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| 17:33 Uhr

Serie: Ich kaufe regional
Alte Apfelsorten stark nachgefragt

Mit Stolz präsentiert Markthändler Friedemann Hedrich seine älteste Apfelsorte „Goldparmäne“, die ihren Ursprung im Jahr 1510 hat. Diese Apfelsorte wächst in seinem Garten und ist garantiert unbehandelt, sagt er.
Mit Stolz präsentiert Markthändler Friedemann Hedrich seine älteste Apfelsorte „Goldparmäne“, die ihren Ursprung im Jahr 1510 hat. Diese Apfelsorte wächst in seinem Garten und ist garantiert unbehandelt, sagt er. FOTO: Peter Aswendt
Senftenberg. Wochenmärkte bieten frische und regionale Produkte. Fliegende Händler sorgen für ein buntes Angebot. Doch ist wirklich alles regional? Ein Besuch in Senftenberg. Von Peter Aswendt

An drei Tagen in der Woche bedient der Senftenberger Wochenmarkt alle Wünsche seiner Besucher. Vom Filzpantoffel über Blusen oder Blumen, hier wird alles angeboten, was das Herz begehrt. Dass man sich mit gesunden und frischen Lebensmitteln versorgen kann, davon gehen viele Besucher wie selbstverständlich aus. „Ich kaufe immer frische Kartoffeln, denn sie sind garantiert nicht gespritzt“, ist sich Heinz Kockrow aus Senftenberg sicher. In diesem Bewusstsein kaufen viele Kunden Obst und Gemüse oder bevölkern in langen Schlangen die mobilen Fleischerstände.

Gerda und Horst Eichenhoff sind gerne bei den diversen Landfleischereien am Stand: „Wildknacker und Geflügel sind unsere leckeren Favoriten“, lachen beide. Dass bei den mobilen Fleischern nicht die Ware aus eigener Zucht kommt, ist wohl jedem klar. Beteuert wird aber eifrig, dass man sich um die Herkunft des Fleisches genauestens informiert und nicht einfach irgendwo einkauft. Genannt werden möchte zwar niemand, aber die Auslage sieht auch auf den zweiten Blick leckerer aus als in so manchen Supermarkt.

Gerade beim Obst und Gemüse verzeichnen die mobilen Händler einen wachsenden Zulauf. „Ich bin, seit es den Senftenberger Wochenmarkt gibt, mit meinem Stand dabei“, erzählt Obst- und Gemüsehändler Karl-Heinz Buchan aus Raddusch. Er lebt selbst auf einem Bauernhof, den er von den Eltern geerbt hat. „Ich habe immer 90 Prozent aus eigener Produktion im Angebot gehabt“, berichtet er. „Jetzt bin ich Rentner und kaufe meine Waren bei anderen Bauernhäfen zu“, fügt der Landwirt hinzu. Großhandel kommt aber für ihn nicht infrage, auch das Bio-Label ist für ihn nicht ein Zeichen für Qualität: „Ich muss das selber sehen, von wo ich meine Ware einkaufe und was auch gerade saisonal im Angebot ist. Rosenkohl gibt es dann eben erst ab dem ersten Frost, das ist so“, stellt Karl-Heinz Buchan klar.

Auf die alten Apfelsorten hat sich Friedemann Hedrich aus Pulsnitz spezialisiert. Auf unserem Grundstück wurden die ersten Apfelbäume im Jahr 1936 gepflanzt, sie tragen heute noch genügen Äpfel, um diese auf dem Markt anzubieten. Chemieeinsatz gibt es bei ihm nicht: „Meine Apfelbäume werden mit Pferdemist gedüngt“, verrät er sein Geheimnis des guten Ertrags. Gerade an seinem Obststand stellt der Pulsnitzer fest, dass auch vermehrt jüngere Kunden seine Äpfel mögen: „Als ich vor elf Jahren das erste Mal auf dem Senftenberger Markt stand, kamen fast nur Rentner zum Kaufen. Jetzt habe ich sehr oft junge Familien am Stand“, freut er sich. Auch bemerkenswert der Trend, dass weniger nach „Bio“ gefragt wird, sondern die Herkunft und der Erzeuger von Interesse sind.

Unabhängig von den Bekleidungsständen, bei denen die Zusammensetzung kaum nachzuprüfen ist, lässt sich feststellen, dass die Händler einen großen Wert auf einheimische Ware mit einer definierten Herkunft legen. Beim Obst und Gemüse sind mindestens 80 Prozent der Waren von Bauernhöfen oder aus dem Eigenanbau. Dass eine Zitrone nun gerade nicht beim Bauern um die Ecke wächst, ist wohl jedem klar. Aber auch hier achten die Händler auf ihren Ruf und kaufen nachhaltig ein.

Wer am Dienstag, Donnerstag oder Samstag den Senftenberger Wochenmarkt besucht, kann zumindest, was die Lebensmittel betrifft, sicher sein, dass er einheimische Produkte kauft. Und dass der Wochenmarkt seine alte Funktion als Kommunikationsplattform und Nachrichtenquelle immer noch innehat, erkennt man an den vielen kleinen Gruppen, die sich angeregt unterhalten.