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Aus der Chronik Der Abraumbagger wird abgeräumt

Die riesige Sedlitzer Abraumförderbrücke wurde vor 30 Jahren stillgelegt.
Die riesige Sedlitzer Abraumförderbrücke wurde vor 30 Jahren stillgelegt. FOTO: privat
Vor 30 Jahren, am 19. Februar 1978, gingen die letzten Kubikmeter Abraum über die Bänder der Abraumförderbrücke Sedlitz. Auch die Orte Sorno und Rosendorf samt umliegender Gemarkung waren durch den dritten und vierten Abraumschnitt über die Förderbrückenbänder hinweg gegangen. Ronny Sommer erinnert an ein Stück Tagebaugeschichte: privat


Schon im Jahre 1927 begann der Tagebauneuaufschluss Ilse-Ost. Eine der damals größten Abraumförderbrücken Deutschlands kam dort von 1932 bis 1945 zum Einsatz. Ab 1946 begann die Demontage als Reparationsleistung für die Sowjetunion. Der Tagebau Ilse-Ost wurde in den Tagebau Tatkraft umbenannt und im Zugbetrieb mit 900 Millimeter Spurweite zum Nord- und Südfeld Sedlitz entwickelt. Daraus entstand bis 1960 die neue Figur für das Hauptfeld Sedlitz mit dem Drehpunkt Sorno. Im Januar 1957 begann die Montage des Eimerkettenbaggers 622 Ds 1120, der vom 1. Oktober 1957 bis Juli 1962 im Abraumzugbetrieb Nordfeld zum Einsatz kam.
Für eine ausreichende Versorgung der Brikettfabriken und Kraftwerke mit Rohbraunkohle musste ein leistungsfähiger Tagebau zur Verfügung stehen. So begannen die Spezialisten vom Schwermaschinenbau Lauchhammer am 10. März 1960 mit dem Aufbau der Einheitsförderbrücke F 34 Nummer 23. Nach nur fünf Monaten Montagezeit wurde am 11. August 1960 mit der Förderbrücke Sedlitz und dem neu gebauten Eimerkettenbagger 640 Ds 1120 der Probebetrieb aufgenommen.
Die Stützweite der Förderbrücke betrug 180 Meter und der Haldenausleger hatte eine Länge von 75 Meter. Von 1959 bis 1965 wurden neun dieser Einheitsförderbrücken vom Typ F 34 für den ostdeutschen Braunkohlenbergbau hergestellt.
Mit dem Auslaufen des Abraumzugbetriebes im Nordfeld bereiteten die Montagespezialisten den freigewordenen Eimerkettenbagger 622 Ds 1120 für den Förderbrückeneinsatz vor. Pünktlich am 15. August 1962 arbeitete der Förderbrückenverband Sedlitz im Zwei-Baggerbetrieb und konnte Tagesleistungen bis 65 000 Kubikmeter Abraum über die Bänder schicken. Zu einer schweren Havarie kam es am 18. März 1963, als der Haldenausleger auf die Kippe auflief und sich stark verformte. Infolge dieser Havarie musste die Rohkohleförderung im Grubenbetrieb teilweise eingestellt werden. Mit verstärkter Fahrweise aus den Tagebauen Koschen und Skado stellte man die Rohkohleversorgung sicher. Nach der Havariebeseitigung ging die Förderbrücke am 1. Mai 1963 wieder in Betrieb.
In den Jahren von 1960 bis 1978 arbeitete der Förderbrückenverband im Uhrzeigersinn um den Drehpunkt Sorno und bewegte in dieser Zeit über 324 Millionen Kubikmeter Abraum. Während des Auslaufbetriebs im Tagebau Sedlitz trennte man im Oktober 1977 den Eimerkettenbagger 640 vom Brückenverband und setzte anschließend dieses Großgerät im Landtransport zum künftigen Kohleumschlagplatz nach Hörlitz um. Mit dem Bagger 622 arbeitete die Förderbrücke noch bis zur endgültigen Stilllegung am 19. Februar 1978 im so genannten Ein-Baggerbetrieb. Bis zum 1. März 1978 wurde die Förderbrücke am Strossenende unterhalb der Ortschaft Lieske in die Endstellung gebracht.
Am 10. März 1978 erfolgte die Übergabe zur Demontage an das BKK Bitterfeld. Die Förderbrücke wurde Teil für Teil demontiert und im Tagebau Delitzsch Süd-West wieder komplett zusammengesetzt. Mit dem Neubau-Eimerkettenbagger 1297 Es 3150 ging die ehemalige Sedlitzer Förderbrücke am 21. Dezember 1979 in Delitzsch Süd-West in Betrieb. Erst mit der Stilllegung des Tagebaus Delitzsch Süd-West im Jahr 1993 kam dann das endgültige Aus für die ehemalige Sedlitzer Abraumförderbrücke.
Die Reste der einstigen Förderbrückenkippe ragen zur Zeit noch aus dem Wasser des sich füllenden Sedlitzer Sees. Nach dem Jahr 2010 können wahrscheinlich nur noch Tauchtouristen diese sandigen Zeitzeugen besichtigen.