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Auch Windpark-Ausgleich heiß umkämpft

Vor zehn Jahren ist der Windpark Woschkow-Leeskow errichtet worden. Jetzt soll er modernisiert und erweitert werden.
Vor zehn Jahren ist der Windpark Woschkow-Leeskow errichtet worden. Jetzt soll er modernisiert und erweitert werden. FOTO: str1
Großräschen/Allmosen. Der Windpark Woschkow-Leeskow wird aufgerüstet und erweitert. Das erlaubt der Regionalplan für die Region Spreewald-Lausitz ausdrücklich. Kathleen Weser

Die vier Dörfer, auf deren Gemarkungen der Wind mit alternativer Energie die Euro in die Kassen der nun drei Investoren wehen soll, haben die Höhe der auch hier zu Lande heftig umstrittenen Windspargel auf die Größe der vorletzten Windanlagen-Generation begrenzt. Mit einem Bebauungsplan, der im Herbst dieses Jahres rechtskräftig werden soll. Das hat Thomas Zenker (SPD), der Bürgermeister der Stadt Großräschen mit den betroffenen Ortsteilen Dörrwalde, Woschkow und Allmosen, jetzt bestätigt. Bei 200 Metern Höhe und 56 Metern Flügellänge ist dem nochmals ausdrücklich erklärten Willen der Ortsvertreter zufolge demnach Schluss. Ein Veto der Windkraft-Investoren dagegen ist zwar noch möglich, aber unwahrscheinlich. Denn ein Streit, auf den es die Kommune ankommen lassen würde, kostet Zeit und damit Geld. Die neueste Windanlagen-Generation ragt schon 220 Meter in den Himmel und hat noch längere Rotorenblätter.

Der zu leistende Ausgleich für den Eingriff in die Natur und das Landschaftsbild durch den Bau der Anlagen ist der letzte Schritt im laufenden Planungsverfahren. Das erklärt Max Heyde, Leiter der Bauverwaltung im Großräschener Rathaus. Der Allmosener Ortsvorsteher Bernhard Demuth drängt darauf, die anteilig auf die eigene Gemarkung entfallenen Ausgleichsmittel ausschließlich in die Lebensqualität des Dorfes zu investieren. Der Dorfanger soll schick gemacht werden. Die Wunschliste ist noch um ein Biotop am Friedhof und frisches Grün vor dem Bürgerhaus, das in kommunaler Regie schrittweise aufgemöbelt wird, erweitert worden. Das Stadtoberhaupt versichert, um den Segen für diese Vorhaben zu ringen. Der erfahrene Verwaltungschef Thomas Zenker aber weist auch darauf hin, dass die Naturschutzbehörde des Landkreises und das Landesumweltamt starkes Gewicht in die Waagschale werfen. Der Ausgleich werde hauptsächlich für die Mehrbelastung der Natur durch versiegelte Flächen durch den Windpark fällig. "Es handelt nicht um frei verfügbare Mittel", klärt der Bürgermeister auf. Ein bis zwei gute Taten an der Natur seien verpflichtend. Mit Blick auf den Eingriff in das Landschaftsbild um die betroffenen Dörfer aber haben auch die Orte ein starkes Argument für eigene Wünsche.

Das Ortsbild in Allmosen behalte die Stadt auch wohlwollend im Blick, sagt Thomas Zenker zu. "Wir haben schon viel in das Bürgerzentrum investiert", sagt er. Um neues Grün im Umfeld macht Thomas Zenker nicht viel Wind. "Das schaffen wir auch noch."Sprudelnde Steuergroschen sind vom Windpark auch nicht zu erwarten, stellt er klar. Steuerliche Sonderregelungen für die Eigentümer der Anlagen und pünktliche Besitzwechsel nach Abschreibungsfristen schließen das aus.

Zum Thema:
Derzeit erzeugen zwölf Windkraftanlagen am Standort Woschkow-Leeskow grüne Energie. Der Standort soll neu 18 Anlagen mit maximaler Höhe von 200 Metern auch in zusätzlichen Waldflächen aufnehmen. Die meisten avisierten Grundstücke befinden sich in Privatbesitz. Für den deutlich geringeren kommunalen Flächenanteil ist eine jährliche Pacht von etwa 40 000 Euro für die Stadtkasse zu erwarten. Fest steht schon: 10 000 Euro sollen sollen in einen Vereinstopf und damit das gesellschaftliche Leben fließen.