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| 02:45 Uhr

Ansturm auf die Baustelle am Kuthteich

Paul Menzel (10) belädt, unterstützt von Polier Per Lichtenberger (49), den Dumper. Der Junge hat den Bagger im Griff.
Paul Menzel (10) belädt, unterstützt von Polier Per Lichtenberger (49), den Dumper. Der Junge hat den Bagger im Griff. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lauchhammer. Bergbausanierer informieren in Lauchhammer über die Arbeiten am Alttagebau-Gewässer. Kinder bedienen begeistert den Bagger. Mirko Sattler / sam1

Den großen Auslegern der beiden Seilbagger, die am Kuthteich im Lauchhammer in der bergbaulichen Gefahrenzone arbeiten, sind Neugierige am Sonnabend auf der geöffneten Baustelle ausnahmsweise ganz nah gekommen. Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) hat hier die Experten der heimischen Spezial- und Bergbau-Servicegesellschaft (SGL) Lauchhammer damit beauftragt, den Restsee mitten im Stadtgebiet zu sichern. Dafür sind die schwere Technik angerückt und die viel befahrene Verkehrsader ins Zentrum voll gesperrt worden.

Der Tagebau Kuth war in den Jahren 1918 bis 1922 ausgekohlt worden. Der Grundwasserwiederanstieg nach dem eingestellten großflächigen Kohleabbau im Lausitzer Revier hat Gefahren mitgebracht, die jetzt gebannt werden müssen.

Mit dem Verfahren der Rütteldruckverdichtung wird jetzt ein versteckter Damm mit einer Breite von bis zu 66 Metern errichtet, so dass die wichtigste Nord-Süd-Achse, die Ortrander Straße, wieder auf sicherem Grund befahren werden kann. Dafür Verständnis aufzubringen, fällt schwer. Denn über viele Jahrzehnte ist der Kuthteich schon als Gewässer bekannt, früher sogar schon für den Freizeitspaß genutzt worden. Bürgermeister Roland Pohlenz (parteilos) zeigt sich auch deshalb erfreut über das große Interesse an diesem Tag der offenen Baustelle. "Heute können die Neugier befriedigt und Wissenslücken geschlossen werden. Das Kuthteich-Areal ist im Stadtgebiet mit eines der kritischen Gebiete", sagt das Stadtoberhaupt. Er verweist auch auf Gespräche zur Neugestaltung mit der Bergbausaniererin und dem Land. An der Stelle der Baustelleneinrichtung soll eventuell einmal ein Gebäude errichtet werde, das für alle nutzbar sein werde.

"Um den Besuchern einmal die Rütteltechnik ganz nah zeigen zu können, wurde extra die Arbeitsschicht so eingerichtet. Normalerweise wird nur am Nachmittag gerüttelt. Vormittags werden die Baumstubben gerodet", erklärt Unternehmenssprecher Uwe Steinhuber. Auch die beiden Bagger werden gezeigt, die derzeit auf Höhe der einstigen Hundeplatzeinfahrt arbeiten. "Ich finde es in Ordnung, dass so etwas gemacht wird. Hier haben die Bürger die Möglichkeit, sich einmal vor Ort selbst zu informieren und die Erkenntnisse auch weiterzugeben", sagt Siegfried Bloch. Jeden Tag steht Helmut Böhnisch am Bauzaun. "Ich wohne quasi gleich neben der Baustelle und finde gut, was gemacht wird. Hier ist zu erfahren, was wirklich passiert", stellt der 65-Jährige fest. Die Rütteldruckverdichtung ist Dieter Reinhold bekannt. "Ich komme aus dem Bergbau", erklärt er. "Jeden Tag sehe ich von meinem Balkon die Spitzen der beiden Ausleger. Den Tag der offenen Baustelle finde ich richtig und eine gute Sache", so der heute 79-Jährige, der als Mechaniker in den Tagebauen Klettwitz und Kleinleipisch für Tagebaugroßgeräte zuständig war. Mit Blick auf die Geräte am Kuthteich sagt er, die sind dagegen "nur Spielzeuge". Während sich die Erwachsenen die Technik der beiden Seilbagger in geführten Besichtigungen näher erläutern lassen, versuchen sich die Kinder als Baugeräteführer. Unter fachlicher Aufsicht von Polier Per Lichtenberger wird der Sandkasten bedeutend größer. Begeistert verladen die Kleinen die Erde auf den großen Dumper. Das sorgt für Warteschlangen. "Es geht Schlag auf Schlag und ohne Pause", lobt der Polier die Arbeitsbrigade. Als eines der ersten Kinder erobert Simon die Baggerkabine. "Es ist schön und macht sehr viel Spaß. Der Onkel hat mir etwas mit geholfen", erzählt der 3-Jährige aus Plessa. Bei Paul Menzel sieht das Baggern schon recht flüssig aus. "Mich interessiert, wie das funktioniert und wofür die Hebel sind. Es reizt mich schon lange. Und heute habe ich die Chance", sagt der 10-Jährige aus Lauchhammer. Er will Ingenieur werden.