| 02:43 Uhr

Aus Bahnhof wird Musikerpension

Der Berliner Architekt Simon Breth ist der Mann, der dem Annahütter Bahnhofsgebäude neues Leben einhauchen will.
Der Berliner Architekt Simon Breth ist der Mann, der dem Annahütter Bahnhofsgebäude neues Leben einhauchen will. FOTO: Steffen Rasche/str1
Annahütte. Berliner Architekt will stillgelegten Bahnhof Annahütte vom Abstellgleis holen. Das Baugerüst steht, die Baugenehmigung fehlt. Baustart zum 130. Jubiläum der früheren Bahnstrecke geplant. Andrea Budich

Der Zug für den Bahnhof Annahütte ist seit 23 Jahren abgefahren. Die neuen Besitzer, ein Berliner Architektenpaar, wollen den stillgelegten Bahnhof jetzt vom Abstellgleis holen. Ihre Fahrscheine für Annahütte sind gelöst, die Weichen neu gestellt. Für den Umbau des betagten Klinkerbaus zur Musikerpension mit Proberaum und Tonstudio fehlt indes noch die Baugenehmigung.

Nach achtmonatiger Wartezeit will Architekt Simon Breth aus Berlin endlich loslegen, damit sich im nächsten Jahr die ersten Musiker zum kreativen Arbeiten ins Bahnhofs-Studio nach Annahütte zurückziehen können. Das Baugerüst steht bereits. "Wir hoffen, dass noch in dieser Woche die Teilbaugenehmigung von der Unteren Bauaufsicht erteilt wird", hofft der neue Besitzer auf einen baldigen Startschuss für erste Arbeiten an der äußeren Hülle. Allzu optimistische Erwartungen bremst allerdings der Büroleiter des Landrats, Stephan Hornak. Er bestätigt, dass die Anträge zur Teilbaugenehmigung derzeit noch geprüft werden. Einen verbindlichen Termin nennt er nicht.

Die Gemeinde Schipkau indes hat bereits das Planungsrecht für die Nachnutzung des Annahütter Bahnhofes geschaffen. Für den Erlass einer Außenbereichssatzung für einen Teil der Ortslage Anna hütte haben Schipkaus Gemeindevertreter sogar die Sommerpause unterbrochen. In der Sondersitzung wurde ein besonderes Ortsrecht vereinbart, das die bauliche Nutzung von Grundstücken an der Thälmann- und Bahnhofstraße sichert, die bisher nicht erfasst waren. Der Umbau des Bahnhofes zu einer Musikerpension gehört dazu. "Um dem Antragsteller rasch zu helfen, haben wir das Planverfahren in knapp vier Monaten straff durchgezogen", betont Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel (CDU). Mit Annahüttes Ortsvorsteher Horst Pawlik hofft er nun darauf, dass der Landkreis zügig eine Baugenehmigung erteilt und das Annahütter Bahnofsprojekt nicht länger ausbremst.

Los gehen soll es möglichst noch im Sommer mit Dach und Fenstern des in die Jahre gekommenen Klinkerbaus. "Wir wollen den alten Eindruck erhalten oder wieder herstellen", erklärt Simon Breth. Die Holzfenster mit Rundbogen wurden nach historischen Aufnahmen ausgewählt. Fenster, die zu DDR-Zeiten nachträglich eingebaut wurden, werden entfernt. Auch die typische Klinkerfassade soll behutsam überarbeitet werden, damit sie wieder so aussieht wie früher. Nach dem Innenausbau 2018 sollen noch im selben Jahr die ersten Musiker einziehen.

Als Hobbymusiker, der in einer Berliner Band die Bassgitarre spielt, hat Simon Breth im verträumten Annahütte genau das gefunden, wonach er so lange gesucht hat. Im weiten Berliner Umfeld ist die Kombination aus Musikerpension und Tonstudio Mangelware. Der etwas abseits im Grünen gelegene Bahnhof, der dennoch nicht gänzlich isoliert ist, hat den jungen Architekten sofort überzeugt. Dass der Startschuss zum 130. Jubiläum der Eisenbahnstrecke Schipkau - Finsterwalde fällt, ist für den neuen Besitzer und Orstvorsteher Horst Pawlik ein Wink des Schicksals.

Zum Thema:
Der letzte Personenzug hat in den 1960er-Jahren im Bahnhof Anna hütte gehalten. Bis 1994 war der Haltepunkt Annahütte wichtiger Endbahnhof für Güterzüge, die Rohstoffe fürs Glaswerk geladen hatten.Nach der Stillegung wurde das Gleis in Richtung Sallgast rückgebaut. Seitdem verfällt der gelb-rote Klinkerbau immer mehr.Das Architekturbüro des neuen Besitzers Simon Breth aus Berlin hat bereits ein Tonstudio in Norwegen geplant, das von der Lage der in Annahütte ähnelt.