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Dorfporträt aus Lichtenau
Auf Abstecher ins Lichtenau auf Grönland

Um Wissenswertes über das Leben in Lichtenau zu bündeln, trafen sich Rudolf und Helga Latarius, Renate Bautzer und Ingeborg Zeidler mit der Heimatzeitung in Latarius´ Küche. Seit ihrer Hochzeit vor 60 Jahren und aufgrund ihrer Zugänglichkeit und zahlreichen Freizeitbeschäftigungen, geben sich bei „Rudi & Helga“ Gäste buchstäblich die Klinke in die Hand.
Um Wissenswertes über das Leben in Lichtenau zu bündeln, trafen sich Rudolf und Helga Latarius, Renate Bautzer und Ingeborg Zeidler mit der Heimatzeitung in Latarius´ Küche. Seit ihrer Hochzeit vor 60 Jahren und aufgrund ihrer Zugänglichkeit und zahlreichen Freizeitbeschäftigungen, geben sich bei „Rudi & Helga“ Gäste buchstäblich die Klinke in die Hand. FOTO: Uwe Hegewald
Lichtenau. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden oder Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Die Station heute: Lichtenau.

„Das Bekalkungs-Schiff ist wieder da“ lautet die brennende Botschaft, die derzeit in Lichtenau die Runde macht. Es sei zwar ein kleinerer „Dampfer“, als das Vorgängerschiff – aber immerhin. 326 Hektar umfasst der langgezogene See, auf dem regelmäßig Sanierungsschiffe der LMBV treiben, um die ersehnte Wasserqualität hinzubekommen. Ob es mittelfristig möglich ist, mit Badehandtuch überm Arm an den Strand zu pilgern, sehen die Dorfbewohner skeptisch. „Es herrscht generelles Badeverbot und daran dürfte sich aufgrund der angrenzenden Flächen der Sielmann-Stiftung auch nichts ändern“, prognostiziert Rudolf Latarius.

Von seinen Mitbürgern weiß der 81-Jährige, dass sich diese mit dem Heranwachsen einer benachbarten Naturlandschaft arrangiert haben. Stress brauche das Dorf nicht, das viele Jahre unter dem Krach des Tagebaus Schlabendorf Nord gelitten hat, der nun den Lichtenauer See darstellt. Vor den Toren des Dorfes machte die Kohle halt, weniger Glück hatten die Einwohner aus Tornow, deren Überbaggerung rund fünf Jahrzehnte zurückliegt. 346 Einwohner mussten seinerzeit das nur 500 Meter von Lichtenau entfernte Dorf verlassen (Quelle: Ostkohle). „Mit den Tornowern pflegen wir bis heute enge Kontakte, veranstalten jedes zweite Jahr Tornow-Treffen und haben einen Ort der Erinnerung geschaffen“, berichtet Rudolf Latarius. 2016 sind am Aussichtspunkt Lichtenau zwei Eichen gepflanzt worden. Vor dem Pflanzen des Erinnerungsbaumes für Tornow (Sponsor Fa. Stein), im Herbst 2016, brachten Lichtenauer ihre Eiche in den Boden. „Anlass waren die Feierlichkeiten anlässlich unserer ersten urkundlichen Erwähnung vor 555 Jahren“, erzählt Ingeborg Zeidler. Bei der pensionierten Lehrerin liefen seinerzeit die Fäden für das Schnapszahl-Jubiläum zusammen. „Für das Jahr 1461 liegen uns belastbare Dokumente vor“, stellt sie klar. Der oder die Verfasser/in der Lichtenauer Internetseite auf Wikipedia geht von einer Ersterwähnung im Jahr 1319 aus. Dafür fehlten aber historische Belege, begründet das Festkomitee der 555-Jahrfeier. Sollte wider Erwarten der Nachweis 1319 auftauchen, wären die Dorfbewohner nicht unglücklich darüber, in zwei Jahren 700. Geburtstag zu feiern.

Immer wieder gern erinnern sich die Leute an die Jubiläums-Feierlichkeiten im Sommer 2016. „Alle Lichtenauer waren beim Fest anwesend und auch viele ehemalige Tornower gekommen“, berichtet Ingeborg Zeidler. Mit „alle Lichtenauer“ seien selbstverständlich nur die des Lübbenauer Ortsteiles gemeint.

Nach eigenen Recherchen soll der Stadt-, Orts- oder Gemeindenamen weltweit immerhin 40 Mal vorkommen. Regelmäßig flattern Einladungen zu irgendwelchen Lichtenau-Treffen ins Dorf – mit der Folge, dass Lichtenauer aus dem Spreewald sogar schon bis ins Lichtenau auf Grönland aufgebrochen sind. Dort erweist es sich zum Finden von Gesprächskanälen als vorteilhaft, wenn sich das mitteleuropäische Eisdorf in unmittelbarer Nachbarschaft vom hiesigen Namensvetter befindet.

Kittlitz, Schönfeld, Eisdorf und Lichtenau bilden ein Dörfer-Quartett, das 2003 in Lübbenau eingemeindet wurde. Vernehmbarer Stolz ist den Worten der Lichtenauer zu entnehmen, dass Lübbenaus Bürgermeister ausgerechnet aus ihrem Dorf kommt. „Helmut Wenzel bringt sich im Rahmen seiner Möglichkeiten und knappen Zeit ein. Wunderdinge können und wollen wir von ihm nicht verlangen, zumal er die Balance zwischen allen Ortsteilen und der Stadt wahren muss“, sagt Rudolf Latarius. Er weiß um die gebotene Diplomatie und Neutralität, war er doch von 1992 bis 2002 selbst als Bürgermeister von Kittlitz in der Kommunalpolitik tätig.

Am 11. Mai feierten der rüstige Rentner und „seine“ Helga Diamantene Hochzeit und hielten Lichtenau im Feier-Modus. „Die Leute im Dorf halten zusammen. Wer sich einbringen kann und möchte, der tut das“, bescheinigt Renate Bautzer ihren Mitbewohnern ein zuträgliches Miteinander. Während sie Pflegedienst an der Bushaltestelle leistet, Helga und Rudolf Latarius regelmäßig am Kriegerdenkmal auf dem Friedhof auf Sauberkeit und Bepflanzung achten, führen Kerstin und Michael Baumgart seit 2004 Regie in der Heimatstube. Da der „Museumsdirektor“ auch noch in der Lage ist, klassische Spreewaldkähne zu steuern, nutzen die Lichtenauer die Chance, um beim jährlichen Lübbenauer Kahnkorso auf sich aufmerksam zu machen. Zuletzt wurde das 555-jährige Bestehen in den Fokus gerückt und den zahlreichen Zuschauern das begleitende Motto präsentiert: „Es lebt sich gut, in Lichtenau.“