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Als Seegast Polizei auf Trab gehalten

Ein schrecklicher Fall von Vernachlässigung wird seit Montag vor dem Amtsgericht Senftenberg verhandelt.
Ein schrecklicher Fall von Vernachlässigung wird seit Montag vor dem Amtsgericht Senftenberg verhandelt. FOTO: Catrin Würz
Senftenberg. Als Dauergast am Senftenberger See hat Benny Bruchmann (Name geändert) mit seinen Straftaten die Polizei sehr beschäftigt. Endlich vor Gericht, erhält er zwar eine Haftstrafe, durch die Berufung spaziert er jedoch als vorerst freier Mann aus dem Amtsgericht. Manfred Feller

Benny Bruchmann stammt aus Dresden. Er hat Gefallen am Senftenberger See gefunden. Seine Großeltern, die als Zuschauer im Gerichtssaal seine kriminelle Vergangenheit vor Augen geführt bekommen, sind Dauercamper. Seit etwa 20 Jahren besucht sie ihr Enkel regelmäßig. Irgendwann schafft sich der heute 30jährige Sachse in Senftenberg sogar einen Kleingarten an. Dieser scheint seine Basis für die Diebes- und Einbruchstouren geworden zu sein.

Benny Bruchmann ist gelernter Garten- und Landschaftsbauer. Bei einem schweren Motorradunfall, nach dem er im Koma lag, hatte er sich nach eigener Aussage Wirbelsäule und ein Sprunggelenk gebrochen. Als Berufsunfähiger habe er seitdem keine neue Arbeit gefunden. Er halte sich mit Hartz IV-Geld über Wasser. Ein Kind, das bei seiner Mutter lebt, hat er auch in die Welt gesetzt.

Seine nachweisbare kriminelle Karriere begann im Jahr 2014. Er stand mehrfach vor Gericht: wegen Körperverletzung, weil er Betäubungsmittel besessen und damit gehandelt hat sowie wegen des Fahrens ohne Führerschein und Pflichtversicherung.

Die diesmal angeklagten Straftaten stammen aus 2015 und aus diesem Jahr - noch während der Bewährungszeit. Im Juni 2014 soll er 400 Liter Diesel aus Baumaschinen in Klettwitz für den Eigenbedarf abgezapft haben. Im Familienpark am Senftenberger See entwendete er acht Außenlampen im Wert von etwa 400 Euro. In Senftenberg stieg er in ein Firmennebengebäude ein, nahm ein Schlauchboot samt Außenbordmotor mit. Schaden: über 1000 Euro. Dann wurde er erneut ohne Fahrerlaubnis am Steuer eines Autos erwischt. Auf dem Kennzeichen klebte ein fremdes Zulassungssiegel, was Urkundenfälschung bedeutet. In seiner Gartenlaube ist er erst im Juli dieses Jahres mit einem Marihuana-Gemisch (4,5 Gramm) erwischt worden. Zuvor hatte er vom Campingplatz in Niemtsch ein Schlauchboot im Wert von 410 Euro mitgehen lassen.

Hunger hatte er zwischendurch auch. Was lag näher, als beim Fischer einzubrechen. Laut der Anklage der Staatsanwaltschaft soll er zwei bis drei Zentner der Flossentiere gekeschert und in Bottichen abtransportiert haben. Schaden: 1600 Euro.

Bis auf Nuancen würden die Anklagepunkte zutreffen, räumt der Anwalt des Angeklagten ein. Fische habe er nur etwa 50 gestohlen. "Mehr hätte ich gar nicht wegbringen können", versichert Benny Bruchmann. Er schätzt, dass es maximal 50 Kilogramm gewesen sind, vor allem Forellen. Alles für den Eigenbedarf. 15 Fische hätte er bereits gegrillt.

Das in Senftenberg gestohlene Schlauchboot mit Motor hatte noch vor dem Gerichtstermin seinen rechtmäßigen Besitzer gefunden. Dieser erkannte, so sagte er als Zeuge vor Gericht, sein farblich umgesprühtes Wasserfahrzeug auf einem Handyfoto wieder. Der neue Käufer war bekannt und legte die Spur zu Benny Bruchmann. Dieser wurde aufgesucht. Er stritt zunächst ab, gab dann alles zu und leistete sogar noch 600 Euro Schadenersatz für den Zustand des Diebesgutes.

Die Staatsanwaltschaft sieht keine Indizien für eine Gewerbsmäßigkeit hinter den Straftaten. Es scheint so, dass Beute und Einnahmen allein dem Lebensunterhalt und dem Drogenkonsum dienten. Das wirkt strafmildernd.

Benny Bruchmann versichert, im Knast keine Drogen mehr, sondern lediglich Medikamente gegen die Entzugserscheinungen genommen zu haben. "Ich will nicht zurück", sagt er zu seinem bisherigen Konsum von illegalen Rauschmitteln. Eine Therapie strebe er an.

Die Staatsanwaltschaft sähe den 30-Jährigen gern ein Jahr und drei Monate ohne Bewährung im Gefängnis. Eine positive Sozialprognose sei nicht erkennbar.

Ein Jahr auf Bewährung hält der Anwalt angesichts der zumeist minderschweren Straftaten und der Wiedergutmachung in einem Fall für angemessen - mit der Auflage der Therapie.

Strafrichterin Annett Winkler spricht zwölf Monate Haft aus. Zwei Jahre lang darf Benny Bruchmann keine Fahrerlaubnis machen. Der Haftbefehl wird aufgehoben.

Bis zum avisierten Berufungsverfahren solle der Verurteilte die Zeit nutzen.