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| 01:00 Uhr

Aus der Geschichte Betrunken auf den hundert Meter hohen Schlot gestiegen

Senftenberg.. Die Nachtschicht begann um 21.30 Uhr in der Brikettfabrik „Meurostolln“ in Senftenberg-West und der Schichtleiter kontrollierte bei seinem Rundgang die Betriebsanlagen. Ohne Störung verlief in der vorhergehenden zweiten Schicht der Produktionsablauf. In Nähe der Brikettfabrik standen Wohnhäuser, wo ungehindert Einwohner das Betriebsgelände betreten konnten – ist im historischen Einsatztagebuch der Senftenberger Feuerwehr zu lesen. Von Walter Stecklina

In einem dieser Häuser wurde fröhlich bei einer Feier zum Glas gegriffen und dabei eine Wette abgeschlossen, den in der Nähe stehenden hundert Meter hohen Fabrikschornstein zu besteigen. Die Wette galt.
Der 18-jährige Alfons H. aus Senftenberg wollte die Wette gewinnen und hatte die Wohnung heimlich im betrunkenen Zustand verlassen. Eine Leiter wurde an den Fabrikschornstein angestellt, um bis an die ersten Steigeisen des Schornsteines zu kommen. In 95 Meter Höhe um den Schornstein befand sich der Laufkranz mit den Positionsleuchten. Es war sehr dunkel und ein heftiger kalter Wind wehte über das Betriebsgelände. Der Aufstieg im betrunkenen Zustand war gewagt.
Am 3. August 1966 verständigte ein Betriebsangehöriger um 21.37 Uhr das Kommando Feuerwehr in Senftenberg, dass sich eine Person auf dem Fabrikschornstein der Brikettfabrik „Meurostolln“ aufhält. Mit einem Löschfahrzeug, der Drehleiter und dem Beleuchtungsanhänger rückten die Männer zur Einsatzstelle aus. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte befand sich die Person auf dem Laufkranz in 95 Meter Höhe. Mit dem Fernglas wurde festgestellt, dass er eine Hose sowie ein weißes Hemd an hatte.
Der Wachabteilungsleiter des Kommandos Feuerwehr forderte ihn auf, unverzüglich den Schornstein zu verlassen. Seine Antwort: „Ich komme nicht runter“ . In der Zwischenzeit traf ein Streifenwagen der Volkspolizei ein. Der Bürger wurde mehrmals von der Feuerwehr, Volkspolizei sowie von den anwesenden Geburtstagsgästen aufgefordert, herunter zu kommen.
Es erfolgte keine Reaktion. Der eingetroffene Einsatzleiter der Feuerwehr legte fest, ohne dass die Feuerwehr so lange zu warten hat, bis H. den Abstieg freiwillig vorimmt. Da in dieser Höhe ein heftig kalter Wind wehte, ist er nach 43 Minuten Aufenthalt auf dem Laufkranz des Fabrikschlotes zitternd unten angekommen. Laut Protokoll um 22.20 Uhr.
Wegen seiner fahrlässigen Handlung wurde er von der Volkspolizei zur Ausnüchterung ins Kreisamt nach Senftenberg mitgenommen und mit einer Ordnungsstrafe belegt.