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Missionarische Reise
Auf 3000 Kilometern in der Ferne zu sich selbst gefunden

Christa und Günther Faustmann reisten drei Wochen durch Namibia.
Christa und Günther Faustmann reisten drei Wochen durch Namibia. FOTO: Günther Faustmann
Kroppen. Auf ihrer missionarischen Reise durch Namibia lernten Christa und Günther Faustmann neben Land und Leuten auch sich selbst besser kennen. Von Josephine Japke

„Wege ebnen sich und Türen gehen auf, sobald man Verbindungen mit Menschen eingeht“, sagt Christa Faustmann und schaut verträumt auf die Fotos ihrer Namibia-Reise. Denn als die Faustmanns aus Kroppen einem befreundeten Pfarrer versprachen, ihn in Namibia zu besuchen, fanden sie nicht nur ein gastfreundliches Land voll von faszinierender Natur. Sie fanden auch zu sich selbst zurück.

Das Vorhaben war leicht definiert: „Wir besuchen unseren Freund Pfarrer Schiele und seine Familie, welche aus Südafrika kommen, sechs Jahre in Ruhland lebten und nun in Namibia wohnen und arbeiten“, erklärt Günther Faustmann. Dann machten sie sich auf den Weg in das Land, das mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland, in dem aber nur knapp 2,3 Millionen Menschen leben. „Wir haben oft überlegt, ob es nicht verrückt von uns ist, allein durch verlassene Wüsten und einsame Gebirge quer durch ein fremdes Land zu fahren“, sagt Christa Faustmann. Aber was fremd ist, kann kennengelernt werden. Und so richtig allein hat sie sich nie gefühlt: „Das lag auch an meinem Glauben zu Gott“, sagt sie. Christa und Günther Faustmann sind seit 2015 ehrenamtliche Prädikanten der evangelischen Kirche. Das heißt, dass sie das Wort Gottes frei verkünden dürfen und eigene Predigten verfassen. Drei Wochen reisten sie als solche durch das Land nördlich von Südafrika an der Westküste des Kontinents, predigten das Evangelium und hielten Vorträge sowie Seminare über unterschiedliche Verhaltensweisen in der Beziehung zueinander und im Zusammenleben.

Pastor Schiele (Mitte) stammt aus Südafrika, lebte sechs Jahre in Ruhland  und zog mit seiner Familie dann weiter nach Namibia.
Pastor Schiele (Mitte) stammt aus Südafrika, lebte sechs Jahre in Ruhland und zog mit seiner Familie dann weiter nach Namibia. FOTO: Günther Faustmann

Ihr Weg führte sie von Namibias Hauptstadt Windhoek durch die Namib-Wüste zur Küstenstadt Swakopmund, vorbei am Erongo-Gebirge in Zentral-Namibia bis nach Tsumeb und zum Etoscha-Nationalpark im Norden und wieder zurück nach Windhoek. Insgesamt fast 3000 Kilometer legten sie zurück. „Dabei erlebten wir die unglaublichste Stille und Weite, die wir je wahrgenommen haben“, ist sich das Ehepaar einig.

Doch ebenso beeindruckend wie die Natur waren die Menschen, denen Günther und Christa Faustmann auf ihrer Reise begegneten. „Sie sind unfassbar offen und gastfreundlich. Aber man merkt auch, dass sie sich vieles erkämpfen müssen und vom Wasser abhängig sind. Man begrüßt sich deshalb oft nicht mit ‚Hallo, wie geht’s?’ sondern fragt ‚Hat es bei dir geregnet und wenn ja, wie viel?’“, sagt Günter Faustmann. Seine Ehefrau fügt hinzu: „Man beginnt seinen eigenen Wasserverbrauch zu überdenken und merkt schnell, dass es uns wirklich gut geht.“ Deutlich wurde das auch, als sie eine Grundschule in Tsumeb besuchten. „Dort gehen 400 Kinder hin. Nur durch ein Spenden-Projekt wird es bis zu 100 von ihnen ermöglicht, am Tag wenigstens eine warme Mahlzeit, meist Gemüse- oder Maissuppe, zu sich zu nehmen“, beschreibt Günther Faustmann. „Wir haben viel über Armut nachgedacht und darüber, was wir zum Glücklichsein brauchen. Denn die Menschen dort leben in schwierigen Umständen und haben viel weniger Mittel zur Verfügung als wir. Trotzdem sind die meisten glücklich, weil sie lernen und essen können“, meint auch Christa Faustmann, die merkte, dass sie selbst nicht viel braucht, um glücklich zu sein. „Einfach mal stehen bleiben, die Umgebung wahrnehmen und nicht sofort weiterhetzen – das hat uns so erfüllt und berührt“, erklärt sie.

Sie haben zu sich selbst gefunden, erkannt was in ihnen steckt und wer sie sind. Und natürlich auch wohin sie wollen: „Wer einmal in Namibia war, kommt wieder. Wer dort ein Paar Schuhe abgetragen hat, der bleibt“, sagt Günther Faustmann.

Auf der Omandumba-Lodge im Erongo-Gebirge verbrachten die Faustmanns zwei Tage und genossen die Sonnenuntergänge mit ihrem einzigartigen Farbenspiel.
Auf der Omandumba-Lodge im Erongo-Gebirge verbrachten die Faustmanns zwei Tage und genossen die Sonnenuntergänge mit ihrem einzigartigen Farbenspiel. FOTO: Günther Faustmann
Beim Männertag auf einer Rinderfarm trafen sich die Deutschen zu einem Barbecue in der Wildnis.
Beim Männertag auf einer Rinderfarm trafen sich die Deutschen zu einem Barbecue in der Wildnis. FOTO: Günther Faustmann