Hans-Joachim Grune (69) und seine Mitstreiter haben das Geschehen des 22. März 1945 inzwischen fast lückenlos rekonstruiert: Rund sechs Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren die Produktionsorte der Braunkohlen-Benzin AG (Brabag) in Schwarzheide zum vorletzten Mal Ziel der amerikanischen Bomber. In einer Schleife flogen alliierte Verbände von Norden her über den Spreewald und die Lausitz - auch über Großräschen.

22 Menschen starben bei Unglück
Ein Schuss aus einem deutschen Düsenjäger traf die Maschine des damals 20-jährigen John Henry Bryner. Der Bomber vom Typ B-17G kam ins Trudeln und stürzte nur wenige hundert Meter vom Zentrum Großräschens, nahe des früheren Glaswerks, in das Haus in der Schmogrower Straße 22, die heute Käthe-Kollwitz-Straße heißt. Neun der zehn Insassen der Maschine starben, nur Bryner überlebte. Die getöteten Amerikaner wurden zunächst an einem Waldweg nahe des Glaswerks beigesetzt. Erst im November 1947 ließ man sie exhumieren, nach Belgien bringen und schließlich 1949 in die USA überführen. Auch 13 Deutsche starben in Folge dieses Absturzes. Einige von ihnen waren kurz zuvor selbst Gäste einer Beisetzung von Opfern eines alliierten Luftangriffs auf die Brikettfabrik Bückgen am 17.März 1945 gewesen.
Erst 60 Jahre nach dem Absturz haben der Großräschener Hans-Joachim Grune und Peter Gajda aus Guteborn die Umstände aufarbeiten können. Nun soll ein Gedenkstein am städtischen Friedhof an die 22 Opfer des Absturzes erinnern. Ex-Flieger Bryner, der im Jahr 2001 durch die in Amerika lebende gebürtige Lausitzerin Eva Wessell Kontakt mit Großräschener Hobby-Historikern bekommen hat, ist nun einer der treibenden Kräfte des Denkmals: "Er weiß darüber natürlich viel mehr als wir alle", erzählt Grune, der durch die Mitarbeit an der Stadtchronik Großräschens vor einigen Jahren auf das Thema gestoßen ist. Bryner war bereits zweimal in der Region, um sich vor Ort ein Bild zu machen - zuletzt 2002.
"Wir möchten mit diesem Denkmal nicht den Krieg verherrlichen", sagt Grune immer wieder. "Deshalb müssen wir sehr sensibel damit umgehen." Es sei ein privater Akt, um an die Toten dieses Unglücks zu erinnern: "Und das soll es auch bleiben", erzählt er und hofft, dass dieser Ort kein Tummelplatz für Menschen mit rechter Gesinnung wird. Das Denkmal soll ein etwa 1,80 Meter hohes Dreieck mit drei Granitplatten bilden, das auf je einer Seite an die amerikanischen und deutschen Toten erinnert - auf der Vorderseite werden die Umstände und die Zahl der Todesopfer auf deutsch und englisch genannt. Rund 6400 Euro kostet das Monument, das eine Firma aus Ruhland zurzeit herstellt. Das Geld dafür stammt ausschließlich aus Spenden. "Die Stadtverwaltung stellt uns dafür den Grund zur Verfügung. Herr Bryner will der Stadt das Denkmal später übereignen", erzählt Grune.

Feierstunde in kleinem Rahmen
Am Tag der Einweihung werden neben John Henry Bryner, seinem Sohn und Eva Wessell auch Angehörige der Getöteten in die Lausitz kommen. Auch Vertreter der US Air Force und der Bundeswehr sollen zu Gast sein, Großräschens Bürgermeister Thomas Zenker spricht zur Begrüßung. Hans-Joachim Grune möchte die Feierstunde jedoch nicht ausufern lassen: "Es soll eine menschliche Sache sein - keine politische".

Hintergrund B 17-Bomber
Die B 17-Bomber wurden während des Zweiten Weltkrieges, vor allem bei Bombardements auf deutsche Stellungen, eingesetzt. Das Flugzeug der Firma Boeing wurde 1934/35 entwickelt, 1941 kam das Modell B 17C erstmals zum Einsatz, ab 1943 dann das modernere Modell B 17G. Insgesamt 8680 Stück der B 17G wurden gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten manche B 17-Bomber als Transportflugzeug.