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| 02:46 Uhr

Aus Fallobst wird in der Hosenaer Kelterei schmackhafter Saft gepresst

Jan Rolla schüttet den nächsten Sack in den Annahmeförderer. Hauptsächlich Äpfel wurden am Sonnabend abgeliefert. Faules Obst wird natürlich aussortiert. Montags ist ganztags Annahme.
Jan Rolla schüttet den nächsten Sack in den Annahmeförderer. Hauptsächlich Äpfel wurden am Sonnabend abgeliefert. Faules Obst wird natürlich aussortiert. Montags ist ganztags Annahme. FOTO: Manfred Feller
Hosena. Geduld ist gefragt am zweiten Obstabnahmesonnabend in der Kelterei Hosena. Fahrzeug an Fahrzeug reiht sich am Vormittag vor den zwei 500-Kilogramm-Waagen ein. Manfred Feller

Auch weite Wege aus den Nachbarlandkreisen Bautzen, Elbe-Elster und Spree-Neiße werden nicht gescheut, um insbesondere Äpfel abzuliefern. Doch es geht zügig voran.

Jan Rolla (42), seit eineinhalb Jahrzehnten Geschäftsführer, kommt während der drei Stunden zwischen 8 und 11 Uhr mächtig ins Schwitzen. Am Ende wird er mit den Kunden schätzungsweise zwölf Tonnen vornehmlich Falläpfel aus Säcken und Kisten in den Annahmeförderer geschüttet haben. Darunter sind vor allem die Sorten Gravensteiner und Goldparmäne.

Jeder Kunde erhält ein Trinkglas und den Wiegeschein. Dieser berechtigt dazu, je nach abgegebener Obstmenge vergünstigt die Hosenaer Säfte in Pfandflaschen zu erwerben. "Unser Direktsaft ist naturtrüb oder gefiltert. Es kommen keine Zusätze hinein, und es wird nichts entzogen", erklärt Jan Rolla das Erfolgsrezept seit den 1930er-Jahren.

Ein Schwarzheider hat 153 Kilogramm Äpfel gebracht. "Alles von einem Baum. Es lohnt sich", fährt der Stammgast zufrieden weiter. Martin Scherbaum aus Ruhland hatte in der Vorwoche 198 Kilogramm Äpfel eingesammelt. Diesmal sind es 158 Kilogramm. Er und seine Frau rechnen mit 100 Flaschen Saft, die sie nach und nach kaufen werden.

Mit nur 58 Kilogramm Äpfeln ist Klaus Neß extra aus Hoyerswerda gekommen. "Unsere Kelterei hat zugemacht", bedauert er. So sind die Hosenaer in der Umgebung fast konkurrenzlos. Im Spreewald, in Bad Liebenwerda und südlich von Kamenz befinden sich die nächsten Annahmestellen. Es werden immer weniger.

Der leckere Apfel-Kirsch-Saft schmeckt Lothar Manig aus Lauchhammer-Süd am besten. Die abgegebene Obstmenge reicht, so sagt er, um über den Winter zu kommen. Unter vier Bäumen werden die Äpfel auf seinem und dem Grundstück seiner Mutter gelesen. Und das schon seit Jahren.

Auch Klaus Bodis aus Lauchhammer-Süd macht sich die kleine Mühe. Drei Säcke bringen zusammen 63 Kilogramm auf die Riesenwaage. "Ich lasse nichts vergammeln", sagt er. Da er kein Viehzeug hat, das Äpfel frisst, werden diese eben zu Most gepresst.

Geschäftsführer Jan Rolla rechnet das zweite Jahr hintereinander mit einer guten Ernte. Das sei ungewöhnlich. Der aktuelle Saft von auch nicht ganz reifen Äpfeln wird etwa Mitte Oktober mit dem süßeren Saft späterer Äpfel gemischt. Anders als bei großen Keltereien mit nur ein paar Sorten Tafeläpfeln werden in Hosena bis zu 60, auch seltene Sorten verarbeitet. Damit trägt der kleine Betrieb auch zum Erhalt der Artenvielfalt bei.