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Alleen im OSL-Kreis
Immer mehr alte Alleen sterben in den nächsten Jahrzehnten

Blick auf die alte Allee am Ortseingang Hohenbocka aus Richtung Hosena. Diese besteht vor allem aus Roteichen, Eichen und Linden.
Blick auf die alte Allee am Ortseingang Hohenbocka aus Richtung Hosena. Diese besteht vor allem aus Roteichen, Eichen und Linden. FOTO: Richter-Zippack
Senftenberg. Baumreihen sind vielfach gefährdet. Der Oberspreewald-Lausitz-Kreis bemüht sich um Ersatz.

Die Alleen im Oberspreewald-Lausitz-Kreis werden in den nächsten 20 bis 30 Jahren erheblich schrumpfen. Hauptproblem ist die Überalterung. Der Landkreis will diese Entwicklung an seinen Straßen durch weitere Pflanzungen zumindest verlangsamen. Wie viele Kilometer Alleen es zwischen Spreewald und Kmehlener Bergen derzeit gibt, kann nicht einmal die zuständige Untere Naturschutzbehörde (UNB) mit Sicherheit sagen. „Wir gehen jedoch davon aus, dass etwa zehn Prozent der Strecken mit Alleen bepflanzt sind“, lässt die Behörde wissen. Häufigste Baumarten seien Spitz- und Bergahorn, Winterlinde sowie Stiel- und Roteiche.

Im Bereich der Straßenmeisterei Schwarzheide, die im Großen und Ganzen den Altkreis Senftenberg abdeckt, befinden sich laut Landesbetrieb Straßenwesen rund 15 Kilometer Alleen entlang von Bundes- und Landesstraßen, insbesondere Eiche und Ahorn. Fast doppelt so viele Kilometer, nämlich 27, fallen in den Zuständigkeitsbereich der Straßenmeisterei Calau, die den Altkreis betreut. Dort bilden Eiche, Linde, Ahorn und Kastanie die Schwerpunktbaumarten. Einer der größten Verluste des vergangenen Jahres war die Fällung der Roteichenallee in Hosena entlang der Ortsdurchfahrt. In der zweiten Februarhälfte mussten entlang der Landesstraße 58 insgesamt 174 Bäume für den Straßenausbau weichen.

Ende 2017 lief laut OSL-Kreis die Fällung einzelner kranker beziehungsweise alter Bäume an den Kreisstraßen. Im Gegenzug gab es aber auch Neupflanzungen. Im Frühjahr 2017 wurden die Kreisstraßen in Lindenau, Frauendorf und Senftenberg mit neuen Gehölzen bedacht. Im Spätherbst folgte eine Verbindung bei Buchwäldchen.

Entlang der Bundes- und Landesstraßen hat es nach Angaben des Landesbetriebes Straßenwesen im Herbst keine Neupflanzungen an Alleen gegeben. „Für das kommende Frühjahr sind auch keine geplant“, sagt Sprecherin Dr. Cornelia Mitschka. Allerdings habe die Behörde im zu Ende gegangenen Jahr eine Detailanalyse zu Alleen und Baumreihen vornehmen lassen. Deshalb könne anno 2018 mit Verhandlungen mit den entsprechenden Grundeigentümern von Flächen entlang der Verkehrsachsen begonnen werden. Kurzum: Auch dort könnte es mittelfristig neue Baumbestände geben. Schließlich sei der Alleenbestand aufgrund seines hohen Alters auch an Bundes- und Landesstraßen rückläufig. Konkrete Zahlen zu den Abgängen nennt der Landesbetrieb indes nicht.

Die größten Gefahren für die heimischen Alleen sehen die Experten in der zunehmenden Überalterung. Nach rund 80 bis 100 Jahren hätten die Gehölze ihre beste Zeit hinter sich. Daher müssten immer mehr Bäume gefällt werden. Darüber hinaus müssen die Gehölze mit viel Stress klarkommen, dem nicht selten Krankheiten folgen. Abgase, lange Trockenperioden, Pilz- und Schädlingsbefall bilden die Ursachen. Darüber hinaus sei auch die Landwirtschaft für die schwache Vitalität der Alleebäume verantwortlich. So werde beispielsweise bis in den Wurzelraum hinein gepflügt. Weitere Probleme bereite die Verlegung von Fernmelde- und Energiekabeln sowie weiterer Medien entlang der Baumreihen.

So ist nach Angaben des Landkreises der Alleenbestand entlang der Gemeindestraßen relativ ausgeglichen, an Kreisstraßen leicht defizitär, an Bundes- und Landesstraßen allerdings unausgeglichen. In den kommenden 20 bis 30 Jahren würden die jetzigen Alleen aufgrund ihres Alters und der damit verbundenen Beeinträchtigungen verschwinden. Somit dürfte sich auch das Landschaftsbild erheblich verändern. Der Landkreis wirke dieser Entwicklung durch weitere Alleeneupflanzungen in den kommenden Jahren entgegen.