ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:04 Uhr

LR vor Ort
Annahütter lassen ihren See im Dorf

So hoch hinaus ging es bei LR vor Ort wohl noch nie. Von der zweiten Etage des Aussichtspunktes „Roter Strumpf“ haben Besucher eine Fernsicht bis zum Oberlausitzer Bergland. Den Traumblick auf die reizvolle Natur des Annahütter Silbersees wollten sich die RUNDSCHAU-Leser nicht entgehen lassen.
So hoch hinaus ging es bei LR vor Ort wohl noch nie. Von der zweiten Etage des Aussichtspunktes „Roter Strumpf“ haben Besucher eine Fernsicht bis zum Oberlausitzer Bergland. Den Traumblick auf die reizvolle Natur des Annahütter Silbersees wollten sich die RUNDSCHAU-Leser nicht entgehen lassen. FOTO: Steffen Rasche
Annahütte. Eine Aussicht mit Traumblick haben die 30 Teilnehmer der LR-vor Ort-Runde in Annahütte genossen. Am „Roten Strumpf“ ist über den zu Füßen liegenden Silbersee diskutiert worden. Von Torsten Richter-Zippack

Wie heißt das Gewässer nördlich von Annahütte nun eigentlich? Annahütter See? Oder Silbersee? Oder Heyesee? So richtig einig sind sich die Einheimischen darüber bislang nicht. Doch eines wissen sie genau. Das wassergefüllte Restloch des Tagebaus Heye, in dem von 1880 bis 1944 Braunkohle gewonnen wurde, soll ein Kleinod der Naherholung werden. Genau genommen ist es das bereits. Denn am Südostufer, nahe der Straße nach Saalhausen, wird bereits gebadet, wenn auch nicht offiziell. „Zumindest ist das Baden dort nicht verboten“, erklärt der Schipkauer Bürgermeister Klaus Prietzel die aktuelle Rechtslage.

Tamanna Heyken ist wegen des Silbersees aus Hamburg extra nach Annahütte gezogen. Seit drei Jahren lebt die Norddeutsche ständig im Seeort. „Auch aufgrund der landschaftlichen Schönheit, habe ich die Entscheidung nie bereut, hier meinen Lebensabend zu verbringen.“

Darüber hinaus haben die Angler das Gewässer längst für sich entdeckt, ebenso Spaziergänger und Naturfreunde. Selbst Kraniche sollen dort brüten, sagen manche Annahütter. Und seit 13. Mai gibt es eine neue Attraktion. Und zwar den Aussichtspunkt Roter Strumpf oberhalb des Westufers. Von dort reicht der Blick über den See mit seiner markanten Halbinsel über den Turm der Henriettenkirche hinüber zur Lausitzring-Tribüne bis zu den blauen Bergen der Oberlausitz. „Der Rote Strumpf war einst eine Wohnsiedlung ganz in der Nähe“, berichtet Petra Quittel, stellvertretende Ortsvorsteherin und Mitglied des Dorfklubs. „Dort lebten ab dem Jahr 1865 böhmische Glasarbeiter, die rote Strümpfe trugen. Daher rührt die originelle Bezeichnung“, erklärt die Fachfrau. Im Zuge der 600-Jahr-Feier der Annahütter Mitte Mai wurde der neue Aussichtspunkt mittels Infotafel eingeweiht. Die dazugehörige Sitzgruppe, so sagt Petra Quittel, sei bereits geordert und werde demnächst aufgestellt.

Keineswegs aber soll der Annahütter Silbersee einer breiten touristischen Nutzung zugänglich gemacht werden. „Wir lassen unseren See im Dorf“, stellt Bürgermeister Klaus Priet­zel klar. Vielmehr soll das Gewässer der Naherholung dienen. Mittelfristig könnte ein Rundwanderweg entstehen. Und die oberste Etage des Roten Strumpfes wolle die Dorfgemeinschaft, so kündigt Petra Quittel an, in Eigenregie mithilfe des Bauhofes freischneiden. Manchmal, so berichtet die taffe Frau, die im Klinikum Niederlausitz tätig ist, gebe es am Roten Strumpf durchaus kuriose Dinge. Beispielsweise die Sache mit den Bienen. „Als im Mai die Robinien an den Hängen stark blühten, kamen bayerische Imker vorbei und ließen ihre Insekten den Nektar einsammeln. Sie zahlten sogar Bienenpacht“, erinnert sich Quittel. Auch die Annahütter Silbersee-Angler haben mit dem Gewässer, das der Landesanglerverband von der Gemeinde Schipkau gepachtet hat, noch viel vor. Im vorigen Jahr wurde die Qualität des Seewassers mit 20 Tonnen Kalk verbessert, berichtet Kreisgewässerwart Ralf Stephan. Jetzt betrage der pH-Wert 6,5. „Also alles im grünen Bereich“, kommentiert Stephan. Eine Bekalkung für fischereiwirtschaftliche Zwecke sei vom Gesetzgeber zugelassen, auch wenn es andere Meinungen gibt. Im Frühjahr wurden zwischen 300 und 350 Karpfen eingesetzt, im Herbst sollen diverse Buntfische wie Rotfedern, Plötzen und Barsche folgen, außerdem Hechte und Schleie als Edelfische.  Mehr noch: Im kommenden Jahr, so verspricht der Bürgermeiste, finde erstmals das traditionelle Bürgermeisterangeln in Annahütte statt. Allerdings gibt es auch am Silbersee manchen Wermutstropfen. Beispielsweise den Unrat. „Ich habe mir an weggeworfenen Scherben schon das Bein aufgeschnitten“, sagt Angelika Kossack, die unweit des Ufers wohnt. Der Bauhof wolle einen Müllbehälter aufstellen. „Aber noch besser wäre es, wenn die Leute ihre Abfälle wieder mit nach Hause nehmen“, wünscht sich Kossack. „Davon würden wir alle profitieren.“

Der Regen störte die Annahütter Naturliebhaber überhaupt nicht. Sie diskutierten eifrig mit RUNDSCHAU-Reporterin Andrea Budich.
Der Regen störte die Annahütter Naturliebhaber überhaupt nicht. Sie diskutierten eifrig mit RUNDSCHAU-Reporterin Andrea Budich. FOTO: Steffen Rasche
LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR