„Herzlich willkommen in der Eisenhütte“ , begrüßte Bernd H. Williams-Boock die Teilnehmer der RUNDSCHAU-Sommertour im Aufenthaltsraum des Betriebes. Der Geschäftsführer nahm sich eine halbe Stunde Zeit, um die Hütte, die im vergangenen Jahr den Unternehmerpreis Brandenburgs bekommen hat, vorzustellen und Fragen zu beantworten.
„Teile für den VW Golf, für Haushaltsgeräte und für Öfen verlassen das Werk. Unsere Produktpalette ist viel breiter aufgestellt als in anderen Gießereien“ , erklärte der Geschäftsführer. Produkte mit einem Gewicht von 300 Gramm bis 35 Kilogramm werden produziert. Sie bestehen aus Grauguss, aber auch aus dem so genannten Sphäroguss. Diese spezielle Art wird mit Magnesium versetzt. Damit nehmen die Gießer Einfluss auf die Struktur der Erzeugnisse und folglich auf ihre Eigenschaften. „Die Produkte sind leichter und belastbarer“ , erklärt der Kaufmann. Das mache sie zum Beispiel interessant für die Autoindustrie oder für die Fertigung von Waschmaschinenteilen.
Die 1887 gegründete Eisenhütte hat gute und schlechte Zeiten durchlebt. 1992 ist sie privatisiert worden. Nach der Entscheidung von zwei bayerischen Familien als Investoren einzusteigen, wurde kräftig investiert, um die Hütte zukunftsträchtig zu machen. „Mittlerweile erwirtschaften die Mitarbeiter 32 Millionen Euro Jahresumsatz, der in den nächsten Jahren auf 40 Millionen Euro gesteigert werden soll“ , kündigte der Geschäftsführer an. Vor allem eine „intelligente Produktion“ soll dem Betrieb der Schwerindustrie künftig die Marktanteile sichern. „Die Eisenhütte erarbeitet mit den Kunden gemeinsam Problemlösungen. Zum Beispiel, wie bestimmte Teile leichter mit höherer Festigkeit gemacht werden können“ , umreißt der Geschäftsführer die Vision des Unternehmens, das an mehreren Projekten arbeitet. In Kooperation mit der Bergakademie Freiberg werde Simultationssoftware für Gussprozesse erarbeitet. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Anwendungszentrum in Cottbus arbeiten die Ortrander an einem Behälterverfolgungssystem. Mit Hilfe moderner Technik könne festgestellt werden, wo sich ein Behälter gerade befindet, was die Organisation verbessere. „Viele kluge Köpfe für die Gießerei - die Eisenhütte arbeitet daran, eine Marke zu kreieren. Wenn es um dünnwandigen Guss geht, der in kleinen Serien gefertigt wird, sollen die Leute gleich an Ortrand denken“ , nennt Bernd H. Williams-Boock das Ziel.
Wie sauber und ordentlich es in einem Betrieb der Schwerindustrie zugeht, konnten sich die Leser beim anschließenden Rundgang durch die Gießerei überzeugen. „Vier Sechs-Tonnen-Schmelzöfen, die mit Strom betrieben werden, bringen das Eisengemisch auf eine Temperatur bis zu 1400, 1500 Grad“ , erklärte Annette Günther beim Gang durch die Hallen. Doch nicht immer war jedes Wort zu verstehen. In der Hütte geht es sehr laut zu. Deshalb gab es zum Abschluss des Rundganges noch eine Fragerunde für die Teilnehmer der Sommertour.

Zum Thema Umsatz enorm gesteigert
 Die Ortrander Eisenhütte setzt jährlich rund 32 Millionen Euro um. Im Jahr 2004 waren es noch 9 Millionen Euro gewesen.
200 Mitarbeiter sind beschäftigt, zuzüglich 40 bis 50 Zeitarbeitskräfte. Rechnet man noch gut 40 Arbeitsplätze in Zulieferbetrieben dazu, leben von der Eisenhütte im Süden des Landkreises OSL knapp 300 Familien. „Wir schütten in Form von Löhnen jedes Jahr rund 600 000 Euro Kaufkraft aus“ , erklärte Geschäftsführer Bernd H. Williams-Boock.