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| 12:55 Uhr

Tradition der Hausschlachterei
Authentisches Fest in Tettau gelobt

 Der Tettauer Fleischermeister Tobias Nicklisch ( 30 ) schaut, ob das Eisbein schon fertig ist.
Der Tettauer Fleischermeister Tobias Nicklisch ( 30 ) schaut, ob das Eisbein schon fertig ist. FOTO: Mirko Sattler
Tettau. Schlacht- und Schalmeien-Tradition kommt an. Einnahmen sind für den Nachwuchs. Von Mirko Sattler

Das Tettauer Schlachtfest am Wochenende hat wieder Hunderte Gäste angelockt und deren Hunger gestillt: Am Ende sind es zehn ganze Schweine, die über den Tresen gingen. Hergestellt wurden 200 Portionen Eisbein, 1200 Grützwürste, mehrere Liter Wurstbrühe, je 60 Kilogramm Leber- und Blutwurst sowie 50 Kilogramm Hackepeter. „Natürlich kann ich nicht alles verraten, was hineinkommt, aber Pfeffer, Lorbeer, Pigment und Zwiebeln sind natürlich dabei. Ich muss dafür sorgen, dass Eisbein und Co. zur gleichen Zeit fertig sind“, sagt der 30-jährige Fleischermeister Tobias Nicklisch.

Nicht nur aus Tettau kamen die Gäste. Das Einzugsgebiet erstreckt sich von Senftenberg im Osten, Elsterwerda im Westen, Lauchhammer im Norden und Sachsen im Süden. Willi Platta ist der erste, der vor der noch verschlossenen Tür zum Verkaufsraum wartet. „Das Schlachtfest hier wird immer zu einem kleinen Volksfest. Besonders mag ich die Frische“, so der 78-jährige Schipkauer.

Mit Kopf und Tiegel bewaffnet steht Familie Weber ordentlich wartend in der Schlange. „Wir sind zum ersten Mal hier und müssen mal schauen, wie es so abläuft. Zu Hause köcheln schon unsere Klöße. Die drei Eisbeine nehmen wir von hier mit“, sagt die Ortranderin Gerda Weber.

Extra aus Dresden angereist ist Familie Treppe. „Solch ein Schlachtfest gibt es bei uns in Dresden nach meinen Erfahrungen nicht. Das Fest ist so authentisch, wie vor 40 bis 50 Jahren. Es erinnert mich an meine eigene Kindheit“, sagt Eberhard Treppe.

Das Konzept der Veranstaltung geht auf. Viele Besucher kommen schon am Mittag, essen Wellfleisch & Co und warten geduldig, bis es dann ab 16 Uhr die Schlachteteller gibt. „Wir sind ein dörflicher Verein und da wollen wir auch einen Beitrag dazu leisten, dass das alte Handwerk, wie zum Beispiel Schlachtung oder Korbflechten, nicht in Vergessenheit gerät“, sagt der Tettauer Orchesterleiter Reiner Lesche. Die Einnahmen des Festes werden zu 100 Prozent für die eigenen Nachwuchsarbeit im Verein genutzt. „Wir haben zehn Kinder in unserer Nachwuchsabteilung. Für sie brauchen wir einheitliche Kleidung und Instrumente“, so Lesche.

Die Schwarzheider Blasmusikanten, die Auftritte des Schalmeienorchester und spät abends die Musik aus der Konserve sorgen für die musikalische Umrahmung.

Und kaum ist das eine Fest der Schalmeien zu Ende gegangen, wird schon das nächste große vorbereitet. Vom 14. bis 16. August 2020 sollen die 600 Jahre von Tettau mit einem Hof- und Straßenfest gefeiert werden.

 Der Tettauer Fleischermeister Tobias Nicklisch ( 30 ) schaut, ob das Eisbein schon fertig ist.
Der Tettauer Fleischermeister Tobias Nicklisch ( 30 ) schaut, ob das Eisbein schon fertig ist. FOTO: Mirko Sattler