| 02:32 Uhr

Angeklagter verstrickt sich in Widersprüche

Der Angeklagte soll 15 Mal mit Crystal Meth gehandelt haben.
Der Angeklagte soll 15 Mal mit Crystal Meth gehandelt haben. FOTO: dpa
Cottbus/Senftenberg. Schon wieder Drogen, schon wieder Crystal Meth: Das Landgericht Cottbus hat gestern die Verhandlung gegen einen 34-jährigen Senftenberger eröffnet. Der Angeklagte gibt zu, mit Drogen gehandelt zu haben und selbst abhängig zu sein. Bei seinen Aussagen verstrickt er sich in Widersprüche. Jan Augustin

Mit einer Information von zwei Polizisten endet gestern der erste Verhandlungstag - allerdings anders als geplant. Die Kriminalbeamten aus dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis sollen am Landgericht als Zeugen aussagen. Sie werden aber in einen Verkehrsunfall verwickelt - und das kurz vor dem Ziel, am Spreeufer in Sandow. Die Beamten müssen medizinisch versorgt werden, beiden geht es jedoch gut, bestätigt Polizeisprecher Ralph Meier auf Nachfrage. Ihre Aussage wird nun am zweiten Verhandlungstag am 2. November erwartet.

Trotz der fehlenden Einschätzung der Polizisten ist am Donnerstag klar: Der Angeklagte, ein 34-jähriger Senftenberger, hat vor seiner Festnahme Ende April mit Drogen gehandelt und selbst reichlich konsumiert. Das gibt er vor Gericht zu. In welchem Umfang und seit wann er das gemacht hat, darüber besteht noch große Uneinigkeit.

Der Cottbuser Staatsanwalt Olaf Jurtz geht in seiner Anklage von 15 Straftaten aus, die der Senftenberger von Januar 2015 bis April dieses Jahres begangen haben soll. In 14 Fällen soll er mit jeweils bis zu etwa 50 Gramm des Methamphetamins Crystal Meth sowie mit jeweils bis zu etwa 60 Gramm Marihuana gehandelt haben. Beim letzten Mal soll es sogar um 100 Gramm Crystal gegangen sein.

Außerdem wirft ihm der Staatsanwalt den Handel mit Waffen vor, was die Schwere der Tat kennzeichne, so Jurtz. In der Wohnung des Angeklagten sind bei seiner Festnahme im April neben Drogen auch ein Baseballschläger, zwei Äxte und ein Teleskopschlagstock gefunden worden. Als der Vorsitzende Richter Frank Schollbach den seitdem in Untersuchungshaft sitzenden Angeklagten fragt, warum er diese Dinge bei sich aufbewahre, bekommt er diese Antwort: "Sie standen so in der Wohnung herum. Als Ziergegenstände, als Schmuck, wenn Sie so wollen."

Nicht nur bei dieser Aussage verstrickt sich der Angeklagte, der wegen ähnlicher Anklagepunkte bereits vor einem Jahr vom Amtsgericht Senftenberg zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt wurde, in Widersprüche. Auch bei den Angaben, seit wann er mit Drogen dealt und wie viel er selbst konsumiert, stehen Richter Schollbach und Staatsanwalt Jurtz sprichwörtlich die Fragezeichen auf der Stirn. Auch der hinzugezogene psychiatrische Sachverständige, Dr. Jürgen Rimpel, bekommt - und das erst nach mehrfachen Frageversuchen zur Menge des Konsums - unstimmige Antworten. Ohnehin wirkt der Angeklagte mit zunehmender Dauer immer unausgeglichener, genervt von den vielen ins kleinste Detail bohrenden Fragen. "Keine Ahnung, weiß ich nicht", hört Richter Schollbach dann oft. Aber auch, wie tief der Beschuldigte im Drogensumpf steckt. Neben Crystal, gibt er zu, hat er auch Heroin, Kokain und Marihuana konsumiert. Außerdem nimmt er das Beruhigungsmittel Tavol. Weil die ihm verschriebene Menge bald nicht mehr ausreicht, besorgt er sie sich "auf der Straße", wo er für 50 Stück zehn Euro bezahlt habe. Fünf Tabletten habe er zuletzt pro Tag gebraucht - bei einem Gramm pro Pille.

Dass der Angeklagte den Drogenhandel nur in diesem Jahr begangen haben soll, will Staatsanwalt Olaf Jurtz nicht glauben. Ein von Rechtsanwalt Christian Nordhausen gemachter Verständigungsvorschlag vor Prozessbeginn scheitert deshalb.