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| 11:11 Uhr

Mitarbeiter-Service-Preis
Algen-Professor bezwingt Großglockner

 In seinem Element: Algen-Professor Ingolf Petrick am Open Pond im BTU-Technikum, in dem Algen hergestellt werden. Ähnliche, nur um ein Vielfaches größere Anlagen stehen in Kalifornien, Israel und Australien. Das in der Vorwoche noch glasklare Wasser hat sich inzwischen grün verfärbt. Die Algen wachsen prächtig.
In seinem Element: Algen-Professor Ingolf Petrick am Open Pond im BTU-Technikum, in dem Algen hergestellt werden. Ähnliche, nur um ein Vielfaches größere Anlagen stehen in Kalifornien, Israel und Australien. Das in der Vorwoche noch glasklare Wasser hat sich inzwischen grün verfärbt. Die Algen wachsen prächtig. FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Senftenberg. Die RUNDSCHAU verleiht in diesem Jahr zum ersten Mal den Mitarbeiter-Service-Preis. In einer Serie stellen wir die Anwärter vor. Heute: Professor Ingolf Petrick aus der Fakultät Umwelt und Naturwissenschaften der BTU Cottbus-Senftenberg. Von Andrea Budich

Die Natur hat für Professor Ingolf Petrick etwas Magisches. In seinem Job ist er auf der Suche nach der optimalen Alge. Der Wissenschaftler der BTU erforscht in seinem Labor in Senftenberg die Herstellung von Algenbiomasse.

 LR Service Preis
LR Service Preis FOTO: LR / Schubert, Sebastian

Und dabei ist es nicht primär die Technologie an der der Algen-Professor immer wieder tüftelt, sondern die Natur. Seine optimale Alge soll schnell wachsen, einen hohen Fettsäuregehalt haben und Kohlendioxid gut vertragen. Ganz nebenbei muss sie sich auch leicht ernten und gut weiterverarbeiten lassen. Den Algen-Primus unter weltweit rund 80 000 Algenarten herauszupicken, ist kein einfacher Job. Ein Job, an dem die Algenforscher aus Senftenberg seit Jahren intensiv tüfteln.

Zur Natur hingezogen fühlt sich der Algen-Professor, wie seine Chemie- und Biotechnologie-Studenten ihn kurz nennen, auch in der Freizeit. Dann lässt er das Labor Labor sein und wandert, läuft und radelt stattdessen ziemlich sportlich. Für den 60-jährigen Wissenschaftler der perfekte Ausgleich, den es zur Kopfarbeit geben kann. „Du schaltest total ab. Und der einzige Gegner, den ich bezwingen muss, ist der eigene innere Schweinehund“, lacht der sportliche Professor. Beim Berlin-Marathon hat er seinen inneren Schweinehund schon vier Mal besiegt. Und den Großglockner, den mit 3798 Metern höchsten Berg Österreichs, hat er schon zweimal mit seinem Rad beim Glocknerkönig-Radrennen bezwungen. Mit Tausenden Radsportlern ist er die Herausforderung der Hochalpenstraße angegangen: 27 Kilometer Länge, Steigung bis zu zwölf Prozent und das Ziel auf 2500 Metern Seehöhe.

Dass ihr Professor mit dem Rad von seinem Wohnort Spremberg zum Campus nach Senftenberg strampelt, das ist für die Studenten daher längst nichts Besonderes mehr. Für den passionierten Triathleten gehört das zum ganz normalen Trainingspensum. Selbiges will der Professor jetzt aber noch einmal deutlich in die Höhe schrauben. Und deshalb wird Petrick im Frühling wieder öfter mit dem Rad nach Senftenberg kommen.

Denn er will fit sein für das Triathlon-Mekka im mittelfränkischen Roth am 5. Juli 2020. Den Startplatz hat er bereits sicher. Mit 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem Marathonlauf über 42,2 Kilometer ist es neben Hawaii der weltweit größte Wettkampf auf der Triathlon-Langdistanz. Vor elf Jahren hat er den langen Kanten als 50-Jähriger schon einmal geschafft. „Mit meinen dann 61 Jahren will ich es noch einmal wissen“, lacht der Professor. Acht bis zehn Stunden wird er bis zum Start in Roth wöchentlich trainieren. Immer dann, wenn er es schafft, aus seinem Algen-Forschungslabor und dem Hörsaal raus zukommen.

Sein grünes Wunder mit den Algen hat Ingolf Petrick schon erlebt. In einem ersten Forschungsprojekt ist unter seiner Regie in Senftenberg untersucht worden, welche Algen Kohlenstoffdioxid am schnellsten verwerten können. Dabei haben Wissenschaftler und Studenten zahlreiche Algenstämme auf ihre Eignung für die Umwandlung von Kohlendioxid in Sauerstoff und Biomasse getestet. Später hat Ingolf Petrick zu den Wissenschaftlern der BTU gehört, die aus Mikroalgen Biodiesel und Flugbenzin hergestellt haben. Das Senftenberger Algen-Kerosin hat immerhin sogar den Praxistest bestanden. Ein Sportflugzeug ist auf der Internationalen Luftfahrtausstellung (ILA) mit Flugbenzin geflogen. Die Extraktion des Treibstoffes aus der Biomasse  hatte damals eine Schwedter Firma vorgenommen.  „Technisch ist da viel machbar, wirtschaftlich aber derzeit nicht vertretbar“, sagt Petrick.

Die Algen lassen den Marathon-Mann indes nicht los. Das nächste Projekt soll der Aufbau eines neuartigen Photo-Bioreaktors sein. Dafür hat sich der Algen-Professor mit einem kleinen Unternehmen aus der Region zusammengetan. Beide hoffen jetzt auf die Genehmigungs-Unterlagen.

Der Algenforscher mit dem Hang zur sportlichen Langdistanz war zu Wochenbeginn Teilnehmer am Bundes-Algen-Stammtisch in Kiel. Dort hat sich die deutschsprachige Algen-Szene zum Fachsimpeln getroffen. Ingolf Petrick ist mit der Bahn angereist. Trainingskilometer auf dem Rennrad wären ihm freilich lieber gewesen.

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