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Anzahl der Straftaten steigt weiter

An einem Morgen Anfang Oktober des Vorjahres sind Einbrecher in Peickwitz in ein Wohnhaus, das Sportlerheim (im Bild) und eine Gartenlaube mit roher Gewalt eingestiegen. Laut Polizei sind Tatverdächtige noch nicht ermittelt, die Spurenauswertung laufe jedoch.
An einem Morgen Anfang Oktober des Vorjahres sind Einbrecher in Peickwitz in ein Wohnhaus, das Sportlerheim (im Bild) und eine Gartenlaube mit roher Gewalt eingestiegen. Laut Polizei sind Tatverdächtige noch nicht ermittelt, die Spurenauswertung laufe jedoch. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Das dritte Jahr nacheinander ist 2014 die Kriminalität im Landkreis Oberspreewald-Lausitz deutlich angewachsen. Laut der am Dienstag für die OSL-Polizeiinspektion vorgestellten Statistik, sind 10 727 Straftaten erfasst worden - so viele wie mindestens seit zehn Jahren nicht mehr. Manfred Feller

Die Anzahl der von der Polizei in dem Gebiet zwischen Ragow und Ortrand regis-trierten Straftaten wächst seit 2012 in großen Schritten - von 8281 über 9180 auf mehr als 10 700. Und das bei anhaltend sinkender Einwohnerzahl. Obwohl die Aufklärungsquote nach Auskunft von Rüdiger Schiesko, Leiter der Polizeiinspektion Oberspreewald-Lausitz, von 51,1 auf 48,1 Prozent gesunken ist, konnten aufgrund der gewachsenen Anzahl der Straftaten absolut mehr Delikte Tatverdächtigen zugeordnet werden. In dem Jahr 2012 wurden 4230 kriminelle Taten aufgeklärt, 2014 waren es 5159.

Klar über dem Durchschnitt

Der Anstieg bei den Straftaten um etwa 17 Prozent liege deutlich über dem in der Polizeidirektion Süd (9,97 %) und erst recht über dem des Bundeslandes (0,6 %).

Hochgerechnet auf 100 000 Einwohner ist die Anzahl der Straftaten in der OSL-Polizeiinspektion auf 9423 geschnellt (2012 = 6900). Im Land sind es 8042 und im Bundesdurchschnitt 7404. Die Kreisstadt Senftenberg liegt mit rund 16 600 erschreckend deutlich darüber.

Diebstähle. Rasant auf 6266 gestiegen sind im Landkreis die registrierten Diebstähle. 2012 waren es noch 3788. Diese Deliktgruppe macht annähernd 60 Prozent aller angezeigten Straftaten aus. Allerdings wird nicht einmal jeder dritte Diebstahl aufgeklärt.

Drogenabhängige Diebe

"Das sind vor allem Straftaten, die kein ,Edeldieb' begeht. Es sind vielmehr arme Schlucker, Drogenabhängige", kreist Polizeichef Rüdiger Schiesko die Hauptverdächtigen ein. Das macht er daran fest, dass es noch vor Jahren Schwerpunkttage in der Woche gab. "Heute nicht mehr. Der Rauschgiftsüchtige klaut, wenn er es braucht", ergänzt er. Dabei würden diese Kriminellen immer rücksichtsloser vorgehen - auch gegen Beamte.

Zu den beliebtesten Einbruchszielen gehörten 2014 die Keller mit 1301 Fällen. Das entspricht einer Steigerung um fast 500. Zugelegt haben Diebstähle auch aus Bungalows, Gärten, Garagen und von Baustellen. 2013 war im Durchschnitt täglich in ein Büro oder eine Firma eingebrochen worden. Im Jahr darauf wurden 431 Fälle angezeigt.

Die Anzahl der Haus- und Wohnungseinbrüche ist um 59 auf 283 angewachsen. Dahinter stünden jedoch in nicht unbedeutender Größenordnung Einstiege in nicht bewohnte Gebäude, besonders in der Stadt Lauchhammer. Dort werde vor allem nach verkaufbarem Metall gesucht.

Es gibt mehr Straftaten und mehr aufgeklärte Fälle. Die Zahl der ermittelten Verdächtigen ist mit 2909 jedoch seit vier Jahren in etwa stabil. Neun von 100 Ermittelten sind Nichtdeutsche. Hier gibt es einen leichten Anstieg.

Drogen. Angesichts der wachsenden Rauschgiftkriminalität im Landkreis habe die Polizeiinspektion darauf ihr Augenmerk verstärkt gerichtet. Dies spiegele sich auch bei den erfassten 447 Fällen wieder (2013 = 334). Das ist der höchste Wert seit vielen Jahren. Die Aufklärungsquote liegt hier deshalb bei 98 Prozent, weil die Täter der Polizei oft selbst aufgefallen sind.

Zum Thema:
Den in Brandenburg erhobenen Vorwurf der Statistikfälschung weist Rüdiger Schiesko, Leiter der OSL-Polizeiinspektion, zurück: "Es gibt keine Anweisung zur Manipulierung." Vielmehr würden in jedem Bundesland nach eigenen Richtlinien Straftaten erfasst. Wenn ein Täter bei einem Einbruch in ein Mehrfamilienhaus in mehrere Keller verschiedener Mieter eindringt und stiehlt, könne dies als Tateinheit und damit als ein Fall oder jeweils als eine Straftat gezählt werden. Auch dahin gehend habe es in der Polizeidirektion Korrekturen gegeben, bei der sich die Anzahl der Taten erhöht hat. In der OSL-Polizeiinspektion führte dies 2014 zu einem Plus von 291 Straftaten.