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Hallo Nachbar: Heute Amandusdorf
Alles was fliegt

2015 ist beim Fliegerclub Bronkow im Beisein von Fluglehrer Norbert Völker, Felix Hegewald und Sascha Dey (v. l.) ein vereinseigenes Segelflugzeug in den Flottenbestand aufgenommen worden. Felix Hegewald (kleines Foto) war seinerzeit Club-Jugendwart, trat den Posten jedoch aufgrund der Ausbildung an Friedrich Kanzler (Vetschau) ab.
2015 ist beim Fliegerclub Bronkow im Beisein von Fluglehrer Norbert Völker, Felix Hegewald und Sascha Dey (v. l.) ein vereinseigenes Segelflugzeug in den Flottenbestand aufgenommen worden. Felix Hegewald (kleines Foto) war seinerzeit Club-Jugendwart, trat den Posten jedoch aufgrund der Ausbildung an Friedrich Kanzler (Vetschau) ab. FOTO: Felix Hegewald
Amandusdorf. Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz umfasst 1200 Quadratkilometer Fläche. Er ist Heimat für 114 000 Einwohner, die in neun Städten, 32 Gemeinden oder Ortsteilen leben. Doch wer sind die Nachbarn? Die RUNDSCHAU geht auf Kreis-Reise. Die Station heute: Amandusdorf (Altdöbern). Von Uwe Hegewald

Um es vorwegzunehmen: Zwischen Felix Hegewald, an dem die heutige Dorfgeschichte erzählt wird, und dem Verfasser dieses Textes gibt es keine familiären Beziehungen. Als einzig verbindender Nenner kann allein der schöne Familienname herangezogen werden. Felix Hegewald ist Amandusdorfer mit Herz und Seele. „Ich kann und will mir nicht vorstellen, mein Heimatdorf irgendwann dauerhaft zu verlassen“, bricht der 19-Jährige eine Lanze für „sein“ Amandusdorf. Doch wo liegen die Vorzüge des Ortsteiles von Bronkow, die den Teenager so stark an das Dörfchen am Waldesrand binden?

„Als Kinder durften wir in einer harmonischen Dorfgemeinschaft aufwachsen. Das Familiäre im Ort hat sich bis heute bewahrt“, führt Felix Hegewald an. Stellvertretend nennt er das gelegentliche Schwätzchen am Gartenzaun oder spontane, gemeinsame Grillabende. Bei größeren Traditionsveranstaltungen, wie das Maibaumaufstellen, geht es ins knapp zwei Kilometer entfernte Mutterdorf nach Bronkow.

Dorthin führte auch der Weg des heranwachsenden Schülers der Carl-Anwandter-Grundschule, um das Feuerwehr-Einmaleins zu erlernen. „Bronkow hat eine Super Nachwuchsfeuerwehr mit erfolgreichen Feuerwehrsport-Mannschaften“, erzählt er. Inzwischen ist er nach abgeschlossener Ausbildung in die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Bronkow aufgenommen und bereits mehrfach zu Einsätzen ausgerückt. „Hauptschwerpunkt ist die Autobahn BAB13, wo wir aufgrund der naheliegenden Anschlussstelle Bronkow häufig zu Verkehrsunfällen gerufen werden“, so der ehrenamtliche Feuerwehrmann.

Die BAB13 verläuft mitten durch Bronkow und Amandusdorf, die jedoch durch eine schmale Brücke über die Verkehrsader Berlin-Dresden hinweg miteinander verbunden sind. „Am besten sind der Verlauf der Autobahn und die Ortslagen aus der Vogelperspektive zu erkennen“, führt Felix Hegewald an. Er habe den Blick auf seine Heimat auch schon mit der Kamera festgehalten. Während seiner Schulzeit am Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasium und nach Empfehlungen eines Cousins hat er beim Fliegerclub Bronkow (Gemeinde Luckaitztal) angeheuert und dort seinen Segelflugschein gemacht. Die Momente im Cockpit und in großer Höhe beschreibt er mit nur einem Wort: „Faszinierend.“

Eine sich ständig entwickelnde Seenlandschaft, die großen Waldgebiete, Ackerflächen, Städte und Dörfer fügten sich zu einem schönen Flecken Erde zusammen, betont er. Inzwischen hat Felix Hegewald auch seinen 16-jährigen Bruder Henry mit Segelfliegen infiziert. Während er als Flugschüler regelmäßig auf dem Flugplatz Bronkow zu finden ist, wahren die Eltern Britt und Thomas respektvolle Distanz zum Segelfliegen. „Papa ist schon mal mitgeflogen, bei Mama braucht es noch etwas Überzeugungskraft“, räumt Felix Hegewald ein.

An einer Anekdote macht er fest, dass das Elternhaus für fliegende Momente geradezu prädestiniert sei. „Vor etwa fünf Jahren ist uns ein zutraulicher Kanarienvogel zugeflogen. Wir haben in eingefangen und im Dorf rumgehört, wem der Vogel gehören könnte. Ergebnis negativ“, fasst der 19-Jährige den unerwarteten Familienzuwachs zusammen. Da er an einem Montag zugeflogen ist, gaben ihm die Hegewälder den Namen „Monday“. Er werde aber von allen nur „Piepsi“ genannt.

Apropos Namensgebung: Wie kam eigentlich Amandusdorf zu seiner Bezeichnung, wo doch in historischen Landkarten stets vom Vorwerk Bronkow die Rede ist? Martina Möller, Bürgermeisterin der Gemeinde, weiß die Antwort. „Der Name stammt von einem Sohn des Gutsherrn Gut Bronkow ab, dessen Vorwerk nach dem Sohn Amandus benannt wurde. Eine zweite These spricht von einem Bauern Mendus, der als erster im heutigen Amandusdorf gesiedelt haben soll“, erklärt sie. „Ich denke aber, dass eher die erste These stimmt“, so die rührige Gemeindechefin, die am zurückliegenden Mittwoch zu den ausgezeichneten Ehrenamtlern des Landkreises Oberspreewald-Lausitz zählte.

Diesem will Felix Hegewald so lange wie möglich die Treue halten. „Ich möchte hier nicht weg“, so der angehende „Edel-Mechatroniker“. Im Rahmen eines Dualen Studiums pendelt er zwischen seinem Ausbildungsbetrieb BASF Schwarzheide und der Hochschulstadt Zittau. Nach Ausbildungsabschluss hofft er auf eine Festeinstellung in einem regionalen Unternehmen. Auch weil es in Amandusdorf so schön ist und das Segelfliegen so viel Spaß macht, so der Hobbypilot, der es inzwischen auf 340 Starts und 85 Flugstunden gebracht hat.