Von Torsten Richter-Zippack

„Vieles kann man vergessen, die Heimat nicht. Wir erinnern an unseren Grubenteich. April 2016.“ So lautet die Inschrift auf dem neuen, rund fünf Tonnen schweren und 1,20 Meter hohen Gedenkstein, der am Sonntag, 5. Mai, enthüllt werden soll. „Der Findling gibt uns einen kleinen Teil unserer alten Heimat zurück“, befindet Monika Katke. Die 64-Jährige ist in der Grubenteichsiedlung geboren und hat bis vor drei Jahren dort gewohnt. Bis zum 30. Juni 2016 mussten alle Bewohner die Siedlung verlassen.)$ Der Grund: Das Ensemble ist von den Bergbauexperten der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) als nicht mehr standsicher eingestuft worden. Es befindet sich auf Kippenland des Alttagebaus Mückenberg. Bis Jahresende 2017 sind sämtliche Häuser abgerissen worden. Monika Katke wohnt mit ihrem Mann Achim Katke seitdem in einem Doppelhaus in Kleinleipisch.

Die Idee für den Gedenkstein stammt indes von Egon Gückel. Der heute 87-Jährige hat über sechs Jahrzehnte in der Grubenteichsiedlung gewohnt. „Wir haben lange um ihren Erhalt gekämpft und am Ende doch verloren“, sagt der Elektromeister im Ruhestand resigniert. Immerhin, so lautet seine Forderung, sollen künftig ein Gedenkstein oder eine Infotafel an die gewesene Siedlung erinnern.

Die Grubenteichler, wie sich die ehemaligen Bewohner selbst bezeichnen, haben für ihre Erinnerungsstätte den Lauchhammeraner Marktkauf-Leiter Mirko Buhr (Pro Lauchhammer) ins Boot geholt. „Monika Katke hat lange Zeit im Marktkauf gearbeitet. Als feststand, dass sie ihr Zuhause verlieren würde, war sie sehr bedrückt und unendlich traurig. Da habe ich beschlossen, ihr zu helfen“, erklärt Buhr sein Engagement.

Wenn Monika Katke und Egon Gückel an ihre Aussiedlung zurückdenken, packt sie noch heute die Wut. „Wie man mit uns umgegangen ist, war einfach schäbig. Es kann doch nicht wahr sein, dass wir von unserer eigenen Umsiedlung erst aus der Presse erfahren mussten.“ Und Egon Gückel ergänzt: „Noch Anfang 2014 hatte mir die LMBV gesagt, dass mein Grundstück sicher sei. Pustekuchen.“

Seit Ende 2018 steht fest, dass die nächsten Lauchhammeraner für immer ihre Häuser verlassen müssen.)$ Grund ist diesmal das unsichere Kippenland mehrerer Alttagebaue in unmittelbarer Nähe der Wilhelm-Külz-Straße in Lauchhammer-Ost. Zudem muss ein ganzes Gewerbegebiet umziehen. „Die betroffenen Leute in der Külz-Straße tun mir leid. Ich rate ihnen, richtig Krach zu machen, damit sie beizeiten gehört werden“, kommentiert Monika Katke. „Sie sollten keinesfalls abwarten, bis sich Stadt und Stadtverordnete rühren, sondern selbst aktiv werden.“

Die 64-Jährige denkt mit Grausen an den ihren Worten zufolge miserablen Umgang mit den Grubenteichlern zurück. „Wir wurden in Lauchhammer zwecks neuer Häuser von Grundstück zu Grundstück geschoben. Immer gab es irgendeinen Grund, dass wir nicht bauen konnten. Letztendlich hat meine Familie selbst einen Immobilienmakler eingeschaltet, der uns die Doppelhaushälfte in Kleinleipisch vermittelt hat.“ Egon Gückel ist in eine Wohnung in Lauchhammer-West gezogen.

Indes sollen die Grundstücke in der Grubenteichsiedlung nach deren Sanierung ins Eigentum der Stadt Lauchhammer übergehen, informiert LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Das Areal erfahre demnächst eine grundwasserferne Verfüllung beziehungsweise Abdeckung mit nachfolgender Begrünung. „Diese Arbeiten erfordern den Abschluss der Sicherung des verfüllten Restloches 40, das die ehemalige Siedlung nahezu umschließt“, sagt Steinhuber. Der Sanierungsbeginn sei frühestens ab dem Jahr 2021 möglich. Wie lange die Maßnahme andauern wird, sei derzeit noch unklar.

Die Stadt Lauchhammer als künftige Flächeneigentümerin hat nach Angaben von Sprecher Heiko Jahn noch keine konkreten Pläne für die ehemalige Grubenteichsiedlung. Vorstellbar sei aber die Herstellung von dauerhaftem Grünland.