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Apothekerin beklagt den Parkplatz-Mangel

Apothekerin Dr. Maike Gruno-Richter (l). kämpft für die Adler-Apotheke und deren betagte Kunden sowie Mütter mit Kind um einige wenige Kurzzeitparkplätze auf dem Senftenberger Marktplatz.
Apothekerin Dr. Maike Gruno-Richter (l). kämpft für die Adler-Apotheke und deren betagte Kunden sowie Mütter mit Kind um einige wenige Kurzzeitparkplätze auf dem Senftenberger Marktplatz. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Das Parken auf dem Senftenberger Marktplatz bleibt ein Dauerbrenner. Die Mehrheit der Ratsrunde besteht auf der umfassend beruhigten Innenstadt-Zone. Doch immer mehr betagte und in der Mobilität eingeschränkte Bürger meiden deshalb das Zentrum – auch mit wirtschaftlichen Folgen. Kathleen Weser

Der Senftenberger Marktplatz darf nicht erklärtes "verkehrstechnisches Sperrgebiet" bleiben. Das sagt Apothekerin Dr. Maike Gruno-Richter. Für betagte Bürger und Mütter mit erkrankten Kindern, die nach dem Arztbesuch noch schnell das Rezept einlösen müssen, ist der Mangel an nahe gelegenen Kurzzeitparkplätzen eine Katastrophe. Das schmuck und für das Flanieren sanierte Stadtzentrum trägt der demografischen Entwicklung funktionell kaum noch Rechnung. Oberspreewald-Lausitz und die Kreis-Hauptstadt Senftenberg haben nach dem Landkreis Prignitz (7,2 Prozent) den Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft zufolge bereits die meisten Hochaltrigen im Land (6,9 Prozent). Brandenburg hat in den vergangenen zehn Jahren den zweitgrößten Anstieg der Bürger zu verzeichnen gehabt, die das 80. Lebensjahr erreicht und überschritten haben. Um mehr als 53 000 auf etwa 144 000 Mitbürger ist die Zahl gestiegen (plus 58,3 Prozent). Das ist nach Mecklenburg-Vorpommern der größte prozentuale Sprung unter allen Bundesländern. Und darauf, so mahnt die Apothekerin an, muss auch in Senftenberg reagiert werden.

Das strenge Parkverbot schrecke die Betagten ab, die Dienstleistungen in der Innenstadt wahrzunehmen. "Gerade ältere Menschen benötigen immer öfter Inkontinenzware", erklärt Maike Gruno-Richter. Das seien schwere, große Gebinde. Und selbst behinderte Mitmenschen trauten sich nicht mehr, auf den Marktplatz zu fahren. Obwohl diesen das ausdrücklich erlaubt ist. Die Politessen greifen, so auch die klare Forderung der Ratsrunde, hart durch. Und das Halten für die kurze Erledigung bleibe ordnungsrechtlich nur folgenlos, wenn eine zweite Person im Auto warte oder die Fahrzeugtür offen stehe. An der Lebensrealität gehe das vorbei. Denn die Zahl der Alleinstehenden wachse, und offene Autotüren für die Gesetzeshüter leisteten auch Straftaten ungewollt Vorschub. "Wir sind eine Anlaufstelle für kranke Menschen", sagt die Apothekerin, deren Umsätze durch das strikte Parkverbot seit geraumer Zeit spürbar zurückgehen. Maike Gruno-Richter bittet daher erneut eindringlich darum, "wenigstens fünf Parkplätze auf dem Marktplatz für Behinderte, Senioren und Mütter mit Kind auszuweisen"; Kurzzeitparkplätze (30 Minuten) im Sinne der kranken und mobil eingeschränkten Bürger.

Bürgermeister Andreas Fred rich (SPD) hat der Apothekerin, die auch den Händlern und Gewerbetreibenden am Marktplatz aus der Seele spricht, keinerlei Hoffnung auf Änderung gemacht. Die Verkehrsführung sei wiederholt diskutiert und das Einrichten von Stellflächen auf dem Marktplatz abgelehnt worden. Die öffentlichen Verkehrsflächen entsprechen demnach dem 1995 beschlossenen Rahmenplan der Innenstadtsanierung und dem erstmalig 1998 verabschiedeten Konzept zum fließenden und ruhenden Verkehr. Dies gelte bis heute. Und er habe dies als Stadtoberhaupt durchzusetzen, unabhängig von seiner persönlich gegenteiligen Auffassung zum Parken im Zentrum. Die erneut vorgetragene Bitte um einen Kompromiss ist auch den Fraktionen der Ratsrunde übergeben worden. Maike Gruno-Richter gibt die Hoffnung nicht auf, dass auch die selbst noch top-fitten Abgeordneten verantwortungsbewusst auch für die weniger mobilen Bürger den Kurs ändern.