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Lausitzer Seenland
Ansturm auf Bootsliegeplätze ungebremst

Proppenvoll mit Booten ist der Stadthafen Senftenberg jeden Sommer. Alle Dauerliegeplätze sind besetzt. Kaum Chancen für Neueinsteiger.
Proppenvoll mit Booten ist der Stadthafen Senftenberg jeden Sommer. Alle Dauerliegeplätze sind besetzt. Kaum Chancen für Neueinsteiger. FOTO: Steffen Rasche
Lauta/Senftenberg. Bootsliegeplätze sind im Lausitzer Seenland nach wie vor Mangelware: Die Nachfrage ist groß, die Anzahl jedoch begrenzt. Für Wassersport-Neueinsteiger muss die Suche dennoch nicht aussichtslos bleiben. Von Catrin Würz

Peter Sommer aus Lauta wäre gern ein Freizeitkapitän. „Mit dem eigenen Boot über die neuen Seen schippern. Das wär’s doch“, dachte sich der 49-Jährige, der mit dem Gedanken spielte, sich ein eigenes Boot zu kaufen. Doch vorher ging der Lautaer freilich auf die Suche nach einem passenden Bootsliegeplatz an den Seen in seiner Nachbarschaft — und die Ernüchterung folgte sofort: Der Traum vom neuen Wassersport-Hobby zerplatzte wie eine Seifenblase: Denn einen Dauerliegeplatz für ein Boot neu zu bekommen, stellte sich zumindest für den Senftenberger und den Geierswalder See als ein Ding der Unmöglichkeit heraus. „Mir wurde schnell klar gemacht, dass dies ein aussichtsloses Unterfangen ist“, ärgert sich Peter Sommer. Seinen Bootskauf verschob der Lausitzer vorerst, doch die Enttäuschung blieb.

Dass die enorme Nachfrage nach Bootsliegeplätzen das Angebot bei Weitem übersteigt, bestätigt Dana Hüttner vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg. Der Verband bewirtschaftet die Wasserliegeplätze am Senftenberger See - und zwar sowohl jene 144 Plätze im Stadthafen Senftenberg als auch die 120 Landliegeplätze im Segelhafen Niemtsch. „Die Dauerliegeplätze am Stadthafen sind auf längere Sicht ausgebucht. Es gibt jedoch eine Warteliste, auf der man sich gern eintragen kann“, erklärt die Marketing-Mitarbeiterin. Die Fluktuation ist allerdings denkbar klein: Lediglich ein bis zwei Kündigungen pro Jahr gebe es bei den Dauerliegeplätzen, die sofort aus einem Riesenpool von Interessenten nachbesetzt werden. Ein wenig besser stellt sich die Situation am Segelhafen Niemtsch dar: Hier können in jeder Saison immerhin acht bis zehn Dauerliegeplätze neu nachbesetzt werden. Liegeplätze an Land sind auch noch im Hafencamp am Südufer des Sees für Segel- und für Motorboote zu haben, bestätigt Dana Hüttner. „Und alternativ sind von April bis Oktober Gastliegeplätze sowohl am Stadthafen als auch im Hafencamp buchbar.“ Das ist über die Internetseite des Senftenberger Sees oder ab Saisonstart bei der Hafenmeisterei möglich.

Dass jeder Hafen einen gewissen Teil seiner Liegeflächen für die rein touristische Nutzung durch Tagesgäste oder Urlauber vorhalten muss, bestätigt auch Daniel Just, Geschäftsführer des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Sachsen. Der sächsische Zweckverband hatte vor etwa zehn Jahren die Steganlagen am Geierswalder See gebaut. „Das war damals ein wichtiges Initial für den See und seine Entwicklung“, erinnert sich Just. Inzwischen bewirtschaftet der 1. Wassersportverein Lausitzer Seenland die Marina in Geierswalde und hält dort rund 100 Liegeplätze vorwiegend für Vereinsmitglieder und Segelsportler sowie einen Wasserwanderrastplatz mit 20 Liegeplätzen für Touristen und Kurzzeit-Gäste vor. Vereinsvorsitzender Klaus Wiegmann bestätigt zwar, dass die Plätze schon seit Jahren immer knapp sind. „Aber aussichtslos ist es nicht“, sagt er. Gerade jetzt zu Anfang des Jahres ist viel in Bewegung: „Bis März müssen sich unsere Vereinsmitglieder für die neue Saison festlegen. Dabei wird immer mal was frei“, so Wiegmann. Wer Interesse hat, sollte dies also genau jetzt schriftlich an den Verein (info@wsvls.de) mitteilen. „Eine Anfrage lohnt sich immer“, so Wiegmann. Der Verein gibt gemäß seiner Satzung freilich Segelbooten den Vorrang.

Am Bärwalder See ist die Lage dagegen längst nicht so angespannt wie in Senftenberg und Geierswalde. Seitdem im August 2017 die Schwimmsteganlage um zwei neue Seitenstege erweitert wurde, stehen am größten Binnensee des Freistaates Sachsen nun fast 180 Bootsliegeplätze zur Verfügung - 137 davon sind Dauerliegeplätze. Amtsleiter Roman Krautz, bei der Gemeinde Boxberg für den Bärwalder See verantwortlich, hat die Auslastung errechnet. „Aktuell sind etwa 80 Prozent unserer Dauerliegeplätze besetzt“, informiert er. Interessenten für einen Bootsliegeplatz haben also gute Karten und können sich recht einfach auf der Internetseite des Sees bewerben. An eine Vereinsmitgliedschaft ist der Wasserplatz nicht gebunden, seit die Gemeinde Boxberg die Steganlage bewirtschaftet. Zurzeit entsteht am Hafen auch noch ein Funktionsgebäude mit sanitären Anlagen.

Für die Stadt Großräschen mit ihrem in Flutung befindlichen Stadthafen ist das Thema Bootsliegeplatz zwar noch ein wenig Zukunftsmusik - trotzdem schon ziemlich nahe. Wenn voraussichtlich 2019 der Großräschener See schiffbar wird, sollen zirka 100 bis 130 Wasserliegeplätze im Hafen vorhanden sein. Schon seit über zwei Jahren führt die Stadt für diese Liegeplätze eine Warteliste, auf der sich künftige Bootseigner über ein Formular auf der städtischen Internetseite einfach registrieren lassen können. Verrückt ist: Schon jetzt stehen doppelt so viele Anwärter auf der Liste wie es Liegeplätze geben wird. „Wir werden dann ein geeignetes Verfahren finden müssen, um die Liegeplätze verteilen zu können“, sagt Stadtsprecherin Kati Kiesel. Das wird eine denkbar schwierige Aufgabe sein - darüber sind sich die Großräschener im Klaren. Der Run auf Wasserliegeplätze im Lausitzer Seenland hält unvermindert an.