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Ansturm zur Landpartie

Erik Espenhahn (11/v.) steuert, unterstützt von Besitzer Günter Illgner aus Biehlen, den Ford-Traktor.
Erik Espenhahn (11/v.) steuert, unterstützt von Besitzer Günter Illgner aus Biehlen, den Ford-Traktor. FOTO: Steffen Rasche
Peickwitz. Zur Brandenburger Landpartie setzt der Ansturm auf den Bauernhof Domin in Peickwitz ein. Die Landwirte und Helfer aus dem ganzen Dorf sind inzwischen darauf vorbereitet, dass viele Leute die Gelegenheit nutzen, ihr künftiges Schnitzel schon im Stall ganz genau in Augenschein zu nehmen. Kathleen Weser

Das bestätigen auch Ramona und Udo Meyer aus Dresden, die den Sommer auf dem beschaulichen Campingplatz am Waldrand in Schwarzbach verbringen und Stammkunden im Domin'schen Hofladen sind. Für die Großstädter sind Nahrungsmittel eine absolute Vertrauenssache. "Wir kaufen bewusst direkt beim Erzeuger ein und zahlen dafür auch gern etwas mehr", sagt Ramona Meyer. Fröhlich verabschiedet sie sich aus dem Stall von den Schweinen auf dem dicken Strohbett mit "Tschüss bis zum nächsten Jahr auf unserem Grill."

Unter der wärmenden Leuchte im Hühnerstall bestaunen indes vor allem Familien mit Kindern die süßen Küken. Noch wachsen und gedeihen die Tiere in der Kinderstube. Das Arbeitsleben werden sie im Agroforst verbringen. Denn der moderne bäuerliche Betrieb forscht mit in einem von Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt mit Hühnern, um Handarbeit auf Flächen mit nachwachsenden Rohstoffen einzusparen. Die Hennen kratzen und picken die Zwischenräume auf Baumplantagen vom Unkraut frei.

Auf der großen Wiese vor dem Bauernhof nimmt Erik Espenhahn (11) aus Hohenbocka indes Fahrt auf. Der Traktor von Günter Illgner aus Biehlen, ein Ford des Baujahres 1964, hat es dem Jungen angetan. Die alte Technik ist cool, aber deutlich schwerer zu steuern als der hochmoderne Claas-Schlepper mit allen technischen Raffinessen einschließlich der drehbaren Kabine. "Ich war auch im letzten Sommer schon hier", erzählt Erik, der daheim erfolgreich selbst Tauben züchtet. "Das ist alles sehr interessant", versichert der aufgeweckte Junge. Und Günter Illgner zeigt ihm gern das Gefährt, das dem Biehlener noch gute Dienste leistet. Die Wiese wird bewirtschaftet. Schafe und Kaninchen brauchen Heu, auch für den Winter.

Marcel Schellnock von den Peickwitzer Traktorfreunden steigt indes vom höchsten Bock des Tages. Der Claas Xerion, ein Schlepper für große landwirtschaftliche Flächen mit einer Arbeitsbreite von bis zu 20 Metern und Rädern bis zum Durchmesser von 2,16 Metern, lässt auch das Herz des Lkw-Schlossers höher schlagen. "In unserer Region ist die Maschine nicht im Einsatz", erklärt er. In Mecklenburg-Vorpommern werde sie eingesetzt. Gut eine Stunde lang hatte der Peickwitzer das gigantische Arbeitsgerät von Plessa zur Landpartie gefahren. "Wir haben Aufsehen erregt", bestätigt Marcel Schellnock. Das ist auch am ganzen Wochenende so.

Der Nachwuchs dreht auch auf dem Karussell der Marke Eigenbau von Friedemann Böhme aus Ponickau seine Runden. Mit sichtlicher Freude. Der Betreiber hat den Kräfte zehrenden Job an der Kurbel, den der Sachse gern ausübt. Das Karussell hatte der stolze Opa für den Enkel gebaut, als der mit anderthalb Jahren an Krebs leidende Junge aus dem Krankenhaus kam. Zu jedem Geburtstag, der Anfang Januar ist, geht das Fahrgeschäft nunmehr in Familie wieder in Betrieb - und zur Landpartie in Peickwitz.