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| 19:04 Uhr

Von der Lausitz in die Welt
Tettauer Pianistin vertont „Munotglöcklein“

 Katharina Nohl ist von Tettau aus in die Welt gezogen. In ihrer neuen Heimat in der Schweiz hat sie jetzt ein Festival für Komponistinnen gegründet.
Katharina Nohl ist von Tettau aus in die Welt gezogen. In ihrer neuen Heimat in der Schweiz hat sie jetzt ein Festival für Komponistinnen gegründet. FOTO: Swiss Female Composer Festival / PR
Tettau/Zürich. Katharina Nohl hat Lausitzer Wurzeln und lebt heute als Pianistin in der Schweiz: Nun hat sie ein Festival nur für Komponistinnen ins Leben gerufen und spielt Uraufführungen in St. Petersburg. Von Catrin Würz

Internationaler geht es kaum: Eine in der Schweiz lebende Pianistin und Komponistin, die ihre Wurzeln in Tettau und Senftenberg hat, in England und Italien Musikwissenschaft studierte, sorgt derzeit gerade in Russland für musikalisches Aufsehen. Die Rede ist von Katharina Nohl (geborene Schmaler), die 1973 in Lauchhammer zur Welt kam und ihre ersten musikalischen Schritte als Klavierschülerin in Tettau und an der Kreismusikschule in Schwarzheide und Senftenberg machte. Von dort ging es für die begabte Nachwuchsmusikerin nach dem Fall der Mauer hinaus in die internationale Musikwelt – und nun steht die heute 45-Jährige dieser Tage unmittelbar vor der Uraufführung zweier von ihr geschriebener Kompositionen. Ein großer Moment, in dem die Mutter zweier Töchter auch mal innehält und an ihre Lausitzer Heimat denkt, in der für sie alles begann. „Obwohl ich seit vielen Jahren im Ausland wohne, habe ich eine künstlerische Verbindung zu meiner Kindheitsre­gion behalten“, sagt die heute in der Schweiz lebende Musikerin.

Im Jahr 2015 hatte sie für ein Konzertprojekt in ihrer alten Heimat mit Schülern der Grundschulen in Ort­rand und Großkmehlen zusammengearbeitet. Die Kinder malten zum Musikwerk „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski und gestalteten für das Konzert von Katharina Nohl eine Ausstellung. An dieses Projekt erinnert sich die Künstlerin noch immer gern zurück, war es doch damals ein außergewöhnliches Musikereignis für die kleine Stadt Ortrand.

Doch nun stehen in dieser Woche für sie zwei weitere Meilensteine bevor. Zusammen mit dem Jugend-Symphonieorchester St. Petersburg wird die Pianistin und Komponistin zwei Welturaufführungen spielen. „By the Baltic Sea“ heißt ein Werk, das Katharina Nohl im Auftrag des genannten Symphonieorchesters komponierte. Es ist eine Komposition für Klavier und Streichquintett; den Klavierpart wird sie bei der Aufführung im St. Peterburg Russia Polovtsov Palace natürlich selbst spielen.

Am kommenden Sonntag steht dann zusammen mit dem St. Petersburger Jugend-Symphonieorchester ein Konzert in der St. Peter und Paul Kathedrale in St. Petersburg bevor. Im Rahmen dieses Konzertes wird zum allerersten Mal die Orchesterversion von Katharina Nohls Bearbeitung des berühmten Schweizer Volksliedes „Das Munotglöcklein“ öffentlich erklingen. Schon vor zwei Jahren hatte die Musikerin das bekannte Volkslied für Klavier vierhändig vertont – nun hat sie dazu auch die Orchesterversion erstellt.

Dem Komponieren widmet Katharina Nohl einen Teil ihrer Arbeit. Dass dies bis heute eine Männerdomäne ist, will die 45-Jährige nun mit einem ganz neuen Projekt ändern. Anfang des Jahres hat sie deshalb das „Swiss Female Composers Festival“ gegründet – ein Festival, auf dem sich ausschließlich weibliche Komponisten präsentieren können. „Ich weiß um den manchmal schweren Stand, den Frauen in den sogenannten Männerdomänen haben, und möchte dem mit diesem Festival-Projekt entgegenwirken“, erklärt die Künstlerin. „Ich will Komponistinnen eine Plattform bieten, um ihre Musik einem breiten Publikum vorzustellen. Gleichzeitig soll ein Netzwerk entstehen, in dem sich Komponistinnen gegenseitig kennenlernen und unterstützen“, sagt Katharina Nohl. Die einstige Tettauerin will das in der kleinen Schweiz ins Rollen bringen – und macht damit auch international von sich Reden.