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| 17:42 Uhr

Aus Mini-Jobs wurden reguläre Stellen

Seit einem Jahr gilt der Mindestlohn auch in Gaststätten, Hotels und Pensionen. Dadurch ist die Zahl der Aufstocker gesunken.
Seit einem Jahr gilt der Mindestlohn auch in Gaststätten, Hotels und Pensionen. Dadurch ist die Zahl der Aufstocker gesunken. FOTO: Fotolia
Senftenberg. Der 8,50-Euro-Daumen ist oben: Ein Jahr nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zieht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für den Landkreis Oberspreewald-Lausitz eine positive Bilanz. red/mf

"Zum ersten Mal haben alle Beschäftigten einen festen Lohnsockel unter ihren Füßen - von der Küchenhilfe bis zur Verkäuferin im Backshop: Wer arbeitet, muss dafür mindestens 8,50 Euro pro Stunde bekommen", sagt Uwe Ledwig von der Gewerkschaft NGG.

Für den Geschäftsführer der NGG Berlin-Brandenburg ist der gesetzliche Mindestlohn der "Einstieg in den Lohn-Aufstieg für Menschen, die zuvor mit Niedrigstlöhnen abgespeist wurden".

Vom "Schreckgespenst Mindestlohn", vor dem die Arbeitgeber auch im Landkreis Oberspreewald-Lausitz noch vor einem Jahr gewarnt hätten, sei nichts übrig geblieben: Der Mindestlohn sei weder "Konjunktur-Bremser" noch "gefährlicher Job-Killer". Die NGG legte dazu jetzt eine aktuelle Mindestlohn-Analyse vor, die das renommierte Pestel-Institut (Hannover) im Auftrag der Gewerkschaft gemacht hat.

Die Wissenschaftler werteten dabei auch die Beschäftigungssituation im Landkreis Oberspreewald-Lausitz aus: "Anstatt Servicekräfte oder Küchenpersonal zu entlassen, haben Hotels, Pensionen, Restaurants und Gaststätten neue Kräfte eingestellt. Insgesamt arbeiteten dort im Juni vorigen Jahres immerhin 1380 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und damit 4,2 Prozent mehr als noch im Vergleichsmonat des Vorjahres, als es den gesetzlichen Mindestlohn noch nicht gab", sagt Uwe Ledwig.

Nach Angaben der NGG Berlin-Brandenburg hat der Mindestlohn zudem dazu geführt, dass etliche Arbeitgeber aus Mini-Jobs reguläre Stellen gemacht haben. Das gelte nicht nur für die Gastro-Branche. "Viele Mini-Jobs waren besonders schlecht bezahlt. Durch den Mindestlohn sind die Mini-Jobber dann über die 450-Euro-Grenze gerutscht. Und das sind jetzt sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Diese Menschen haben damit etwas Besseres als den Mini-Job. Das ist ein Riesenerfolg", sagt Uwe Ledwig.

Die Arbeitslosigkeit habe im Mindestlohn-Jahr 2015 abgenommen: Im Dezember waren rund 7062 Menschen im Landkreis Oberspreewald-Lausitz ohne Beschäftigung - und damit 6,4 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Auch die Beschäftigtenzahl insgesamt habe sich mit dem gesetzlichen Mindestlohn positiv entwickelt.

Dabei habe auch der Staat vom Mindestlohn profitiert. Er musste weniger Menschen unterstützen und sparte bei den Hartz-IV-Ausgaben. Denn die Zahl der Aufstocker sei zurückgegangen: "Im Juni des vergangenen Jahres gab es zwischen Lübbenau und Ortrand 413 Aufstocker weniger. Dies sei ein Rückgang um 12,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Diese Zahlen liefern für den Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Berlin-Brandenburg eine "klare Botschaft": "Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde hat den Beschäftigten gut getan. Und er hat der Wirtschaft nicht geschadet." Im Gegenteil: Das Lohn-Plus habe dem Landkreis eine höhere Kaufkraft beschert.

Um diesen Menschen die Chance zu geben, auch Geld für größere Anschaffungen auf die hohe Kante zu legen, müsse der Mindestlohn allerdings steigen. "Unser Ziel ist es, ihn möglichst rasch in einem ersten Schritt auf zehn Euro pro Stunde anzuheben", macht der Geschäftsführer deutlich.

Die NGG habe einen wesentlichen Beitrag für den gesetzlichen Mindestlohn geleistet. Für die NGG Berlin-Brandenburg ist eine Erhöhung des Mindestlohns nur konsequent. Das zeige auch eine Renten-Berechnung des Bundesarbeitsministeriums: Um eine Rente von mindestens 769 Euro pro Monat - also gerade einmal die Grundsicherung im Alter - zu bekommen, müsse ein Beschäftigter immerhin mindestens 11,50 Euro pro Stunde verdienen. Und das 45 Jahre lang bei einer Vollzeitstelle.