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| 01:47 Uhr

Als Oberpfarrer Liebusch auf wendisch predigte

Dr. Doris Teichmann referierte über die wendische Kirchengeschichte in Senftenberg und der Niederlausitz. Foto: T. Richter
Dr. Doris Teichmann referierte über die wendische Kirchengeschichte in Senftenberg und der Niederlausitz. Foto: T. Richter FOTO: T. Richter
Senftenberg. Der Oberpfarrer Georg Liebusch soll als letzter in der Elsterstadt in sorbischer/wendischer Sprache gepredigt haben. Gleichzeitig schrieb der aus Sachsen stammende Theologe die Senftenberger Stadtchronik. Torsten Richter

Diese wurde 1827 veröffentlicht. Das erfuhren die rund 60 Besucher im Bürgerhaus Wendische Kirche beim Vortrag der Berliner Geschichtsforscherin Dr. Doris Teichmann.

Den Wenden sei das Leben schon immer schwer gemacht worden, wusste Doris Teichmann zu berichten. Schon der bekannte Kirchenreformator Martin Luther hatte die Angehörigen dieses westslawischen Volkes als “bösestes Menschengeschlecht„ und als “Spitzbuben„ bezeichnet. In den nachfolgenden Jahrhunderten waren die Wenden durch die deutsche Obrigkeit immer wieder schikaniert worden. Den Begriff “slawisch„ wurde dabei öfter mit “sklavisch„ gleichgesetzt.

Pfarrer kehrten der Heimat den Rücken

Aus diesen Gründen zogen es nach der Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts viele frischgebackene wendische Pfarrer vor, ihrer eigentlichen Heimat den Rücken zu kehren. “Allerdings hat der Lausitzer Landadel viel dafür getan, die wendisch sprechenden Geistlichen wieder in die Lausitz zu holen. Denn die Untertanen verstanden meist kein Deutsch„, hat Doris Teichmann bei ihren Forschungsarbeiten herausgefunden.

In jener Zeit soll ein Georg Schwarm aus Senftenberg an der Universität in Frankfurt (Oder) Theologie studiert haben. Gemeinsam mit anderen Studenten betrieb der Lausitzer wendische Sprachübungen. Schwarm besaß laut Teichmann das Glück, als Pfarrer in die Lausitz zurückzukehren. Er begann im Jahr 1569 zwar nicht in Senftenberg, dafür aber im oberlausitzischen Reichenau westlich der Stadt Kamenz.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) erging es den wendischen Pfarrern besonders schlecht. Sie wurden nämlich durch deutsche Pendants ersetzt. Zuvor waren alle wendischen Bücher eingesammelt und vernichtet worden. “Man wollte das Wendische aus den Kirchen raushaben„, erklärte Doris Teichmann. Warum das so war, sei noch nicht vollständig bekannt. Möglicherweise hatte man Angst vor nationalistischen Bestrebungen.

Gesangbücher in wendischer Sprache

Trotz der vielen Verbote gelang es immer wieder, wendische Gesangbücher zu veröffentlichen. Dazu kam es beispielsweise im Jahr 1675 in Bluno und fünf Jahre später in Lauta.

Der wahrscheinlich letzte in Senftenberg wendisch predigende Pfarrer war Georg Liebusch. Laut der Paulitz-Chronik stammte der Kirchenmann aus dem Dörfchen Sohra im Amtsbezirk Stolpen, wo er am 21. März 1788 das Licht der Welt erblickte. Im Jahr 1815 hielt Liebusch die Huldigungspredigt in der Wendischen Kirche in Senftenberg, als die Niederlausitz an Preußen übergeben worden war.

Im Jahr 1827 erschien die “Chronik der Stadt und des Amts Senftenberg, umgearbeitet und vervollständigt bis zum Jahre 1539„ von Oberpfarrer Georg Liebusch. Zwei Jahre nach der 50. Wiederkehr seines Amtsantritts in Senftenberg, 1865, starb der wahrscheinlich letzte wendische Prediger der Elsterstadt. Seitdem wurden in der Wendischen Kirche die Gottesdienste nur noch auf Deutsch gehalten.