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Alte Treckerliebe rostet nicht

Gut vorgeglüht und mit viel Diesel im Blut haben sich die Lanzfreunde am Donnerstag Punkt 7.30 Uhr von Lipsa aus auf den Weg nach Leipzig gemacht. Zur Truppe gehören Günter und Anita Rudolf, Heinz und Ilona Hübler, Henry und Elke Schubert sowie Tino Rudolf mit Freundin Doreen.
Gut vorgeglüht und mit viel Diesel im Blut haben sich die Lanzfreunde am Donnerstag Punkt 7.30 Uhr von Lipsa aus auf den Weg nach Leipzig gemacht. Zur Truppe gehören Günter und Anita Rudolf, Heinz und Ilona Hübler, Henry und Elke Schubert sowie Tino Rudolf mit Freundin Doreen. FOTO: Rasche
Guteborn/Lipsa. Mit 30 PS sind die Lanzfreunde auf ihren blitzeblank gewienerten Scheunenschätzen von Guteborn nach Leipzig geknattert. Dafür sind sie fünf Stunden auf Tour. Andrea Budich

Sie haben Diesel, das leidenschaftliche Rummurks-Gen und ganz viel Abenteuerlust im Blut. Und genau mit diesem Spezial-Gemisch rollen die Lanzfreunde aus Guteborn und Lipsa am Donnerstag mit ihren Scheunenschätzen munter über die Landstraßen. Die 125 Kilometer der Strecke Guteborn - Leipzig werden mit einer konstanten Reisegeschwindigkeit von 28 bis 30 Kilometern pro Stunde in fünf Stunden runtergeknattert. "Bei uns ist alles Genuss, wir haben Zeit", erklärt Henry Schubert aus Lipsa. Mit Ehefrau Elke gehört er zu den Lanzfreunden, die sich vor fünf Jahren gefunden haben. Gekannt hatte man sich schon früher. Die Trecker-Leidenschaft aber hat alle unzertrennlich zusammengeschweißt.

Zum Trupp - und das ist das Besondere der Lanzfreunde Guteborn/Lipsa - gehören nicht nur Kerle, sondern auch deren Partnerinnen. Ehefrauen und Freundinnen wurden vom Lanz-Fieber angesteckt und sind inzwischen selbst stolze Besitzerinnen der alten Gerätschaften. Anita, die Frau von Günter Rudolf, sitzt selbst auf dem Bock eines kleinen Lanz. Und Doreen, die Lebenspartnerin von Tino Rudolf, fährt mit einem Güldner-Traktor mit.

Bei der großen Ausfahrt zum Oldtimertreffen Bulldog Dampf & Diesel am Wochenende in Leipzig aber liegt die Guteborner Traktor-Flotte allein in Männerhand. An die Spitze des Lanz-Konvois setzt sich traditionsgemäß Günter Rudolf. Der Landmaschinenschlosser, der auf dem Bauhof Ruhland arbeitet, führt den Tross bis zum ersten und einzigen Zwischenstopp zwischen Oschatz und Wermsdorf. Dort übernimmt Heinz Hübler mit seinem Hanomag (Baujahr 1948) als Ur-Sachse das Führungszepter. "Uns lassen sie diesmal nicht ans Steuer", bestätigt Elke Schubert die Rangordnung. Die Sitze sind dabei so gut gepolstert, dass der Tross mit einer Pause auskommt.

Begleitet von einer Dunstglocke aus Diesel und Öl und dem gleichmäßigen Getucker donnern die liebevoll gepflegten Scheunenschätzchen am frühen Morgen los. Dabei ist das Vorglühen schon eine Zeremonie für sich. Mittels einer Lötlampe unter dem Glühkopf wird der Motor dabei auf Zündtemperatur gebracht. Ein Vorgang, der 20 Minuten dauern kann - für Henry Schubert und Heinz Hübler aber absoluter Kult ist. Als Schrotthaufen bekommen, haben sie oft monate- und jahrelang an ihren Lanz-Traktoren gebastelt, geschraubt, repariert und restauriert. Normalerweise holen sie die Schmuckstücke auch nur bei Sonnenschein heraus. In Rudolfs Werkstatt stehen die beiden Oldtimer sogar auf schützenden Teppichen. "Das gehört sich so bei einem Familienmitglied", erklärt Anita Rudolf.

Für die Fahrt nach Leipzig zeigt sich die Trecker-Flotte auf Hochglanz geputzt und gewienert. Für den Notfall hat jeder Lanzfreund auch ausreichend Ersatzteile und Werkzeug mit im Reisegepäck ins tiefste Sachsen. Nach einer Sonntags-Ausfahrt, bei der gleich zwei von vier Treckern liegen geblieben waren, hat jetzt auch jeder ein Abschleppseil dabei.

Ansonsten hat jeder in der Truppe seine Aufgabe. Schuberts haben den Gulasch geschmort, Hüblers das Schichtkraut angesetzt, und Rudolf Junior ist der Mann hinter dem Grill.

Das schönste Gefühl für alle indes ist das Fahren. "Keiner tuckert schöner als der Lanz Bulldog", schwärmt Truppen-Chef Tino Rudolf. Deshalb fährt auch keiner der acht Lanzfreunde mit Ohrstöpseln. "Der Sound ist zum Niederknien. Das ist Musik in unseren Ohren", bestätigt Freundin Doreen.