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| 16:52 Uhr

Unglück vor 40 Jahren
Als die Brikettfabrik Impulsin die Luft flog

Senftenberg. Vor genau 40 Jahren ist die Senftenberger Fabrik Impuls explodiert. Zwei Zeitzeugen erinnern sich. Von Torsten Richter-Zippack

Der 24. Juni 1978 war ein ganz normaler Sonnabend in Senftenberg. Zumindest bis kurz nach 23 Uhr. Dann nahm eine gewaltige Katastrophe in der Brikettfabrik Impuls, die vier Menschenleben fordern sollte, ihren Lauf. „Gegen 23.08 Uhr hatte es im Bereich der Röhrentrockner eine Kohlenstaubexplosion gegeben“, erinnert sich der Senftenberger Rudolf Papendick, der kurze Zeit später den betrieblichen Untersuchungsausschuss leiten sollte. Er fungierte von Januar 1974 bis November 1977 als Impuls-Betriebsleiter.

Durch die gewaltige Kraft der Explosion wurden große Teile der Fabrik zerstört. Papendick war zum Unglückszeitpunkt nicht in Senftenberg zugegen. „Ich wurde aber sehr bald benachrichtigt, abgeholt und zur Fabrik gebracht“, erinnert sich der heute 78-Jährige. „Um 2.30 Uhr des 25. Juni waren rund um Impuls zahlreiche Feuerwehren stationiert. Die Kameraden leisteten unter Einsatz ihres Lebens eine hervorragende Arbeit“, sagt der Senftenberger. Über 200 Kameraden mit rund 30 Fahrzeugen sowie 45 Volkspolizisten plus sieben freiwillige Helfer, so hatte einst der Senftenberger Feuerwehrchronist Walter Stecklina recherchiert, kamen in Impuls zum Einsatz.

„Gegen 5 Uhr konnte ich mit dem Kombinatsdirektor in die Brikettfabrik hinein. Da haben wir das ganze Ausmaß der Zerstörungen mit eigenen Augen gesehen. Unter anderem waren die Decke eingebrochen und diverse Metallteile geschmolzen. Die Kohlenstaubexplosion hatte weite Teile der Fabrik erfasst und zerstört. Impuls war ein einziges Glutnest“, kommentiert Papendick. Drei Tote forderte das Unglück, ein weiterer Mensch verstarb etwas später. Darüber hinaus gab es sechs Verletzte.

Später, so erinnert sich Rudolf Papendick, wurde ermittelt, dass im Tellertrockner ein Zündinitial ausgelöst worden war. Durch den aufgewirbelten Kohlenstaub hatte sich dann eine Kettenreaktion in Gang gesetzt. Ein schuldhaftes Verhalten eines oder mehrerer Mitarbeiter konnte nicht festgestellt werden. Daher blieben auch Verurteilungen beziehungsweise Strafen aus.

Ein zweiter Zeitzeuge der Katastrophe ist Papendicks damaliger Betriebsingenieur Siegfried Kirscht. Der damals 40-Jährige erinnert sich, dass er kurz nach der Explosion informiert wurde, aber zunächst sein Büro in der Fabrik nicht betreten durfte. „Dort hatte sich der Katastrophenstab eingerichtet“, berichtet der Senftenberger. Allerdings stellte der Fachmann das Dampf­sicherheitsventil ab, das infolge der Explosion in Senftenberg für einen extremen Lärm sorgte.

Kirscht erzählt, dass es direkt nach dem Unglück Pläne gab, die Brikettfabrik neu aufzubauen. Später wurde aber entschieden, die Impuls-Kapazitäten in die Briesker Brikettfabrik zu verlegen. Letztlich wurde beides aus Kostengründen nicht umgesetzt. „Um das Jahr 1980 wurde mit dem Abriss von Impuls begonnen“, erinnert sich Siegfried Kirscht. Er selbst hatte damals das entsprechende Procedere organisiert. Presse und Röhrentrockner waren noch zu verwenden. „Sie wurden nach Schwarze Pumpe geschafft“, sagt der Fachmann. Zudem wurde weiteres Material veräußert, beispielsweise Holz und Rohre. Auf diese Weise entstand die Wasserleitung für die Kleingärtner in NIemtsch.

In der Brikettfabrik Impuls mit ihren 148 Mitarbeitern wurden bis zu ihrem Schicksalstag nach Angaben von Rudolf Papendick pro Tag über 1000 Tonnen Briketts hergestellt. Die Höchstleistung bewegte sich bei täglichen 1400 Tonnen. Die entsprechende Rohkohle stammte hauptsächlich aus dem nicht weit entfernten Tagebau Meuro. Die begehrten Briketts gingen vor allem nach Westdeutschland und Österreich und brachten somit dringend benötigte Devisen. Alles in allem war Impuls, so resümiert Rudolf Papendick, eine relativ kleine Fabrik. Zum Vergleich: In der Brikettfabrik Brieske wurden in 24 Stunden rund 3000 Tonnen Briketts gepresst.

Die Brikettfabrik Impuls an der Spremberger Straße im Nordosten von Senftenberg hatte bereits anno 1876 unter dem Namen Friedrich Ernst ihren Betrieb aufgenommen. Ab dem Jahr 1906 trug der Betrieb die Bezeichnung seiner neuen Eigentümer, der Halleschen Pfännerschaft. Im Spätherbst 1948, vor nunmehr fast 70 Jahren, erfolgte die Umbenennung in Impuls. Heute erinnert so gut wie nichts mehr an die gewesene Brikettfabrik. Ihr finaler Name dient allerdings als Bezeichnung für das dort nach der Wende neu entstandene Gewerbegebiet.