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Misswahl
Auch ohne Miss-Titel eine tolle Auslandsdeutsche

Anne Mckenzie lebt am anderen Ende der Welt.
Anne Mckenzie lebt am anderen Ende der Welt. FOTO: Christian Lidzba
Senftenberg/Nuriootpa. Anne aus Lauchhammer hat bei der erstmals ausgerufenen Wahl zwar nicht gewonnen, aber eine gute Erfahrung gemacht.

(cw) Das ist schade: Der allererste Titel nach der weltweiten Miss-Wahl zur „Auslandsdeutschen des Jahres 2017“ geht nun doch nicht in die Lausitz. Die in Lauchhammer aufgewachsene Anne Mckenzie (geborene Lidzba), die seit sechs Jahren am anderen Ende der Welt in Südaustralien lebt, hat als Finalistin nicht die größte Stimmenzahl auf sich vereinigen können. Der Sieg ging stattdessen an eine 22-jährige deutschstämmige Ungarin, die unter anderem als Leiterin einer Tanzgruppe die Kultur der Donauschwaben in Ungarn pflegt. Die Studentin bekam fast 60 Prozent der rund 8600 abgegebenen Stimmen, teilt die Internationale Medienhilfe (IMH) als Veranstalter des Wettbewerbs mit.

Die 34-jährige Anne aus Lauchhammer kann mit diesem Ergebnis gut leben. „Ich freu mich für Viktoria aus Ungarn. Sie ist in sehr vielen Vereinen aktiv“, erzählt die junge Wahl-Australierin der RUNDSCHAU anerkennend. Die Teilnahme an dieser Miss-Wahl der etwas anderen Art war für die gebürtige Lausitzerin trotzdem „eine schöne Erfahrung“, aus der sie bereichert hervorgeht. Anne Mckenzie war eine von insgesamt vier Kandidatinnen, die es für die erstmals ausgetragene weltweite Wahl zur „Auslandsdeutschen des Jahres“ bis ins Finale geschafft hatten. Den Wettbewerb rief die Internationale Medienhilfe (IMH), ein Netzwerk von mehr als 2000 deutschsprachigen Medien im Ausland, ins Leben. „Ausschlaggebend für den Sieg war natürlich nicht die Schönheit der Kandidatinnen, sondern vor allem ihr Engagement für die eigene Kultur im Ausland“, sagt Wettbewerbsleiter Björn Akstinat. Der Medienverband will mit dieser „Miss-Wahl“ den Zusammenhalt der deutschsprachigen Gemeinde im Ausland befördern und auch jüngere Menschen erreichen.

Anne Mckenzie, die seit 2011 mit ihrem australischen Mann Mitch und ihren beiden kleinen Söhnen Oskar (3) und Jakob (1) im Barossa-Tal in Südaustralien lebt, kann selbst ein beachtliches Engagement vorweisen. Ihre neue Heimat bei Adelaide ist im 19. Jahrhundert einst von deutschen Einwanderern besiedelt worden. Deutsche Traditionen spielen deshalb bis heute dort eine große Rolle - und die Lausitzerin kann nun dazu einiges beisteuern. Die 34-Jährige ist im örtlichen Sprachverein aktiv, bringt Kindern die deutsche Sprache näher und ist inzwischen die Herausgeberin der Vereinszeitschrift „Das Blatt“ geworden.

Die Teilnahme an der Wahl zur „Auslandsdeutschen des Jahres“ brachte dem Verein immerhin etwas sehr wichtiges: eine Menge Aufmerksamkeit. „Die herzliche Reaktion aus meiner Heimat hat mich sehr bewegt“, sagt Anne Mckenzie und dankt allen, die im Wettbewerb für sie gevotet haben. „Das motiviert mich, im Barossa-Sprachverein weiterzumachen“, sagt sie. An Familie und Freunde in der 15 000 Kilometer entfernten Lausitz denkt sie dieser Tage oft. Denn es ist Weihnachten - wo der Heilige Abend in Australien wegen der Zeitverschiebung rund neun Stunden eher anbricht.