ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:01 Uhr

Auf Umwegen zum Traumberuf in der Arztpraxis

"Du wirst, wie deine Mutti, auch Schwester in einer Arztpraxis", scheint Urologe Nils Werner aus Lauchhammer-West der kleinen Layla zu sagen. Ihre Mutter Susann Piesker hat zur Sprechstundenschwester umgeschult und Simone Gautsch (2 . v. r.) zur medizinischen Fachangestellten. Peggy Kirchhöfer (r.) ist Umschülerin. Und schließlich Ronny Neuendorf vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Senftenberg.
"Du wirst, wie deine Mutti, auch Schwester in einer Arztpraxis", scheint Urologe Nils Werner aus Lauchhammer-West der kleinen Layla zu sagen. Ihre Mutter Susann Piesker hat zur Sprechstundenschwester umgeschult und Simone Gautsch (2 . v. r.) zur medizinischen Fachangestellten. Peggy Kirchhöfer (r.) ist Umschülerin. Und schließlich Ronny Neuendorf vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Senftenberg. FOTO: Manfred Feller
Lauchhammer. Wenn Praxisschwestern fehlen, dann ist guter Rat teuer. Der Lauchhammeraner Urologe Nils Werner hat mit der Agentur für Arbeit in Senftenberg einen Weg gefunden. Dieser heißt Umschulung und ist erfolgreich. Manfred Feller

In der urologischen Praxis von Nils Werner im Westen von Lauchhammer herrscht fast schon ein familiäres Arbeitsklima. Ausschließlich zufriedene Gesichter. Und das trotz der Arbeitsbelastung.

"Jetzt bin ich da, wo ich hingehöre", stellt Simone Gautsch mit einem stahlenden Lächeln zufrieden fest. Die 40-jährige Klettwitzerin hat in ihrem zweiten Beruf ihre Berufung gefunden. Als erste Umschülerin der Praxis hat sie im Juni vorigen Jahres ihre zweijährige Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten mit Bravour abgeschlossen. Zur Belohnung legte ihr ihr Chef einen unbefristeten Arbeitsvertrag vor. "Hier ist es geradezu mustergültig gelaufen", freut sich auch Ronny Neuendorf vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit über das Ergebnis der Umschulung.

Simone Gautsch ist gelernte Kauffrau im Einzelhandel, war zuletzt stellvertretende Marktleiterin. Durch einen Unfall wurde sie berufsunfähig. "Was aus heutiger Sicht mein Glück war", sagt sie heute. Dann ging alles recht schnell: ein Stärken-Schwächen-Test, das Interesse für die medizinische Richtung, das Praktikum, der in Aussicht gestellte Umschulungsplatz in der Praxis und schließlich die von Rententräger und Arbeitsagentur organisierte Umschulung.

Als medizinische Fachangestellte kommen der gelernten Kauffrau heute ihre Kenntnisse im Abrechnungswesen zugute. "Ich bin sehr zufrieden", sagt Nils Werner. "Meine Arbeit wird anerkannt und honoriert", ergänzt Simone Gautsch.

Nils Werner war vor seinem Wechsel nach Lauchhammer mehrere Jahre als Facharzt in einer renommierten Klinik in Nordrhein-Westfalen tätig. Die Gemeinschaftspraxis mit seinem Vorgänger Dr. Friedrich-Wilhelm Heßmer hatte er im Oktober 2010 mitgegründet. Im April 2015 wagte er den vorbereiteten Schritt in die Selbstständigkeit. Er hat umgebaut und investiert. "So eine Praxisübernahme ist nicht umsonst", umschreibt der 43-Jährige das Risiko der Eigenverantwortlichkeit, das so manch ein Kollege aus gutem Grund scheue. Doch Nils Werner und seine fünf Mitarbeiterinnen - zwei medizinische Fachangestellte, eine Krankenschwester, eine Sprechstundenschwester und eine Umschülerin - haben gut zu tun.

Mit Unterstützung der Agentur für Arbeit soll noch in diesem Jahr eine weitere Frau oder ein Mann die Umschulung zur/zum medizinischen Fachangestellten aufnehmen. "Ich kann ärztliche Kollegen und Mittelständler nur ermutigen, Menschen die Chance einer Umschulung zu geben", sagt der Urologe.

Susann Piesker, examinierte Altenpflegerin aus Lauchhammer, ist ein weiteres Beispiel dafür. Kind, Familie und Arbeit in der ambulanten Intensivpflege mit Zwölf-Stunden-Schichten ließen sich nicht mehr vereinbaren. In der Elternzeit orientierte sich die heute 28-Jährige neu, arbeitete bei Nils Werner zur Probe, wurde angenommen und qualifizierte sich. Seit November 2014 ist sie die Sprechstundenschwester der urologischen Praxis, die auch Assistenzdienste bei Behandlungen leisten kann. "Ich bin rundum zufrieden", sagt die junge Mutti der zweieinhalbjährigen Layla.

Als dritte Umschülerin auf dem Weg in das kleine Praxisteam ist derzeit Peggy Kirchhöfer. Die 31-jährige Lauchhammeranerin ist eigentlich Hotelfachfrau. Doch wie so oft wirbelt das erste Kind alles durcheinander. "Hotel ging nicht mehr", so die junge Frau. Auf 400-Euro-Basis arbeitete sie daraufhin im Einzelhandel. Nach dem zweiten Kind wollte Peggy Kirchhöfer wieder durchstarten.

"Medizin ist eine neue Herausforderung", sagte sie sich nach der Beratung bei der Arbeitsagentur. Im Januar 2015 hatte sie sich in der Praxis von Nils Werner beworben. Es folgten Schnuppertag und Praktika und schließlich die Umschulung. Peggy Kirchhöfer ist im zweiten Ausbildungsjahr und möchte nächstes Jahr abschließen.

Mit einem ordentlichen Zeugnis winkt die Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis. Schon jetzt weiß die Lauchhammeranerin, dass sie in einer familienfreundlichen Praxis gelandet ist. "Wenn ein Kind krank ist, können wir sofort nach Hause", lobt sie das Verständnis.

Facharzt Nils Werner kann den Weg der Umschulung bei einem Fachkräftemangel nur empfehlen. "Vom Einsatz der Arbeitsagentur war ich positiv überrascht", sagt der Urologe lobend.