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Besondere Misswahl
„Miss Auslandsdeutsche“ aus der Lausitz?

Ihr sympathisches Lachen und ihr Engagement für die deutsche Gemeinschaft im Barossa-Tal in Südaustralien könnten Anne Mckenzie vielleicht bald als erster Frau den Titel „Auslandsdeutsche des Jahres“ einbringen.
Ihr sympathisches Lachen und ihr Engagement für die deutsche Gemeinschaft im Barossa-Tal in Südaustralien könnten Anne Mckenzie vielleicht bald als erster Frau den Titel „Auslandsdeutsche des Jahres“ einbringen. FOTO: Christian Lidzba
Senftenberg/Nuriootpa. Anne Mckenzie ist in Lauchhammer aufgewachsen und vor sechs Jahren nach Australien ausgewandert. Der Liebe wegen. In der Ferne engagiert sie sich für die deutsche Kultur und könnte deshalb bald einen besonderen Titel tragen.

Wenn Anne Mckenzie abends mit ihren Eltern in Lauchhammer telefoniert, sind die oft noch gar nicht lange aufgestanden. Und wenn bei Petra und Christian Lidzba in Lauchhammer dann der Tag seinen Lauf nimmt, schläft ihre Tochter im südaustralischen Nuriootpa längst tief und fest. Denn zwischen der alten und der neuen Heimat von Anne Mckenzie - also der Lausitz und dem Barossa-Tal bei Adelaide in Südaustralien am anderen Ende der Welt - liegen 15 300 Kilometer Entfernung Luftlinie und schlappe neuneinhalb Stunden Zeitverschiebung. „Da muss die Kontaktaufnahme gut durchgeplant sein“, sagt Mutter Petra Lidzba ­lachend.

In den vergangenen Tagen hat die Familie etwas häufiger als sonst kommuniziert. Denn es gab viel zu besprechen. Die 34-jährige Anne, die 2011 mit ihrem Mann Mitch in dessen Heimat Australien zog, nimmt an einem besonderen weltweiten Wettbewerb teil. Zum ersten Mal wird in diesem Jahr die „Auslandsdeutsche des Jahres“ gekürt - und Anne ist eine von vier Kandidatinnen, die es rund um den Globus in die letzte Runde dieses Ausscheids geschafft haben.

Veranstalter dieser etwas anderen „Misswahl“ sind die in einem Netzwerk organisierten deutschsprachigen Medien im Ausland. Dem Verband Internationale Medienhilfe (IMH) gehören mehr als 2000 deutschsprachige Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehprogramme an, die weltweit im Ausland für dort lebende deutschstämmige und deutschsprachige Menschen berichten. „Was viele in Deutschland gar nicht wissen: Neben den 80 Millionen Menschen, die hier leben, gibt es weltweit etwa noch einmal so viele Menschen, die als deutschstämmige Minderheiten gelten, deutsche Vorfahren haben oder deutschsprachig sind“, erklärt Wettbewerbsleiter Björn Akstinat. Schon seit vielen Jahren gebe es zum Beispiel in Amerika und Brasilien eigene Misswahlen, bei denen deutschstämmige Frauen zur Schönsten und Sympathischsten auf dem Kontinent gekürt werden. „Aber bei unserem Wettbewerb soll es ja um viel mehr gehen: nämlich um das Engagement der Teilnehmerinnen für die eigene Kultur“, so Björn Akstinat. Weltweit möchte der Medienverband mit dem Wettbewerb den Zusammenhalt der deutschsprachigen Gemeinde im Ausland fördern und vor allem junge Menschen dafür motivieren.

Anne aus Lauchhammer gefällt diese Idee. Und ein bisschen ist die junge Frau, die gerade vor einem Jahr zum zweiten Mal Mama geworden ist, ja auch vom Me­dien-Fach. Nach ihrem Abitur hat sie in Berlin ein Studium der Fächer „Deutsch als Fremdsprache“, Literaturwissenschaft und Publizistik absolviert. In Berlin lernte die hübsche Lausitzerin damals auch „ihren“ Australier Mitch kennen, mit dem sie ab 2006 zunächst für fünf Jahre in Berlin zusammenlebte. 2011 übersiedelten die beiden in Mitch’s Heimat Australien, sind nun als kleine Familie mit den Söhnen Oskar (3) und Jakob (1) auf der Südhalbkugel der Erde zu Hause.

Und wie es das Schicksal wollte: Die neue Heimat von Anne und Mitch im Barossa-Tal bei Adelaide hat zudem eine besondere Geschichte. Diese Region ist seit dem 19. Jahrhundert ein traditionelles Siedlungsgebiet deutscher Einwanderer. Die deutsche Sprache und deutsche Traditionen spielen hier eine große Rolle. Ein breites Feld auch für die Lausitzerin Anne. Die heute 34-Jährige ist im örtlichen Sprachverein aktiv, bringt Kindern spielerisch die deutsche Sprache näher, ist Herausgeberin der zweisprachigen Vereinszeitschrift „Das Blatt“ geworden und unterrichtet auch Erwachsene. Gute Voraussetzungen also, um bei der Wahl zur ersten „Miss Auslandsdeutsche“ die Nase ganz weit vorn zu haben. Auf die Frage, warum sie an dem Wettbewerb teilnimmt, antwortet die sympathische junge Frau ohne Scheu: „Warum denn nicht? Vielleicht bekommen wir für unseren Verein etwas Aufmerksamkeit, die uns nützlich ist.“

Ihre beiden Kinder wollen Anne und Mitch zweisprachig und mit den besten Traditionen aus beiden Kulturen erziehen. Über Adventskalender und Nikolausüberraschung „typisch deutsch“ werden sich die Söhne schon bald freuen können, obwohl das in Australien kaum bekannt ist. Was Anne an ihrer neuen Heimat besonders schätzt, ist die Mentalität der Menschen. „Alle gehen auf eine freundliche, humorvolle Art miteinander um. Auch Fremden gegenüber sind sie sehr aufgeschlossen. Es gibt kaum Gemecker und Gemotze“, erzählt die Auswanderin, die trotzdem sehr an ihrer Lausitzer Heimat, an Familie und Freunden in Deutschland hängt. Doch dank Skype und Whatsapp ist es heute ja einfacher, die Sehnsucht nach den Lieben in der alten Heimat zu stillen.

Von hier aus kann übrigens jeder für Anne Mckenzie und den weltweiten Wettbewerb voten. „Ich würde mich sehr über die Unterstützung aus der Heimat freuen“, sagt sie.

Vier Kandidatinnen sind für die weltweit erste Wahl zur „Auslandsdeutschen 2017“ nominiert: die Ungarndeutsche Viktória, die Deutschbrasilianerin Isabel, Anne als Deutschaustralierin aus dem Barossa-Tal mit Wurzeln in der Lausitz und die deutschstämmige Mennonitin Michaela aus Paraguay (v.l.n.r.)
Vier Kandidatinnen sind für die weltweit erste Wahl zur „Auslandsdeutschen 2017“ nominiert: die Ungarndeutsche Viktória, die Deutschbrasilianerin Isabel, Anne als Deutschaustralierin aus dem Barossa-Tal mit Wurzeln in der Lausitz und die deutschstämmige Mennonitin Michaela aus Paraguay (v.l.n.r.) FOTO: Internationale Medienhilfe (IMH)