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| 17:33 Uhr

Sozialkaufhaus Brieske
Aus alten Dingen neuen Mut schöpfen

Andrea Schapp leitet seit sechs Monaten das Sozialkaufhaus in Brieske. Sie organisiert nicht nur die Abholung und Lieferung der Möbel, sondern koordiniert auch die Mitarbeiter und betreut die Kunden.
Andrea Schapp leitet seit sechs Monaten das Sozialkaufhaus in Brieske. Sie organisiert nicht nur die Abholung und Lieferung der Möbel, sondern koordiniert auch die Mitarbeiter und betreut die Kunden. FOTO: Josephine Japke / LR
Brieske. Seit 14 Jahren ist das Sozialkaufhaus in Brieske eine nicht mehr wegzudenkende Institution. Von Josephine Japke

Andrea Schapp bahnt sich einen Weg durch Schallplatten von Rock-Legenden, Mutters Geschirr aus der DDR und Polstermöbeln. Für Schapp sind diese Dinge kein Trödel: „Es ist die Lebensgrundlage vieler Menschen, die zu uns kommen und Hilfe brauchen“, erklärt sie. Denn im Briesker Sozialkaufhaus der Volkssolidarität Süd-Brandenburg können Bedürftige jedes noch so große Möbelstück für kleines Geld erwerben.

„Wir vertreiben hier keine Neuware, sondern leben ausschließlich von Spenden, die wir für Kleinstpreise günstig weiterverkaufen“, erklärt Andrea Schapp, Leiterin des Sozialkaufhauses. Doch das sage nichts über die Qualität der Artikel aus: Jedes Teil, das im Verkaufsraum steht, wird gründlich gereinigt und aufbereitet. Kaputtes schafft es gar nicht erst ins Kaufhaus, und mit Ware aus längst vergangenen Zeiten, Röhrenfernsehern und Schrankwänden a la Eiche rustikal, kann sie nichts anfangen. „Auch wenn einige unserer Artikel schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, wollen wir unseren Kunden nur gute und moderne Sachen anbieten“, sagt sie.

Besteck und Geschirr, Kleidung und Elektroartikel – alles wird entgegengenommen. Über jedes noch so kleine Teil kann sich Andrea Schapp freuen. „Die Menschen, die zu uns kommen, sind darauf angewiesen, dass es auch die kleinsten Haushaltsgegenstände bei uns gibt, weil ihr Geld dafür eben zu knapp ist“, erklärt sie.

Das Sozialkaufhaus in Brieske bietet von Möbeln und Bekleidung bis hin zu Elektrogeräten und Haushaltswaren alles an.
Das Sozialkaufhaus in Brieske bietet von Möbeln und Bekleidung bis hin zu Elektrogeräten und Haushaltswaren alles an. FOTO: Josephine Japke / LR

Die Kundschaft im Sozialkaufhaus besteht zu 75 Prozent aus Bedürftigen, 25 Prozent sind Normalverdiener. Das Verhältnis müsse so bleiben, da sonst der Status als Sozialkaufhaus verlorenginge. Aber: „Kaufhaus kann ja jeder, Sozialkaufhaus ist schon schwieriger“, sagt auch Heinz Mückel. Er hat das Sozialkaufhaus im Jahr 2003 gemeinsam mit der Volkssolidarität mühsam aufgebaute und leitete es bis Sommer 2017, als in Rente ging

In den ersten Jahren habe er er um jeden Kunden und jedes Möbelstück gekämpft. „Einerseits wollte ich den Bedürftigen helfen, andererseits wollte ich die riesigen Sperrmüllhaufen, die die Straßen säumten, verkleinern“, erklärt er. Dafür musste den Menschen erst erklärt werden, dass sie Dinge spenden können, bevor sie sie wegwerfen. Doch es brauchte drei Jahre, bis die Leute das Kaufhaus annahmen und es besuchten, ohne sich unwohl zu fühlen. Heute ist das Sozialkaufhaus gefragter denn je.

Eine Handvoll Angestellte hält den Betrieb am Laufen. Jeden Tag sind die Männer im Auftrag unterwegs. „Manchmal werden uns so viele Möbel angeboten, dass wir mit der Abholung gar nicht hinterherkommen“, erklärt Andrea Schapp. Die Möbelhalle an der Briesker Straße ist bis unters Dach mit Sitzgarnituren, Küchen und Schrankwänden gefüllt. „Trotzdem dürfen die Menschen nicht aufhören zu spenden, denn davon lebt unser Kaufhaus“, versichert sie.

Das Sozialkaufhaus in Brieske beschäftigt mehr als zehn Mitarbeiter. Einige von ihnen sind festangestellt, andere ehrenamtlich tätig und manche werden vom Jobcenter vermittelt. Wolfgang Lendeckel (rechts) arbeitet bereits seit 2014 für das Sozialkaufhaus.
Das Sozialkaufhaus in Brieske beschäftigt mehr als zehn Mitarbeiter. Einige von ihnen sind festangestellt, andere ehrenamtlich tätig und manche werden vom Jobcenter vermittelt. Wolfgang Lendeckel (rechts) arbeitet bereits seit 2014 für das Sozialkaufhaus. FOTO: Josephine Japke / LR

Während die Männer Möbel schleppen, kümmern sich die Mitarbeiterinnen im Kaufhaus um die Kunden, beraten, reparieren, organisieren, räumen auf und helfen wo sie können. Die Kundenzahl steigt stetig. Für das Kaufhaus und den Umsatz ist das einerseits zwar gut. „Es zeigt aber auch, dass immer mehr Leute auf dieses Angebot angewiesen sind“, sagt Heinz Mückel. Dazu gehören Menschen, die unter Altersarmut leiden, genauso wie junge Leute und Studenten. „Viele ziehen in ihre erste eigene Wohnung und können sich keine neuen Möbel leisten. Bei uns können sie sich komplett einrichten“, erklärt Andrea Schapp.

Besonders gefragt sind Kühlschränke, Waschmaschinen, ganze Küchen, Polstermöbel und Kinderzimmer. Doch nicht nur. Es wird auch mal ein Kaffeeservice gebraucht, weil die Familie nach Jahren wieder zu Besuch kommt. Spielzeug wechselt den Besitzer, weil die Tochter zum Geburtstag nicht leerausgehen darf. Kleidung findet ein neues Zuhause, weil sich der uralte Pullover auflöst. „Neulich haben wir erst ein Brautkleid verkaufen können“, sagt Andrea Schapp.

Doch das Briesker Sozialkaufhaus ist auch Kommunikationszentrum, Seelsorge und Treffpunkt für Menschen aus Senftenberg und Umgebung. „Viele kommen auch hierher, weil sie ihre sozialen Kontakte pflegen wollen oder mal jemanden zum Reden brauchen“, sagt Heinz Mückel. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Mitarbeiter persönlich in so manche Leben involviert sind.

Das Möbellager des Sozialkaufhauses in der Schulstraße ist gut gefüllt und wird von den Mitarbeitern ständig aufgefüllt und gewartet.
Das Möbellager des Sozialkaufhauses in der Schulstraße ist gut gefüllt und wird von den Mitarbeitern ständig aufgefüllt und gewartet. FOTO: Josephine Japke / LR

„In unserem Sozialkaufhaus klappt nicht immer alles wie am Schnürchen. Stimmt etwas mit den Möbeln nicht, sind die Mitarbeiter angespannt und die Kunden unzufrieden“, erklärt Andrea Schapp. Trotzdem sagt sie mit Bestimmtheit: „Ans Aufhören haben wir noch nie gedacht, denn wenn die Leute hier zufrieden und glücklich rausgehen, weil wir ihnen helfen konnten, war es alle Mühen wert.“