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| 20:09 Uhr

Ausbildungsmesse in Senftenberg
Für eine „Zukunft hier“ werben

Wer es wollte, konnte die mehr als 100 Messestände in der Niederlausitzhalle in Senftenberg rollend mit einem Segway-Personal-Transporter ansteuern. Davon haben besonders junge Leute Gebrauch gemacht.
Wer es wollte, konnte die mehr als 100 Messestände in der Niederlausitzhalle in Senftenberg rollend mit einem Segway-Personal-Transporter ansteuern. Davon haben besonders junge Leute Gebrauch gemacht. FOTO: Uwe Hegewald
Senftenberg. Die 8. Ausbildungsmesse in Senftenberg zeigt Schulabgängern berufliche Perspektiven auf. Von Uwe Hegewald

Für Josephine Dietrich aus Großräschen hat sich der Besuch der Ausbildungsmesse des RWK Regionalen Wachstumskerns Westlausitz gelohnt. Zum Ende der fünfstündigen Messe darf sie eine der begehrten Freikarten für das Senftenberger Erlebnisbad entgegennehmen. Wie die 15-Jährige gegenüber der RUNDSCHAU erklärt, sei sie in doppelter Mission in die Kreisstadt gereist: „Meiner Mutter am Stand der REMONDIS Brandenburg GmbH Gesellschaft leisten und dem Aufruf unserer Oberschule folgen“, erzählt sie. Alle achten, neunten und zehnten Klassen der Friedrich-Hoffmann-Oberschule waren aufgerufen, der regionalen Ausbildungsplattform einen Besuch abzustatten. Also Überstunden für Oberschüler? „Wir dürfen die Zeit später, an einem Freitag abbummeln“, stellt Josephine Dietrich klar.

Was den Mehrarbeits-Status anbetrifft, ist sie nicht die Einzige. Mehr als 100 Unternehmen, Gesellschaften, Vereine oder Verbände sind an diesem Samstag in der Niederlausitzhalle präsent – von A wie die Agentur für Arbeit bis Z wie der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg. „Wir sehen es als regionale Pflicht, bei dieser Veranstaltung mitzumachen. Unabhängig davon, ob wir einen der jungen Leute für eine Ausbildung in unserem Betrieb gewinnen können“, sagt Eva-Maria Voigt. Wie die Bereichsleiterin für Personal und externe Dienstleistungen der Ortrander Eisenhütte GmbH mitteilt, sei das 1887 gegründete Unternehmen seit vielen Jahren bei der RWK-Ausbildungsmesse dabei. Mit eigenem Banner und dem peppigen Schriftzug „Heavy Metal mit Präzision“ locken die Hüttenwerker Neugierige an ihren Stand. Wer will und kann, darf mittels Schlichtfeile eine gusseiserne Medaille mit der Prägung „Ausbildungsmesse“ entgraten und mit nach Hause nehmen. Das tun auch Markus Rossa (Luckau) und Rico Grützbach (Cottbus), Zimmermänner-Azubis im ersten Lehrjahr.

In den Vormittagsstunden, als die Niederlausitzhalle besonders gut besucht ist, geben sie an der Seite ihres Lehrmeisters Michael Reinhold und auf Initiative der Handwerkskammer Cottbus eine Kostprobe ihres Könnens. Mit geübten Handgriffen errichten sie auf der zentralen Messebühne ein Fachwerkhaus. „Mitmachstände kommen bei den Besuchern besonders gut an. Bei uns ist ständig irgendjemand am Hämmern“, bestätigt Toni Winkler. Der 23-Jährige ist Mitbetreuer am Stand der Fränkischen Rohrwerke Schwarzheide, wo Interessierte mittels Schlagbuchstaben und Hammer ihren Namen auf vorgefertigte Metallblättchen stanzen können. Dass dahinter ein Hauch Kalkül steckt, will der aufgeschlossene Auszubildende zum Maschinen- und Anlagenfahrer nicht abstreiten: „Die Leute verweilen etwas länger am Stand und wir haben Gelegenheit, mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, so Winkler, der sich für Schwarzheide als vertrauten Wohn- und dauerhaften Arbeitsort entschieden hat.

In den Augen von Ute Kolanowski, in Schwarzheide für die Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftsförderung zuständig, entspricht das der Philosophie der RWK-Ausbildungsmesse: „Sich präsentieren und alle verfügbaren Optionen ziehen, um junge Leute in der Region zu halten. Wir konnten heute bereits die erste Bewerbung für eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten entgegennehmen“, resümiert sie. Großräschens Oberschülerin Josephine Dietrich hat sich bereits vor der Messe für eine Ausbildung zur Krankenpflegerin entschieden, was am Stand des Klinikums Niederlausitz nicht wirklich überrascht. „Trotz der mitunter in Misskredit geratenen Jobs in der Alten- und Krankenpflege werden Ausbildungsangebote auf diesem Gebiet auffallend stark nachgefragt. Das dürfte damit zusammenhängen, dass Fachkräfte Hände ringend gesucht werden und dies auch von der Politik erkannt worden ist“, begründet Stefanie Scharkowski vom Klinikum-Personalmanagement.