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Grippewelle
Finale Grippewelle ebbt  nun ab

Senftenberg. Die Region Oberspreewald-Lausitz hat den Zenit der Erkrankungen überschritten.

Die gute Nachricht vorweg: Dr. Klaus Bethge, Amtsarzt in Oberspreewald-Lausitz, rechnet mit dem baldigen Abebben der Grippewelle. „Ich denke, dass sollte in rund zwei Wochen passiert sein“, prognostiziert der Mediziner. „Wir haben den Gipfel bereits überschritten.“ Wie viele Grippefälle es im Landkreis derzeit gibt, kann Bethge nicht sagen. „Nicht jeder Fall wird gemeldet, da die Virusdiagnostik teuer ist“,  erklärt er.

Tatsächlich gibt es fast grippefreie Orte in der Region. Beispielsweise das Friedrich-Engels-Gymnasium in Senftenberg: „Die Grippewelle ist an uns einfach vorbeigegangen“, resümiert Schuldirektor Eckhard Bethge. „Vorige Woche war lediglich eine Lehrerin für wenige Tage erkrankt, fast alle Schüler sind an Bord. Wegen Krankheit musste bei uns kein Unterricht ausfallen.“ Warum die Viren um das Gymnasium  mit mehr als 700 Schülern und fast 60 Lehrern einen Bogen machen, kann sich Eckhard Bethge nicht erklären. Allerdings würden Hände öfter gewaschen als sonst. Dafür stünden Desinfektionsmittel bereit.

Im Klinikum Niederlausitz sind seit  Januar etwa 80 Fälle mit echter Grippe gezählt. „Durch die hohe Ansteckung der Influenza ist die Behandlung dieser Patienten sehr betreuungsintensiv und führt zu einer enormen Belastung“, sagt Sprecherin Daniela Graß. Durch diese Fälle sind viele Kapazitäten gebunden, Betten stehen nicht ausreichend zur Verfügung. Wegen erkrankter Mitarbeiter mussten auch Operationen verschoben werden.

In der Hausarztpraxis von Dr. Steffi Kunze in Senftenberg wollen allein an einem Vormittag mehr als  60 Patienten behandelt werden. „Fast die Hälfte klagt über grippale Infekte“, sagt die Allgemeinmedizinerin. Daher verberge sich keinesfalls immer die echte Influenza. Doch allein am Montag hatten sich 17 akut erkrankte Patienten mit grippalem Effekt vorgestellt. Hinzu gesellten sich zehn Menschen, die schon länger unter den Symptomen leiden.

In diesem Jahr seien die Menschen länger krank als normal. Eine Woche, so erklärt Kunze, reiche nicht zum Auskurieren, sondern eher 14 Tage. „Viele Leute sind aber ungeduldig. Dadurch kann die Krankheit verschleppt werden.“ Allerdings, so sagt die Ärztin, ist sie während des zu Ende gehenden Winters erst mit zwei echten Virusgrippen konfrontiert worden. „Es handelte sich um einen Senior und um einen jüngeren Patienten.“ Diese Fälle habe die Ärztin an das Robert-Koch-Institut (RKI) weitergeleitet. An die dortige Arbeitsgemeinschaft Influenza sind allein in der Übergangswoche Februar/März, neuere Zahlen liegen noch nicht vor, bundesweit über 42 000 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle übermittelt worden. Seit Herbst wurden dort über 165 000 Grippefälle registriert. „Die Influenza-Aktivität ist nach wie vor hoch“, teilen die Experten mit.

Auf der Deutschland-Grippekarte des Institutes gehört Oberspreewald-Lausitz allerdings zu den Gebieten mit normaler mit geringfähig erhöhter Grippeaktivität. In Cottbus und Spree-Neiße sowie in der Region um Finsterwalde sieht es wesentlich dramatischer aus.

Als nachteilig habe sich erwiesen, dass während der Saison 2017/18 für sehr viele Patienten nur ein Dreifach-Impfschutz zur Verfügung stand. Stattdessen hätte es ein Vierfach-Schutz sein müssen, sagt Amtsarzt Klaus Bethge. Steffi Kunze hat indes schon im Februar den Impfstoff für die Grippesaison 2018/2019 bestellt. „Dann gibt es den wirksameren Vierfach-Impfstoff für alle Patienten“, sagt sie.