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| 01:27 Uhr

Aus der Chronik Als vor 240 Jahren ganz Ruhland brannte

Am Markt nahm das Feuer seinen Anfang.
Am Markt nahm das Feuer seinen Anfang. FOTO: F: B. B.
Gestern auf den Tag genau vor 240 Jahren hat ein gewaltiges Feuer Ruhland fast komplett vernichtet. Neben einigen öffentlichen Gebäuden fielen den Flammen auch 184 Bürgerhäuser sowie 60 Scheunen zum Opfer. Eine Frau verbrannte bei lebendigem Leibe. Nur 20 Häuser überstanden das Inferno unversehrt. Eines steht noch heute. Von Torsten Richter

Das Jahr 1768 war für die Ruhlander schicksalsschwer. Am 22. August vernichtete ein Feuer fast das ganze Städtchen. Bereits am 11. Juli 1768 brach der Stadtchronik zufolge in der Matzmühlgasse bei dem Schmied Christoph Laurentsch Feuer aus. Dieses fraß drei Wohnhäuser sowie zwei weitere Gebäude des Fischhändlers Matheus König und Christoph Kolscher.
Doch dieser Brand bildete gegenüber dem gewaltigen Inferno, dass sich nur eineinhalb Monate später ereignen sollte, nur das Vorspiel. Am 22. August 1768 entstand gegen 18 Uhr beim Kaufmann Ackermann am Markt erneut ein Feuer. Wenig später stand fast der gesamte Ort in Flammen. Die Chronik der Stadt von Bürgermeister Klepper weiß nach dem Erlebnisbericht von Friedrich Möller folgendes zu berichten: „Am 22. August war der unglückliche Tag, wo Gott das arme Städtchen Ruhland abends mit einer heftigen und zornigen Feuersbrunst heimsuchte. Nachdem die Häuser von Ackermann und Lorisch zu brennen begannen, wurden durch die Hitze das Eckhaus am Markt, das andere Haus von Gottlob Petrenz sowie die Gebäude nach der Dresdner Straße, nach dem Markte und der Fischergasse von den Flammen angesteckt. Diese griffen durch die miserable Bauart des Ortes in reißender Schnelligkeit um sich. In der Zeit von dreiviertel Stunden hatte sich das Feuer über die ganze Stadt ausgebreitet. Die Einwohner konnten nichts retten als das meiste Vieh und das nackte Leben. Sie mussten sich vor der Stadt hinaus flüchten und mit ansehen, wie die Flammen ihr Hab und Gut verzehrten.“ Auch vor dem Gotteshaus machte das Feuer nicht halt: „Dreiviertel auf sieben schlug die Uhr zum letzten Male auf dem schon brennenden Turme, welcher an den Ziffertafeln und der oberen Kuppel Feuer gefangen hatte und von da an in das Innere der Kirche hineinfiel. Der Turm bildete eine hohe Feuersäule. Schließlich war der Glockenstuhl durchgebrannt. Die Glocken stürzten unter furchtbarem Getöse in die brennende Kirche und zerschmolzen. Dann begann sich auch die Turmspitze zu neigen und stürzte nach der Budissinerstraße ein“ , schreibt Friedrich Möller in der Chronik weiter. Seinen Angaben zufolge hat der Brand innerhalb von nicht einmal zwei Stunden die Kirche, drei geistliche Gebäude, zwei Schulhäuser, den herrschaftlichen Hof, drei Kommunalgebäude und 184 Bürgerhäuser mit 60 Scheunen zerstört. Die Einwohnerin Marie Seyfert ist bei lebendigem Leibe verbrannt.
Erst am darauffolgenden Tag wurde das ganze Unheil für die Ruhlander sichtbar. Die Chronik berichtet: „Am andern Tage standen die armen Leute bei den rauchenden Schutthaufen zwischen einstürzenden Feuermauern wie betäubt und lahm, wo ihre Wohnungen gestanden hatten, nicht wissend, was sie anfangen sollten, da von jetzt ab mehr auf den Winter zu rechnen und die Zeit heranrückte, wo die Felder bestellt werden sollten.“ Immerhin traf bald der erste Wagen mit Brot aus Guteborn ein, auf den sich die Leute stürzten.
Ein Haus, das den Brand unversehrt überstand, steht noch heute in Ruhland. Es handelt sich dabei um das älteste Gebäude der Stadt von 1682 und befindet sich in der Dresdener Straße. Das Gebäude soll demnächst saniert werden.
Im Oktober 1768 wurden laut der Chronik die Baustellen vom königlichen General-Baudirektor Samuel Locke aus Dresden vermessen. Zum Jahresende gab es eine Lotterie mit 8000 Losen und 10 800 Gewinnen, deren Überschuss zum Neuaufbau der Kirche sowie der Pfarr- und Schulgebäude verwendet werden sollte. Die Kirche in ihrer heutigen Form wurde von 1772 bis 1774 wieder aufgebaut. Das Holz für den Turm hatte die angrenzende Gemeinde Zschornegosda aus dem eigenen Wald den Ruhlandern geschenkt.

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 Der Großbrand von 1768 war längst nicht das einzige Feuer, dass der Stadt Ruhland stark zusetzte. So brannten am 4. Juli 1661 die Kirche, Pfarrhäuser, Schule, 96 Bürgerhäuser sowie elf Scheunen ab. Bereits im Oktober 1648 vernichtete ein Feuer 14 Häuser. Schon 1624 war die Kirche abgebrannt. Ihr folgten weit über 80 andere Gebäude.