ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:03 Uhr

Wort zum Sonntag
Ruhen Sie auch aus!

Pfarrerin Dorothee Michler.
Pfarrerin Dorothee Michler. FOTO: Matthias Mayer
Senftenberg. Auf Arbeit ohne Unterbrechung liegt kein Segen.

Auch wenn wir Deutsche uns gern nachsagen lassen, pflichtbewusst und arbeitsam zu sein, halten wir doch ebenso den inoffiziellen Titel der Reiseweltmeister nach Reisekilometern oder Ausgaben pro Kopf. Dass jeder Kopf sich bei der Rekordjagd erholt, darf bezweifelt werden. Erholung hat weder Längenmaß noch Währung. Urlaubsgefühl ereilt manchen beim Kaffeetrinken, andere bei Gartenarbeit. Einer schaltet - außer den Fernseher - beim spannenden Fußballspiel ab, ein ander erholt sich beim Heimwerken. Es muss nicht unbedingt ruhig sein, was Muße bringt. Ist es der Ausstieg aus der Routine, der Unterschied zum Alltag, der erholend wirkt?

Je größer der Kontrast, desto kürzer kann die Zeit für ein Gefühl der Erholung sein. Vielleicht erzeugt gerade das die Bereitschaft Reisender - auch jener ohne religiöse Bindung - an Sommertagen nah oder fern Gotteshäuser zu besichtigen. Wenn sie im lebhaften Trubel stehen und der Sommertag heiß ist, tun kontemplative Stille und angenehme Kühle ein Übriges, um Momente inneren Ausruhens stärker fühlen zu lassen, als wenn wir zu Hause im Gottesdienst sind. Obwohl viele Menschen das ebenso aus Bedürfnis nach Unterbrechung der Routine tun. Wie ruhig oder unruhig auch immer Sie das Ausruhen gestalten: gönnen Sie sich - auch im Urlaub - solche Momente besonderer Einkehr, bevor sie in ein Restaurant „einkehren“. Und gönnen Sie Muße nicht nur nicht selbst, sondern auch anderen in Ihrer Nähe. Es muss ja nicht zur Gewohnheit werden; aber Faulenzen als Unterbrechung hat auch etwas Produktives. Der buddhistische Mönch Nhat Hanh aus Vietnam formulierte es so: „Statt zu sagen: Sitz nicht einfach nur da - tu irgendetwas, sollten wir das Gegenteil fordern: Tu nicht einfach irgendetwas - sitz nur da.“ Das funktioniert auch in Kirchen ausgezeichnet - übrigens auch in der Heimat und nicht selten sogar im Gottesdienst. Vielleicht versuchen Sie es ja mal. Man ist nie zu alt für neue Erfahrungen!