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Gerichtsprozess
Werber einer Drückerkolonne drücken sich krank vor Gericht

Am Landgericht Cottbus ist am Dienstag der Prozess um eine Drückerkolonne aus Lauchhammer fortgesetzt worden - ohne Zeugen. Diese meldeten sich fünf Minuten vor der Verhandlung krank ab.
Am Landgericht Cottbus ist am Dienstag der Prozess um eine Drückerkolonne aus Lauchhammer fortgesetzt worden - ohne Zeugen. Diese meldeten sich fünf Minuten vor der Verhandlung krank ab. FOTO: Jan Augustin / LR
Cottbus/Lauchhammer. Am Landgericht Cottbus ist am Dienstag der Prozess um eine Drückerkolonne aus Lauchhammer fortgesetzt worden - ohne Zeugen. Die meldeten sich fünf Minuten vor der Verhandlung krank ab. Von Jan Augustin

Im Drückerkolonnen-Prozess am Cottbuser Landgericht ist auch nach dem sechsten Verhandlungstag kein Ende in Sicht. Dabei hatte sich die 1. große Strafkammer an diesem Dienstag konkrete Einblicke in die dubiosen Geschäfte erhofft. Doch die geladenen Zeugen, zwei ehemalige Werber, haben sich kurzfristig krank gemeldet. Einer der Beiden rief sogar erst fünf Minuten vor Beginn an und meldete sich ab, erklärt der Vorsitzende Richter André Simon: „Es ist schwer, jetzt weiterzukommen, weil die Zeugen nicht da sind. Dann war’s das für heute. Es tut mir leid.“ Der Rest der Verhandlung gegen ein Ex-Paar, das mithilfe einer Drückerkolonne sein Geld verdiente, beschränkte sich auf die Suche nach weiteren Terminen.

Die beiden Angeklagten sollen als Arbeitgeber zwischen 2004 und 2009 bis zu 92 Beschäftigte nicht zur Sozialversicherung angemeldet haben, sodass die fälligen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zur Arbeistlosen-, Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung nicht eingezogen werden konnten. Dadurch soll ein Schaden von mehr als 1,7 Millionen Euro entstanden sein. Die Anklage behauptet, die Standwerber und Drücker in den Fußgängerzonen sind abhängig beschäftige Arbeitnehmer des mehrfach umfirmierten Werbeunternehmens gewesen. Die Verteidigung bestreitet dies. Vielmehr hätten die Mitarbeiter als selbstständige Handelsvertreter auf Provisionsbasis hauptsächlich Filmclub-Mitgliedschaften verkauft. Der Prozess soll am 7. November fortgesetzt werden.