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Senftenberg
Akzeptanz für Superschule bröckelt

Kleine Klassenzimmer, steigende Schülerzahlen und keine Turnhalle - ein Umzug ins Schulzentrum ist für die Rathenau-Schule trotzdem keine Option.
Kleine Klassenzimmer, steigende Schülerzahlen und keine Turnhalle - ein Umzug ins Schulzentrum ist für die Rathenau-Schule trotzdem keine Option. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Ratlosigkeit im Kreisstadt-Parlament: Schulleiter  von Grund- und Oberschule ziehen ihre Zustimmung zum Schulzentrum zurück. 200 000-Euro-Planung wird aber zu Ende gebracht. Von Andrea Budich

Nicht ad acta gelegt, aber hochgradig versetzungsgefährdet - das sind die Aussichten für das Schulzentrum, das vor einem guten halben Jahr mit ganz viel Rückenwind des Bildungsministeriums zu den ehrgeizigsten Plänen der Kreisstadt Senftenberg gehörte. Senftenbergs Schulzentrum, mit dem die Kreisstadt schulpolitisch die Weichen für die nächsten 30 Jahre stellen will, steht unter keinem guten Stern - soviel steht nach der Sonder-Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend fest.

Ob die am Standort der Dr.-Otto-Rindt-Oberschule in der Calauer Straße angedachte Superschule überhaupt noch das Klassenziel erreicht, ist nach der gut zweieinhalbstündigen hitzig und emotional geführten Debatte im Ratssaal offen. Denn die Kritik am Schulzentrum, in dem die Rindt-Oberschule und die Rathenau-Grundschule verschmelzen sollen, wächst und ist nicht mehr zu überhören. Ganze Fraktionen und die beiden Schulleiter Frank Losch und Birgit Poyda haben dem Vorhaben ihre Zustimmung entzogen. Die beiden Kollegien der Rathenau-Grundschule und der Rindt-Oberschule sind nicht mehr bereit, an der Planung für ein großes Schulzentrum mitzuwirken.

Mit diesem Paukenschlag ist der Gedankenaustausch zum Bau des Schulzentrums beendet worden. Auf einen Beschlussvorschlag hatte Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD) bewusst verzichtet. Aber auch wenn es keine Abstimmung, keinen Beschluss am Mittwochabend gab, war die Botschaft an den Bürgermeister klar: Die Akzeptanz für ein Schulzentrum am Standort in der Calauer Straße bröckelt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die im Herbst beauftragten Vorplanungen im Wert von 200 000 Euro  zu Ende geführt werden - was Senftenbergs Stadtverordnete zähneknirschend zur Kenntnis nehmen mussten, weil sie es selbst so im Juni des Vorjahres beschlossen hatten. Erst wenn diese abschließende Planung in drei bis vier Monaten vorliegt, soll das endgültige Machtwort zum Schulzentrum fallen.

Das schulpolitische Erdbeben ausgelöst hat indes ein persönlicher Brief, den Schulleiter Frank Losch im Januar an den Bürgermeister geschrieben hat. Dafür bekannt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es um Ehrlichkeit geht, hat Losch zu Papier gebracht, warum die Bedenken in der Lehrerschaft während der Planung immer größer wurden, was ihn umtreibt und bedrückt. „Ich habe mich für diesen Weg entschieden, wohlwissend, dass ich damit Unruhe stifte“, erklärte sich Losch vor den Abgeordneten. Auch für seine Kollegin, Schulleiterin Birgit Poyda von der Rathenau-Schule, ist das Schulzentrum - zumindest am Standort in der Calauer Straße - gestorben. „Je mehr wir uns damit beschäftigt haben, umso mehr Probleme tauchten auf“, erklärt sie die ablehnende Haltung ihres Kollegiums. Die Rathenau-Pädagogen sind jedenfalls nicht mehr bereit, an der Planung mitzuarbeiten. „Was wir uns vorstellen können, ist der Bau eines Schulzentrums an einem gänzlich neuen Standort“, sagt Birgit Poyda. Parallel dazu sollte die Rathenau-Grundschule auslaufen, um die gestiegenen Schülerzahlen abzufedern.

Dass beide Schulleiter plötzlich nicht mehr mitziehen, löst Turbulenzen in der Abgeordnetenrunde aus. Nicht nur für Norbert Philipp (Wir für Senftenberg/Grüne/B 90) war das Lehrervotum im Juni schließlich ausschlaggebend für sein Ja zum Schulzentrum. Auch Linken-Fraktionschef Wolf-Peter Hannig zeigt sich als bekennender Befürworter des gemeinsamen Lernens von Klasse 1 bis 10 nachdenklich, wenn die betroffenen Schulen jetzt geschlossen aus dem Ring steigen und ihr Veto einlegen.

Der Protestbrief mit all seinen Auswirkungen ist indes für Kerstin Weidner (AGSUS) Spiegelbild vieler offener Fragen, die beim Schulzentrum-Start im Juni nicht beantwortet werden konnten. Dazu gehören der für Fünf- und Sechsjährige unzumutbare Schulweg und der fehlende Schulbusverkehr. „Lieber jetzt so ein Brief, als wenn es zu spät gewesen wäre“, wiederholt die Stadtverordnete ihr Nein zum Schulzentrum in der Calauer Straße. Senftenbergs Alt-Bürgermeister Klaus-Jürgen Graßhoff (CDU) kritisiert, dass der Beschluss mit der Freigabe der 200 000 Euro für die Planung im Vorjahr unter Zeitdruck gefasst wurde, weil eine Fördermittel-Summe lockte, die alle fast schwindelig gemacht hat. „Sobald die Planung auf dem Tisch liegt, müssen wir überlegen, wie es weitergeht“, appellierte er am Ende der hitzigen Runde zu Besonnenheit.