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| 10:26 Uhr

Auf Dauer nicht nur Hausfrau und Mutti sein

Beim individuellen Training gab Kommunikationstrainerin Gisela Duy (stehend) in dieser Woche Jana Borchardt, Claudia Wolf und Monique Baldauf (von links) auch gute Tipps zum richtigen Auftreten beim Bewerbungsgespräch.
Beim individuellen Training gab Kommunikationstrainerin Gisela Duy (stehend) in dieser Woche Jana Borchardt, Claudia Wolf und Monique Baldauf (von links) auch gute Tipps zum richtigen Auftreten beim Bewerbungsgespräch. FOTO: Oliver Sobe
Für 24 Frauen und Männer, alle zwischen 25 und 50 Jahre alt, sollen die nächsten 14 Wochen der Wendepunkt im Leben werden. Manche von ihnen haben niemals im erlernten Beruf gearbeitet. Andere suchen seit über zehn Jahren einen festen Arbeitsplatz. Ein Inte grationsprojekt an der Wirtschaftsakademie Europanorat in Senftenberg bietet nun den Langzeitarbeitslosen eine neue Chance. Die RUNDSCHAU wird die motivierten Teilnehmer bis Ende Februar begleiten. Heute: Die Stilberatung im Schulungsraum. Von Oliver SobeOliver Sobe

„Die Weichen im Leben müssen Sie ganz alleine stellen“ , betont Gisela Duy. Die freiberufliche Kommunikationstrainerin berät Jana Borchardt (27), Claudia Wolf (29) und Monique Baldauf (31) am Dienstagmorgen nicht nur zu Kleidungsstil und Schminke. Gisela Duy möchte im Zwiegespräch ebenso das Selbstbewusstsein der drei jungen Frauen aus Senftenberg stärken.
Der erste Eindruck sei beim Bewerbungsgespräch bereits entscheidend. „In sieben Sekunden bildet sich im Gehirn das Bild vom Gegenüber. Daher ist es wichtig, die eigene Persönlichkeit beim Vorstellungstermin gut zu präsentieren“ , rät Gisela Duy.
Jana Borchardt hat erst im Juli eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Heilerzierungspflegerin beendet. Mit dem Notendurchschnitt 1,6 kann die 27-Jährige auch ein gutes Abschlusszeugnis vorweisen. „Gerne würde ich in der Zukunft mit Behinderten oder psychisch kranken Menschen arbeiten. Nur meine Bewerbungen sind seit Juli alle verpufft“ , erzählt Jana Borchardt. Vom Integrationsprojekt bei Europanorat erhofft sie sich wenigstens einen Praktikumsplatz. „Damit ich mich beweisen kann“ , bringt sie ihre Motivation auf einen Nenner.
Claudia Wolf ist gelernte Bürofachkraft mit IHK-Abschluss. In ihrem Ausbildungsberuf hatte die 29-Jährige allerdings noch nie eine Festanstellung. Seit 14 Jahren versucht Claudia Wolf mit Weiterbildungen, auf dem Arbeitsmarkt endlich Fuß zu fassen. „Inzwischen heißt es immer öfter, meine Qualifikation wäre für den Büroberuf zu hoch. Ich will aber nicht auf Dauer nur Hausfrau und alleinerziehende Mutti einer zweijährigen Tochter sein“ , erklärt Claudia Wolf.
In dieser Woche durchliefen acht Hartz IV-Empfänger an der Wirtschaftsakademie Europanorat nochmals ein Testprogramm, um die persönliche Eignung für das Integrationsprojekt herauszufiltern. „Ab Montag beginnt die heiße Vermittlungsphase“ , sagt Schulleiterin Birgit Köhl. Wenn es um Praktikumsplätze für die ausgewählten Teilnehmer geht, sind kleine Firmen aus der Region, der Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit, Kammern sowie Wirtschaftsorganisationen die richtigen Ansprechpartner.
Schulleiterin Birgit Köhl spricht nicht nur wegen der knappen Zeit von einer riesigen Herausforderung: „Ein Hemmschuh ist bei vielen Teilnehmern die fehlende Mobilität. Welcher Arbeitslosengeld II-Empfänger leistet sich heute noch ein Auto?“ Eine Erfolgsnachricht gibt es aber schon. Im Zusammenspiel mit dem Jobcenter habe eine Teilnehmerin aus dem Integrationsprojekt eine Stelle als Spielwarenverkäuferin gefunden, berichtet Birgit Köhl.