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Annahütter fahren mit dem Jubiläum auf Särchen ab

Die Annahütter haben die Dorfplatz-Haltestelle umbenannt.
Die Annahütter haben die Dorfplatz-Haltestelle umbenannt. FOTO: Martin Konzag
Annahütte. Pünktlich zum Fahrplanwechsel haben die Annahütter der Bushaltestelle am Dorfplatz den neuen alten Namen Särchen gegeben. "Diese Umbenennung der Haltestelle ist symbolischer Auftakt für das 600. Kathleen Weser

Jubiläum der Ersterwähnung des Dorfes, das im nächsten Jahr gefeiert werden soll", erklärt Martin Konzag, der Sprecher der Gemeinde Schipkau. Der ursprüngliche Ortsname Särchen war 1938 vom längst dominierenden Nachbarort Annahütte abgelöst worden.

Wenn das Festkomitee "600 Jahre Särchen-Annahütte" ruft, dann sind die die Einwohner zur Stelle. Etwa hundert Gäste sind am Sonntag zum Enthüllen der neuen Haltestellenschilder gekommen. Nur wenige Schritte hat dabei Annemarie Schirmer zu gehen, die einen Stapel alter Postkarten vom Dorfplatz mitbringt. Ein kleiner Chor der örtlichen Kindertagesstätte und der Karnevalsverein überbringen musikalische Grüße. Bürgermeister, Ortsvorsteher und das "grauen Männlein aus den Freibergen bei Barzig" verkünden die neue Bezeichnung "Annahütte - Dorfplatz Särchen". Währenddessen wird Disco-Nebel erzeugt, der an den Ursprung des Ortsnamens erinnern soll. "Särchen ist ein wendischer Ortsname und bezeichnet einen Ort, der durch Brandrodung entstand", erläutert der langjährige Heimatvereinschef Friedhelm Noack schmunzelnd. "Und scheinbar raucht es hier immer noch", stellt er fest

Särchen war 1418 erstmals urkundlich erwähnt worden. Nach Jahrhunderten ländlich-bäuerlichen Daseins setzte ab 1856 mit dem Bau einer kleinen Glashütte außerhalb des Dorfes eine katapultartige Entwicklung ein, die den Ort binnen weniger Jahrzehnte zu einer Industriegemeinde mit mehreren tausend Einwohnern formte. 1938 folgte dann die amtliche Umbenennung in den damals schon weitüberwiegend gebräuchlicheren Ortsnamen Annahütte, wobei die Nationalsozialisten auch allgemein die wendischen Wurzeln zurückdrängten.

Ein kürzlicher Antrag des Rates der Sorben und Wenden im Land Brandenburg auf Einbeziehung von Annahütte in den angestammten Siedlungsraum der Volksgruppe fand in der Gemeindevertretung keine Zustimmung und scheiterte letztlich im Landtag, erklärt Martin Konzag weiter. "Trotzdem wollen wir hier nun wieder an den früheren Ortsnamen erinnern", sagt Ortsvorsteher Horst Pawlik.