet.“
Zehn Tage später stand der Wagen immer noch. Hans P. packte das schlechte Gewissen. Obwohl er auch an diesem Tag nicht mehr ganz nüchtern gewesen sei, hätte er sich noch in der Lage gefühlt, den Pkw zurück nach Senftenberg zu fahren. Bis kurz vor der Kreisstadt lief alles glatt, dann blieb der Wagen an einer Kreuzung stehen - Tank leer. Weil er Skrupel bekommen hätte, rief der Angeklagte die Polizei, ließ sich sogar mit aufs Revier nehmen. Die Beamten ließen den Dieb gleich ins Röhrchen pusten: 1,67 Promille.
Dass Hans P. alles zugegeben hat, sich im Gerichtssaal sogar bei der Geschädigten entschuldigt hat, kam bei Staatsanwältin und Richter gut an. Trotzdem: Freiheitsstrafe mit Bewährung käme bei dem Vorstrafenregister nicht mehr in Frage, da waren sich beide einig. Vor wenigen Wochen war der Angeklagte bereits vom Amtsgericht Cottbus zu einem Jahr verurteilt worden. Amtsrichter Harald Rehbein packte sein Strafmaß noch obendrauf, Hans P. muss jetzt für ein Jahr und sechs Monate hinter Gitter.