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| 19:45 Uhr

Altbergbau in der Lausitz
Lauchhammer ruft um Hilfe

Lauchhammer/Potsdam. Stadt fordert in offenem Brief Unterstützung für Opfer des Lausitzer Altbergbaus.

Klare Regelungen für die Spätfolgen des Braunkohlebergbaus vor 1945 und bessere Entschädigungen für die betroffenen Menschen fordern der Bürgermeister von Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) und alle Fraktionsvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung in einem offenen Brief an den Brandenburger Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD). Hintergrund des Schreibens ist die ungeklärte Rechtslage für die Opfer des Lausitzer Altbergbaus.

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass in der Stadt ein weiteres Wohnquartier mit vier Häusern auf einer ehemaligen Tagebaukippe wegen des Grundwasserwiederanstiegs abgesiedelt werden muss. Betroffen sind auch zwei Gewerbebetriebe mit mehr als 200 Beschäftigten. Bereits 2016 war die Eigenheimsiedlung am Grubenteich dem Erdboden gleichgemacht worden. Damals wie heute reichen die Entschädigungsleistungen für die Betroffenen nach Ansicht der Kommunalpolitiker nicht aus.

„Ein ganzes Jahrhundert lang haben die Menschen mit dem Braunkohleabbau dafür gesorgt, dass Energie und Rohstoffe für eine ganze Region bereitstehen“, heißt es in dem Brief an Woidke. Die Hinterlassenschaften dieser Industrie seien bis heute sichtbar. Im Einigungsvertrag ist jedoch nur die Rechtsnachfolge für den aktiven Bergbau nach 1945 geregelt worden. Seit mehr als 25 Jahren sei bekannt, dass die Folgen des Kohlebergbaus negativ auf die Infrastruktur der Stadt einwirken. „Weit über 50 Prozent des Stadtgebietes sind davon unmittelbar betroffen“, heißt es in dem Schreiben weiter. Doch noch immer fehle ein verbindliches Gesamtkonzept.

Die Kommunalpolitiker von Lauchhammer fordern Ministerpräsident Woidke auf, seinen Einfluss für schnelle und verbindliche Regelungen geltend zu machen. So müsse der Bergbausanierer LMBV eine Übersicht von Gefahrenpotenzialen und Gefahrenabwehr erarbeiten. Zudem verlangen sie ein Sonderprogramm, in dem Sanierungsmaßnahmen für die vom Grundwasserwiederanstieg betroffenen Bereiche und angemessene Entschädigungen festgeschrieben werden. Kalte staatliche Enteignungen der Opfer des Altbergbaus würden nicht mehr zugelassen.

(sm)