Und die Lausitzer Rundschau hatte ihren Kommentaren und Artikeln die Titel „Prominente gaben Antwort“ und „Eingaben“ gegeben.
Die BNN stellten ihrem umfangreichen Bericht voran, dass Annahütte mit dem in vielen Ländern bekannten Glaswerk und den 3000 Einwohnern dem Braunkohletagebau Klettwitz weichen soll, 1969 die stählernen Baggerschaufeln die Gemeindegrenzen anknabbern und schon fünf Jahre später die Ortschaft ganz schlucken werden.
Der sich damals für das Gemeinwohl der Bürger und für das gesellschaftliche Leben in seinem Geburts- und Wohnort engagierende Joachim Zimpel hatte sich mit einer Eingabe an den Vorsitzenden des Staatsrates der DDR gewandt und eine Klärung offener Fragen gefordert.
Es war im Januar 1965. Der Saal im Klubhaus der Glasmacher war brechend voll, als schon kurze Zeit nach Zimpels Brief Prominente aus Politik und Wirtschaft der Einwohnerschaft Rede und Antwort standen. Es sollte die größte Ortsverlegung in der Lausitz werden, hieß es.
In der Aussprache verwiesen die Vertreter des Bergbaus - der Direktor des BKK Lauchhammer, die Fachdirektoren der in Senftenberg ansässigen VVB Braunkohle sowie vom PKB Kohle Berlin darauf, dass unter Annahütte rund zehn Millionen Tonnen Rohkohle lagern. Auf diese könnte zur Not verzichtet werden. Allerdings bliebe dann dem mit modernsten Geräten ausgestatteten Tagebau Klettwitz der Zugang zu weiteren 50 Millionen Tonnen versperrt.
Hinsichtlich des Glaswerkes war vom Ökonomischen Direktor der VVB Glas zu hören, dass ab 1969 schrittweise die Verlegung der vier Annahütter Glasproduktionsbereiche der veralteten Fabrik in andere Glaswerke beabsichtigt sei. Wesentlich modernere Glaswerke, wie die in Döbern, Bernsdorf sowie Schwepnitz und Ottendorf, sollten dann die neuen Einsatzbetriebe der anerkannten Glasspezialisten aus Annahütte werden.
Die Vertreter der Kreisverwaltung betonten beim Einwohnerforum, dass keinem der neue Wohnort vorgeschrieben werde, jeder eine Neubauwohnung in Arbeitsplatznähe erhalten würde und es auch hinsichtlich des Wohnungstausches und der Erstattung anfallender Kosten klare Regelungen geben werde.
Das alles geschah vor nunmehr vier Jahrzehnten. Doch aus der Abbaggerung wurde dann doch nichts - welche Gründe es auch immer dafür gegeben hat. Wie auch andere Orte des damaligen Kreises Senftenberg hat der nun zur Gemeinde Schipkau gehörige Ortsteil sein Gesicht verändert. In der Zeit von 1953 bis 1992, als Annahütte Bergbauschutzgebiet war, hatte der Zahn der Zeit vor allem an den Gebäuden genagt Es wurde kaum investiert, weil ja der Abriss drohte.
Nach der Kohlezeit sind rund 20 neue Eigenheime gebaut und viele Wohnhäuser saniert und modernisiert worden. Das erfolgte auch in der bekannten Glaswerksiedlung. Um die Kindertagesstätte „Glassternchen“ wurde das Umfeld neu gestaltet. Auch etliche Straßen und Wege sind in Ordnung gebracht.
Das 1993 errichtete Feuerwehrgebäude gehört heute zu den modernsten in der Großgemeinde. Der Karnevalsclub Annahütte macht als ältester seiner Art in Brandenburg weiter von sich reden. Der alljährliche Weihnachtsmarkt rund um die Henriettenkirche ist inzwischen weithin bekannt. Dennoch bleibt noch viel zu tun, weiß nicht nur Ortsbürgermeister Horst Pawlik.
In nicht guter Erinnerung ist das Glaswerk. Es überstand die DDR-Zeit und die Kohle. Doch ein Hoffnungsträger auf dem angespannten Arbeitsmarkt wurde es nicht.