ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:32 Uhr

Altbergbau
Lauchhammer lässt nicht locker

  Ein Schild in der Wilhelm-Külz-Straße weist auf Gefahren hin. Nach der Räumung ihres Hauses ist ein älteres Ehepaar in eine Ferienwohnung gezogen.
Ein Schild in der Wilhelm-Külz-Straße weist auf Gefahren hin. Nach der Räumung ihres Hauses ist ein älteres Ehepaar in eine Ferienwohnung gezogen. FOTO: ZB / Steffen Rasche
Lauchhammer. Bürgermeister Roland Pohlenz begrüßt das Ja des Brandenburger Landtages zu Hilfen für seinen vom Altbergbau geschädigten Ort. Das Stadtoberhaupt fordert jetzt zügiges Handeln. Von Torsten Richter-Zippack

Bis Ende März bezieht die erste Umsiedlerfamilie aus der Wilhelm-Külz-Straße ihre Mietwohnung in Lauchhammer, kündigt Roland Pohlenz (parteilos) an. Die älteren Leute mussten bereits im Februar ihr Anwesen verlassen, da Fachleute unmittelbar drohende Gefahren aufgrund des dortigen Alttagebaus festgestellt hatten. Derzeit lebt die Familie noch in ihrer Ferienwohnung, rund einen halben Kilometer von der Külz-Straße entfernt.

Jetzt können sie und die Bewohner der weiteren drei betroffenen Wohnhäuser sowie zwei Betriebe, ein Ingenieurbüro sowie ein Dienstleister auf finanzielle Hilfen hoffen. Alle müssen bis zum Jahr 2022 das Gebiet verlassen. Der Brandenburger Landtag hat diese Woche einstimmig für entsprechende Hilfen von Bund und Land gestimmt, heißt es aus Potsdam. Den entsprechenden Antrag hatte die CDU eingebracht. Wann allerdings wie viel Geld nach Lauchhammer fließt, kann Pohlenz zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Immerhin: Bis spätestens 30. Juni soll ein Entschädigungskonzept vorliegen. Darüber hinaus wird eine Gesamtübersicht gefordert, welche weiteren Orte in Lauchhammer durch Alttagebaue gefährdet sind. Möglicherweise könnten daraus perspektivisch weitere Umsiedlungen notwendig werden.

Bernd NItzschner (CDU-UBV), Vorsitzender des Bauausschusses, kündigt an, „definitiv nicht locker zu lassen.“ Es gebe jetzt ein Bekenntnis zu Lauchhammer, jetzt müssen Taten folgen. Nitzschner drängt darauf, dass die Betroffenen den kompletten Wiederbeschaffungswert für ihre aufzugebenden Anwesen erhalten. „Ich hoffe, die Landesregierung ist sich dessen bewusst“, sagt er.

Roland Pohlenz fährt am 28. März in den Landtag, um im dortigen Ausschuss für Infrastruktur und Landesplanung den dringenden Handlungsbedarf anzumahnen. „Gleichzeitig möchte ich darlegen, was aus unserer Sicht jetzt notwendig ist.“ Dazu gehöre in erster Linie die Folgen der Altbergbau-Umsiedler abzumildern. „Am besten natürlich vollständig“, fügt der Bürgermeister an. Zudem müsse der Bund in die Pflicht genommen werden. Denn bis heute sei gesetzlich nicht geregelt, wer für die bergbaulichen Altlasten aus der Zeit vor 1945 aufkommt. Lauchhammer lebt bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Kohleabbau. Mehr noch: Auf das Jahr 1789 ist der erste Braunkohlenfund im Lausitzer Revier überhaupt auf dem Butterberg beim damaligen Bockwitz (heute Lauchhammer-Mitte) datiert.

Erst Mitte Februar hatten Roland Pohlenz, die Lauchhammeraner Fraktionsvorsitzenden sowie der Vorsitzende des Bauausschusses in einem offenen Brief an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) den Ernst der Lage dargestellt. Darin heißt es, dass weit über die Hälfte der Stadt von den Folgen des Kohlebergbaus betroffen ist. „Mit diesem Schreiben haben wir erreicht, dass die Problematik landespolitisch ein Thema geworden ist und dass wir diese Herausforderung keineswegs allein stemmen können“, sagt Pohlenz. Der Bürgermeister mahnt eine gemeinsame Kraftanstrengung an, um mit den Hinterlassenschaften des Altbergbaus fertig zu werden.

OSL-Landrat Siegurd Heinze (parteilos) bezeichnet den im Brandenburger Landtag beschlossenen Antrag als Grundlage, um mit dem Bund über Hilfen für die Altbergbaugebiete zu verhandeln. Der Kreischef betont den Schulterschluss zwischen seiner Behörde und der Stadt Lauchhammer. „Wir unterstützen, wo wir können. Ein Beispiel ist die Moderation des Prozesses zwischen weiteren Behörden und der Stadtverwaltung.“ Heinze will nicht ausschließen, dass es im OSL-Kreis weitere vom Altbergbau betroffene Orte gibt, an denen ebenfalls Handlungsbedarf bestehe.

„Wir haben in der Tat noch weitere Altbergbau-Problemstellen in der Stadt“, sagt Abgeordneter Mike Nothing (SPD-VL). Als Beispiel nennt er den Pappelweg sowie Flächen am Wehlenteich. Dennoch sehe er mit dem jetzt beschlossenen Antrag einen Lichtblick am Horizont.

Bereits vor zwei Jahren mussten die Bewohner der Lauchhammeraner Grubenteichsiedlung im Stadtteil West ihre Häuser für immer verlassen. Diese standen auf der Kippe der alten Grube Mückenberg.

Indes erklären die Brandenburger Bündnisgrünen, dass nicht nur in Lauchhammer Handlungsbedarf bestehe. „Es ist eine systematische Bestandsaufnahme der Altlasten, und zwar samt Klärung von Rechtsverhältnissen, Handlungsbedarf und Kosten notwendig“, kommentiert Sprecherin Heide Schinowsky. Der Lauchhammer-Beschluss könne dazu den Startschuss geben.