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| 13:24 Uhr

Meine Heimat Oberspreewald-Lausitz
Audienz beim Lausitzer Bienen-Papst

 In seinem dritten Bienenwagen (Eigenproduktion) auf Pkw-Basis hält Kurt Bär momentan sieben Bienenvölker. In Hochzeiten seiner Imkerei hatte er bis zu 54 Völker im Bestand und ist mit auserwählten Völkern durch die halbe DDR gereist. Im Imkerverein Freienhufen ist er bis heute als Wander-Obmann tätig.
In seinem dritten Bienenwagen (Eigenproduktion) auf Pkw-Basis hält Kurt Bär momentan sieben Bienenvölker. In Hochzeiten seiner Imkerei hatte er bis zu 54 Völker im Bestand und ist mit auserwählten Völkern durch die halbe DDR gereist. Im Imkerverein Freienhufen ist er bis heute als Wander-Obmann tätig. FOTO: Uwe Hegewald
Saalhausen. „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“, sagt ein Sprichwort. Die RUNDSCHAU besucht Menschen, um zu erfahren, wann, warum und wo sie ihren Lebensfaden im Kreis festgemacht haben. Heute: Kurt Bär (Saalhausen). Von Uwe Hegewald

Der eigene Hochzeitstag, Geburtstage von Familienangehörigen oder Ehrentage von Verwandten – es gibt eine Reihe von Jubiläen, bei denen Kurt Bär nicht lange überlegen muss. Im Termin-Reigen befindet sich auch der unscheinbare 12. Juli 1949. „Es ist das Datum, an dem ich mit dem Imkern begonnen habe. Der Tag jährt sich also demnächst zum 70. Mal“, erzählt der Bienenexperte. Schon als kleiner Knabe faszinieren ihn die fleißigen Insekten auf dem Nachbargrundstück seines Onkels, die so schmackhaften Honig produzierten. „Die Ursache, es selbst mit der Imkerei zu versuchen, liegt aber in der Schule, in Freienhufen. Unser Hausmeister Rudolf ‚Rudi’ Skorsetz hatte in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schulgebäude ein Bienenhaus mit rund 20 Völkern, zu denen ich in den Pausenzeiten immer herübergeschaut habe“, berichtet der Saalhausener. Als ihm der Hausmeister gestattete, sich die Völker etwas näher zu betrachten, war die Leidenschaft vollends entfacht. „Rudi Skorsetz war mein Lehrmeister und Mentor. Als er mir anbot, ein Bienenvolk in Pflege zu nehmen, kannte meine Freude keine Grenzen. Vom Onkel bekam ich eine gebrauchte Beute, die ich noch heute besitze. Inzwischen ist diese zwar unbrauchbar, aber ein wichtiges Erinnerungsstück“, berichtet Kurt Bär von seinen Anfängen.

Für das erste eigene Bienenvolk hätten die Eltern 15 Mark locker gemacht. Ein stattlicher, aber begründeter Betrag, waren Bienenvölker in den Nachkriegsjahren doch nur schwer zu haben. Aufgrund der Kriegsgeschehnisse, unzureichender Pflege oder Zeitnot verzeichnete die damalige Imker-Gilde hohe Verluste. Ganz zu schweigen vom knappen Zucker, der den Bienen als Winterfutter gereicht wird. Für Kurt Bär jedoch kein Grund, das Handtuch zu werfen. Zu stark fühlt er sich mit den unverzichtbaren Bestäubern der Obstbäume und ihrem Wesen verbunden.

Wie die „fleißigen Lieschen“ kehrte und kehrt auch er immer aufs heimische Anwesen zurück. „Ich bin in Saalhausen geboren und habe mein Dorf nur aus beruflichen Gründen oder aufgrund meiner Hobbys verlassen“, so der Rentner, der zwischenzeitlich als Filmvorführer gearbeitet hat. Im benachbarten Dollenchen habe er den Beruf des Stellmachers erlernt, was sich für die Imkerei als äußerst nützlich erweisen soll. „1970 habe ich meinen ersten Wanderwagen aufgebaut, der für 48 Bienenvölker ausgelegt war. 1980 folgte der zweite Wagen für bis zu 54 Völker“, erzählt er. Erste Touren führten in die nähere Umgebung, später ging es mit den Bienen weiterer Mitglieder des Imkervereins Freienhufen quer durch die Republik.

Stolz hallt in den Worten von Kurt Bär mit, wenn er von Fahrten zur Rapsblüte nach Mecklenburg-Vorpommern berichtet, wie es anschließend in die Waldtracht ins Osterzgebirge ging oder in den Rotklee nach Großenhain. Ohne einen funktionierenden Verband, der hinter den Wander-Aktionen stand, hätten diese nicht umgesetzt werden. Vom Glaswerk Annahütte, wo der Saalhausener 27 Jahre die Tischlerei geleitet hat, wurde der Lkw zum Transport der Bienenwagen bereitgestellt. „Die Fahrkosten hatten sich der Kreis und die Genossenschaft geteilt, und selbstverständlich musste auch die Familie dahinter stehen“, betont der Lausitzer Bienen-Papst.

In Ehegattin Ingrid, die er 1960 aus dem sächsischen Heidenau nach Saalhausen „entführte“, habe er immer eine verständnisvolle Partnerin an seiner Seite gewusst. Auch wenn es mit der Imkerei mal nicht so recht laufen wollte. Immer wieder musste Kurt Bär teilweise schwere Verluste hinnehmen, wie 1990, als die Milbe 50 seiner 54 Völker hinraffte. „Wenn es uns gelingt, die Schädlinge einzudämmen, haben wir viel erreicht. Ganz los werden wir die Milben wohl nicht mehr“, prophezeit er.

Aber welcher Honig schmeckt ihm eigentlich am besten? „Honig aus der Buchweizen-Tracht. Der ist zwar herb im Geschmack, aber dafür sehr gehaltvoll und besonders gesund“, erklärt er. Im Grunde seien alle regionalen Produkte zu empfehlen, in denen nahezu 100 Prozent Heimat stecken. Ohne Honigbienen würde sich die Heimatlandschaft komplett verändern. Kurt Bär begrüßt jegliche Maßnahmen zum Insektenschutz, wie etwa das Bienen-Volksbegehren in Bayern.

Apropos Bayern: Im vergangenen Jahr sind beide Enkeltöchter aus München in die Lausitz zurückgekehrt, um sich auf dem groß­elterlichen Anwesen in Saalhausen niederzulassen. Inzwischen ist im Familienkreis ein Bienenfreund gefunden, der die Imkerei im Hause Bär fortsetzen will. An der Seite des Lausitzer Bienen-Papstes, der vor 70 Jahren mit der Bienenzucht begonnen hat.